"Völlig an der Realität vorbei": Seehofer kritisiert Merz scharf
Autor: Redaktion, Agentur dpa
München, Sonntag, 11. Oktober 2026
Der frühere CSU-Chef Horst Seehofer macht Kanzler Merz schwere Vorwürfe. Die CDU sucht derweil nach Auswegen aus ihrer Krise.
Der frühere CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert und eine dringende Änderung des Kurses gefordert. "Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Das Sofortprogramm von CDU und CSU versprach an erster Stelle eine Senkung der Stromsteuer für alle - passiert ist nichts", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag".
Besonders scharf verurteilte er Merz' Aussagen über die Arbeitsmoral in Deutschland: "Aussagen, die Deutschen würden zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern, verletzen die Menschen. Was sagen Sie damit einer Krankenschwester, die ohnehin schon Wochenend- und Nachtschichten schiebt?", fragte Seehofer.
CDU-Führungsklausur am Montag
"Bei Audi erlebe ich Arbeitnehmer, die gerne mehr arbeiten würden, denen man aber stattdessen Aufhebungsverträge anbietet. Diese pauschale Sprache geht völlig an der Realität vorbei." Mit Blick auf die schwarz-rote Bundesregierung forderte Seehofer "deutlich mehr Tempo" und "deutlich weniger Selbstbeschäftigung". Man benötige keine neuen Kommissionen mehr, da ein Spitzenpolitiker selbst Position beziehen müsse.
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"Ein Politiker, der in der Bundesliga spielt, muss selbst eine Haltung haben - beispielsweise bei der Pflege - und auf dieser Basis Lösungen in der Koalition durchsetzen." Die CDU sucht heute und Montag bei einer Führungsklausur nach Wegen aus ihrer tiefen Krise. Das Treffen des Parteipräsidiums mit seinen etwa 25 Mitgliedern war angesetzt worden, nachdem die CDU Ende September in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag geflogen war.