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Ruhpolding: Katastrophenfall ausgerufen - riesiger Brand in Chiemgauer Bergen


Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa

Ruhpolding, Montag, 04. Mai 2026

In den Chiemgauer Alpen kämpfen zahlreiche Einsatzkräfte gegen einen großen Waldbrand. Besonders kritisch ist die Lage, weil ein wichtiges Trinkwasserschutzgebiet bedroht ist.
Noch immer steigen große Rauchwolken aus einem bewaldeten Berg bei Ruhpolding (Landkreis Traunstein) auf.


Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen kämpfen zahlreiche Feuerwehrleute weiterhin gegen einen zerstörerischen Waldbrand. In dieser Region wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Schätzungen zufolge sind 50 bis 60 Hektar Wald betroffen, wie das Landratsamt mitteilte.

Das Feuer gefährdet ein Trinkwasserschutzgebiet. "Wir müssen die Quelle schützen. Die Quelle versorgt 30.000 Bürgerinnen und Bürger", sagte der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer. Das Gelände ist äußerst steil, sodass der Brand vom Boden aus nicht gelöscht werden kann. "Wir sind auf überregionale Hilfe angewiesen", erklärte Danzer. Daher habe er den Katastrophenfall ausgerufen.

In der Dunkelheit brennt der Berg: "Da blutet einem das Herz"

Bis zum Einbruch der Dunkelheit sollen Hubschrauber den Brand aus der Luft bekämpfen, danach müsse der Flugbetrieb bis Dienstagmorgen (5. Mai 2026) eingestellt werden, sagte der Einsatzleiter, Kreisbrandrat Christoph Grundner, nach einer Pressekonferenz am Nachmittag. "Das ist leider nicht anders möglich, da wir keine Maschine mit Wärmebildkamera beziehungsweise mit Nachtflugtauglichkeit bekommen haben", fügte Grundner hinzu.

Seit Sonntagabend (3. Mai 2026) lodern die Flammen an dem Berg bei Ruhpolding im Landkreis Traunstein. Der Ruhpoldinger Bürgermeister Justus Pfeifer berichtete, dass der Berg als sehr markantes Bergmassiv vom gesamten Talkessel Ruhpolding aus zu sehen ist. "Da blutet einem natürlich schon das Herz, wenn dieser Berg raucht und qualmt und brennt in der Nacht. Und wenn man dann vor allem bei Dunkelheit rausschaut und diesen Berg brennen sieht, da wird einem ein bisschen mulmig."

Dichter Rauch stieg auch am Montag aus einem bewaldeten Berg auf. Derzeit sind vier Polizeihubschrauber der Landespolizei sowie zwei Hubschrauber von Heli Austria an den Löscharbeiten beteiligt. Auch Hubschrauber der Bundespolizei sowie ein weiterer der Landespolizei Baden-Württemberg werden eingesetzt, teilte das Landratsamt mit.

Trinkwasserschutzgebiet in Gefahr

Für Dienstag sind darüber hinaus Hubschraubereinsätze der Bundeswehr geplant. Der Bundeswehrhubschrauber kann rund 5000 Liter Wasser transportieren, deutlich mehr als die Hubschrauber der Polizei, sagte Danzer.

Wenn nötig, soll auch aus Baden-Württemberg am Dienstag erneut ein Hubschrauber kommen, teilte das Innenministerium in Stuttgart mit. Zusätzlich entsendet die Polizei Baden-Württemberg den in Bayern nicht vorhandenen Flugfeld-Tankwagen zur Treibstoffversorgung direkt im Einsatzgebiet.

Im Zentrum der Einsatzmaßnahmen steht laut Danzer der Schutz des Trinkwasserschutzgebietes. Die Feststellung des Katastrophenfalls, bei dem Einsatzkräfte, Fachstellen und Behörden zentral koordiniert werden, sei angesichts der Lage ein notwendiger Schritt gewesen, erläuterte Danzer. "Jetzt geht es darum, alle Kräfte bestmöglich zu koordinieren und das Trinkwasserschutzgebiet Laubau wirksam zu schützen."

Brandursache unklar: Deutscher Wetterdienst warnt vor Trockenheit

Feuerwehren aus Ruhpolding und umliegenden Orten wurden zusammengezogen. Sie kämpften auch am Boden gegen eine Ausbreitung des Feuers, etwa mit Bewässerungsmaßnahmen entlang von Forstwegen. Ein direktes Eingreifen am Boden sei wegen der steilen und schwer zugänglichen Lage "nicht zielführend und würde eine Gefährdung für die einzelnen Kräfte darstellen", hatte die Gemeinde bereits am Morgen erläutert.

Die Brandursache ist unklar. Aufgrund der Witterung der letzten Tage und Wochen herrscht extreme Trockenheit, sagte Einsatzleiter Grundner.

Für ganz Bayern gab der Deutsche Wetterdienst für Montag auf dem Waldbrandgefahrenindex die Stufe drei von fünf aus. In einigen Regionen, unter anderem in Alpennähe, war es Stufe vier. In den nächsten Tagen soll die Gefahr mit aufkommendem Regen sinken. Laut der Gemeinde Ruhpolding waren am Montagmorgen rund vier bis fünf Hektar Waldfläche betroffen.

Keine Anhaltspunkte für Brandstiftung

Im betroffenen Gebiet südlich des Ortsteils Laubau und der Chiemgau Arena könnte es Ascheregen geben. In diesem Fall sollten Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten und den Aufenthalt im Freien reduzieren. Aktuell besteht aber keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung. Dennoch mahnte die Gemeinde, das Gebiet weiträumig zu meiden und die Zufahrtswege für Einsatzkräfte freizuhalten.

"Es sind auch Polizeibeamte eingebunden", sagte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. "Wenn sich Anhaltspunkte für eine Straftat ergäben, also etwa Brandstiftung, würde die Polizei ermitteln. Momentan gibt es dafür aber keinen Anhaltspunkt."

Es habe am Wochenende einige kleinere Brände an Wiesen, Hecken und am Schilfgürtel eines Sees gegeben, die wahrscheinlich auf die warme Witterung zurückzuführen seien. "Bei keinem Brand haben wir bisher Hinweise auf eine Brandstiftung."