Wird Ilse Aigner Bundespräsidentin? Söder-Vorstoß sorgt für Verwirrung
Autor: Agentur dpa
München, Samstag, 25. April 2026
Im kommenden Jahr soll Deutschlands neues Staatsoberhaupt gewählt werden. Nun warf Bayerns Ministerpräsident Söder einen bekannten Namen in den Ring.
Nun hat er es tatsächlich öffentlich gesagt: CSU-Chef Markus Söder unterstützt seine Parteifreundin Ilse Aigner bei einer möglichen Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin. Was zunächst wenig überraschend wirkt, wirft durchaus Fragen auf. Nicht nur, weil das Verhältnis zwischen den beiden alles andere als einfach ist. Auch der Zeitpunkt und die Art und Weise lassen Zweifel aufkommen.
In der Union wird Aigners Name schon lange als potenzielle Kandidatin für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier gehandelt. Die 61-Jährige ist politisch erfahren, verfügt durch ihre Zeit als Landes- und Bundespolitikerin über ein hervorragendes Netzwerk, kann gut mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und hat als Landtagspräsidentin gezeigt, dass sie auch in schwierigen Zeiten einem überparteilichen Kompass folgt. Auseinandersetzungen mit der AfD endeten in Gerichtsverfahren, die dort aber immer unterlag.
Söder will Aigner als Bundespräsidentin - sie selbst schweigt
Öffentlich geäußert hat sie sich zu ihren Plänen aber noch nie. Aus ihrem Umfeld heißt es, dass es jeden Politiker und jede Politikerin zunächst einmal schmeichelt, wenn der eigene Name für das Amt des Staatsoberhauptes gehandelt wird. Anders als bei anderen politischen Ämtern sei es hier auch falsch, den eigenen Hut in den Ring zu werfen. So gesehen ist Aigner sehr gut damit beraten, jetzt nicht über Söders Stöckchen zu springen.
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In der CSU sehen einige Söders Aktion auch als vergiftetes Geschenk. Lange war Aigner Söders größte Konkurrentin für das Amt des Ministerpräsidenten. Als Chefin der mächtigen CSU-Oberbayern verfügt sie über eine große Hausmacht. Am Ende überließ sie Söder kampflos das Feld - auch im Wissen, dass dieser bereits in CSU die notwendigen Mehrheiten hinter sich versammelt hatte. Seither agieren beide mit einem wohlwollenden Sicherheitsabstand voneinander mit einer Art Nichtangriffspakt.
Doch warum nennt Söder ausgerechnet jetzt Aigners Namen? Dahinter steht, so heißt es aus der CSU, zuerst Söders eigene Lage. Dieser kämpft derzeit mit viel Gegenwind und steht auch wegen des Abschneidens seiner Partei bei der Kommunalwahl unter Zugzwang. Von der Unterstützung der in Bayern beliebten Aigner dürfte er auch selbst profitieren.
Vergiftetes Geschenk? Söder verletzt Koalitions-Absprachen
Mit seinem Vorstoß verletzt Söder aber die bisherige Absprache in der schwarz-roten Koalition. Und das in zweifacher Hinsicht: Zum einen wollten die Chefs von CDU, CSU und SPD einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen, wie Merz in einem Interview erst im Februar ankündigte. Zum anderen wollten sie sich bis nach den drei Landtagswahlen im September Zeit lassen.
Genau daran erinnert Merz am Rande des EU-Gipfels in Zypern mit seiner zurückhaltenden Reaktion: "Ich habe vor, mich mit den Parteivorsitzenden der SPD und der CSU dazu im Herbst zu verständigen. Und bis dahin nehme ich Vorschläge mit Interesse zur Kenntnis." Zugleich gelte für ihn die Verabredung innerhalb der Koalition, erst im Herbst zu entscheiden.