Soll Deutschland die Fußball-WM boykottieren? Söder wird deutlich
Autor: Agentur dpa, Redaktion
München, Montag, 26. Januar 2026
Venezuela, Grönland, tödliche Schüsse der Abschiebe-Polizei - für viele sind das Gründe, über einen Boykott der Fußball-WM nachzudenken, die heuer in den USA stattfindet. Nun äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Söder dazu.
CSU-Chef Markus Söder lehnt einen Boykott der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko ab. Dies sei "völliger Quatsch", sowohl im Interesse der Sportler als auch außenpolitisch, sagte der bayerische Ministerpräsident nach einer Sitzung des Parteivorstands in München. "Was soll denn das sein, mal abgesehen davon, dass die Fußball-WM nicht nur in den USA stattfindet, sondern auch in Kanada und in Mexiko." Die Weltmeisterschaft startet am 11. Juni 2026.
Der Präsident des FC St. Pauli, Oke Göttlich, und Präsidiumsmitglied des DFB und der DFL, hatte zumindest eine Diskussion über die Lage in den USA mit Bezug auf die Weltmeisterschaft gefordert. "Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen", sagte er. "Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden."
Boykott der Fußball-WM in den USA - laut Söder "völliger Quatsch"
Auch andere Formen des Boykotts - etwa den Verzicht auf Waren aus den USA - seien aus Söders Sicht "Unsinn". Am Ende schade dies auch Deutschland. Für den Umgang mit den Vereinigten Staaten mahnte Söder vielmehr einen "Mix aus Besonnenheit und Klarheit" an. Es wäre falsch, mit Amerika zu brechen, es brauche vielmehr eine "langfristige Strategie", sagte Söder. Er sei gegen diese Aufgeregtheit, gegen die Aggression und auch klar gegen ein totales Abkoppeln von Amerika. Mit Blick auf die zwischenzeitliche Forderung von US-Präsident Donald Trump zur Übernahme Grönlands gab Söder aber zu, dass dies auch ihn "emotional durchgerüttelt" habe.
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Das war aber nicht die einzige Äußerung von Markus Söder zur US-Politik: Abgesehen davon hat er die AfD-Forderung scharf zurückgewiesen, hierzulande eine ähnliche Polizeieinheit einzuführen wie die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE. Methoden wie die der ICE werde es in Bayern und Deutschland nicht geben, sagte der bayerische Ministerpräsident nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. "Das ist ein typischer Fall, wie die AfD sich vorstellt, das Land selbst zu verunsichern und kaputtzumachen."
Die AfD-Landtagsfraktion hatte zuletzt die Schaffung einer speziellen Asyl-, Fahndungs- und Abschiebegruppe der bayerischen Polizei gefordert. Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner hatte nach einer Fraktionsklausur erläutert, dass diese Einheit durchaus Parallelen zur US-Behörde ICE haben solle. Nach zwei tödlichen Einsätzen von US-Bundesbeamten innerhalb kurzer Zeit wächst auch in den USA die Wut auf die Behörde sowie auf US-Präsident Donald Trump und dessen rigorose Abschiebepolitik.
AfD will Abschiebe-Polizei für Deutschland - Söder dagegen
Am Samstagmorgen war der weiße US-Bürger Alex Pretti durch Schüsse von Bundesbeamten in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota ums Leben gekommen. Die US-Regierung stellt die tödlichen Schüsse als Selbstverteidigung dar, Videomaterial im Netz von der Szene erweckt allerdings einen anderen Eindruck. Anfang Januar war die US-Bürgerin Renée Good in derselben Stadt von einem ICE-Beamten erschossen worden.
Auch der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, wies die AfD-Idee als "menschenverachtend und demokratiefeindlich" zurück. "Während die Welt mit Schrecken auf die hemmungslose Gewalt der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis und in anderen Bundesstaaten schaut und sich fragt, wie die Rechtsstaatlichkeit hier so missachtet werden kann, sieht die AfD Bayerns ICE allen Ernstes als Vorbild für eine künftige nationale "Abschiebepolizei"", sagte er der Mediengruppe Bayern. "Das außer Kontrolle geratene Vorgehen einer ICE will niemand auf Deutschlands Straßen."