Sorge ums Gas: "nicht sehenden Auges in eine Versorgungslücke laufen"
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Bayern, Donnerstag, 20. August 2026
Niedrige Gasspeicher und steigende Gaspreise bereiten Politik und Verbraucherschützern Sorgen. Experten fordern schnelle Maßnahmen, um eine mögliche Versorgungslücke im Winter zu verhindern.
Mit Blick auf niedrige Gasspeicherstände sehen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur die Wirtschaft in der Pflicht. Die Füllung der deutschen Speicher, die aktuell rund zur Hälfte ausgelastet sind, sei "sehr gering", räumte eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin ein. "Wir beobachten die Lage genau, auch im geopolitischen Kontext, und fordern die Händler auf, einzuspeichern." Derzeit seien ungefähr 74 Prozent der Speicherkapazitäten gebucht.
Unterdessen fordert der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) den Bund zum Handeln auf, solange noch Zeit sei. "Wir dürfen beim Gas nicht sehenden Auges in eine Versorgungslücke laufen. Jetzt muss die Einspeicherung deutlich an Fahrt aufnehmen", sagt er. Der Bund müsse die Entwicklung engmaschig beobachten "und jederzeit in der Lage sein, gegenzusteuern, wenn die Einspeicherung nicht schnell genug vorankommt. Wir wollen keine unnötigen Eingriffe in den Markt. Aber wenn sich eine Versorgungslücke abzeichnet, darf der Staat nicht erst reagieren, wenn der Winter vor der Tür steht."
Aiwanger warnt vor Versorgungslücke: Warum das Gas so teuer ist
Die wegen des Iran-Kriegs blockierte Straße von Hormus erschwert den internationalen Transport von Gas und Öl, was die Preise in die Höhe treibt. Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es in der Heizperiode im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf deshalb derzeit wenig attraktiv.
Der Preis für europäisches Erdgas stieg am Mittwoch (19. August 2026) auf das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Kriegs. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 64,60 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das ist der höchste Stand seit Mitte März.
Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein, mit einigen festgelegten Ausnahmen.
Netzagentur-Chef: "Es ist ausreichend Gas verfügbar"
Netzagentur-Chef Klaus Müller nimmt ebenfalls die Händler in die Pflicht. "Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat", sagte er zu t-online. "Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen."
Deutschlands wichtigster Gaslieferant war lange Russland, das mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs aber wegbrach. Im Frühjahr 2022 wurden deshalb auf Betreiben des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) Füllstandsvorgaben eingeführt, die seither gelockert wurden.