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Neuschwanstein: Weniger Besucher trotz Welterbe-Status


Autor: Agentur dpa, Stefan Lutter

München, Donnerstag, 12. Februar 2026

König Ludwigs Schlösser glänzen seit 2025 als Weltkulturerbe, doch Neuschwanstein besuchten zuletzt weniger Menschen als noch vor einigen Jahren. Warum?


Über fünf Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr Sehenswürdigkeiten der Bayerischen Schlösserverwaltung besucht. Das seien rund zwei Prozent mehr als 2024, teilte der bayerische Heimatminister Albert Füracker (CSU) bei der Bilanz-Pressekonferenz der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen am Mittwoch, 11. Februar 2026, in der Residenz München mit.

Die Schlösserverwaltung ist in Bayern für 45 Schlösser, Residenzen und Burgen, 27 Gartenanlagen und 21 Seen zuständig - unter anderem für weltberühmte Sehenswürdigkeiten wie Schloss Neuschwanstein und Schloss Herrenchiemsee. 

Kein Besucherrekord in Neuschwanstein - trotz so vielen Gästen in Bayern wie nie

Füracker bezeichnete 2025 auch ohne Besucherrekord als "ein Jahr der Superlative", vor allem, weil die Schlösser von König Ludwig II. zum Unesco-Welterbe ernannt wurden. Schloss Neuschwanstein im Allgäu belegte bei der Besucherzahl erneut Platz eins mit mehr als einer Million Besucherinnen und Besuchern. Auch die Wiedereröffnung der Venusgrotte im Schlosspark Linderhof habe sich positiv auf die Besuchszahlen ausgewirkt.

Dass es trotz eines Gästerekords in Bayern 2025 bei den Besuchern der Denkmäler keinen Höchstwert zu vermelden gab, begründete der Präsident der Schlösserverwaltung, Herrmann Auer, vor allem mit einer Änderung im größten Touristenmagnet.

Im Schloss Neuschwanstein dürften Besuchergruppen bei Führungen nach der Generalsanierung nicht mehr so groß sein wie früher. Ziele seien dabei ein respektvollerer Umgang mit der Sehenswürdigkeit und ein besseres Besuchserlebnis. 

Venusgrotte im Schlosspark Linderhof feierlich wiedereröffnet

Noch 2019 besuchten demnach fast eineinhalb Millionen Menschen Schloss Neuschwanstein, im vergangenen Jahr waren es rund 400.000 weniger. So hohe Zahlen wie vor der Corona-Pandemie würden in dem Schloss in Zukunft wohl nicht mehr erreicht, sagte Auer. 

Als Highlight im Jahr 2025 erachtete Finanz- und Heimatminister Füracker bei der Pressekonferenz die Wiedereröffnung der Venusgrotte im Schlosspark Linderhof nach zehn Jahren Restaurierung. Das nach der blauen Grotte von Capri inszenierte Schauspiel zog seit April 2025 bereits über 170.000 Besucher an.

Auch die Walhalla in Donaustauf und die Münchner Residenz verzeichneten erneute Besucherrekorde.

Besucherbilanz 2025 der Schlösser in Bayern - Die Zahlen im Überblick

Laut offiziellen Daten zur Schlösserbilanz 2025 (zum PDF) verzeichnete Bayerische Schlösserverwaltung, die beim Staatsministerium der Finanzen und für Heimat angesiedelt ist, im Jahr 2025 insgesamt 5.111.860 Besucherinnen und Besucher – ein Plus von rund 92.300 Gästen beziehungsweise etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024. Die Besucherzahlen verteilen sich auf insgesamt 45 Sehenswürdigkeiten, wobei Oberbayern mit den Publikumsmagneten Schloss Neuschwanstein, der Münchner Residenz und Schloss Linderhof den mit Abstand größten Anteil ausmacht. 

Die Besucherzahlen der Schlösser im Freistaat für 2025 im Detail: 

Mittelfranken

  • Ansbach:
    • Residenz Ansbach: 17.353 Besucher (2024: 14.626)
  • Cadolzburg:
    • Cadolzburg: 45.429 Besucher (2024: 44.593)
  • Eichstätt:
    • Willibaldsburg: 45.186 Besucher (2024: 37.415)
  • Ellingen:
    • Residenz Ellingen: 9271 Besucher (2024: 9412)
  • Nürnberg:
    • Kaiserburg – Palas und Museum: 190.020 Besucher (2024: 189.336)
    • Kaiserburg – Tiefer Brunnen und Sinwellturm: 173.994 Besucher (2024: 181.058)

Oberfranken

  • Bamberg:
    • Neue Residenz Bamberg: 43.859 Besucher (2024: 40.810)
    • Schloss Seehof: 23.961 Besucher (2024: 30.828)
  • Bayreuth:
    • Markgräfliches Opernhaus: 92.040 Besucher (2024: 95.792)
    • Neues Schloss Bayreuth: 24.832 Besucher (2024: 24.927)
    • Altes Schloss Eremitage: 16.292 Besucher (2024: 15.945)
    • Schloss Fantaisie: 4484 Besucher (2024: 3965)
  • Coburg:
    • Schloss Ehrenburg: 21.948 Besucher (2024: 21.816)
  • Kulmbach:
    • Plassenburg – städtische Museen: 18.931 Besucher (2024: 14.058)
    • Plassenburg – Sammlungen der Schlösserverwaltung: 13.700 Besucher (2024: 11.764)
  • Lauenstein:
    • Burg Lauenstein: 7789 Besucher (2024: 7191)
  • Rödental:
    • Schloss Rosenau: 8496 Besucher (2024: 9537)
  • Sanspareil:
    • Burg Zwernitz und Morgenländischer Bau: 12.369 Besucher (2024: 12.520)

Unterfranken

  • Aschaffenburg:
    • Schloss Johannisburg: 36.690 Besucher (2024: 43.917)
    • Pompejanum: 31.402 Besucher (2024: 27.423)
    • Schloss Schönbusch: aufgrund Bauarbeiten 2024 und 2025 geschlossen
  • Veitshöchheim:
    • Schloss Veitshöchheim: 7991 Besucher (2024: 7853)
  • Würzburg:
    • Residenz Würzburg: 365.601 Besucher (2024: 342.622)
    • Festung Marienberg: 27.370 Besucher (2024: 25.407)
    • Maschikuliturm: 6415 Besucher (2024: 3290)

Oberpfalz

  • Donaustauf:
    • Walhalla: 203.056 Besucher (2024: 182.557)

Oberbayern

  • Dachau:
    • Schloss Dachau: 3712 Besucher (2024: 2852)
  • Feldafing:
    • Casino auf der Roseninsel: 6884 Besucher (2024: 6438)
  • Herrenchiemsee:
    • Neues Schloss Herrenchiemsee: 309.353 Besucher (2024: 309.170)
    • Museum im Augustiner-Chorherrenstift: 69.654 Besucher (2024: 69.046)
  • Linderhof:
    • Schloss Linderhof mit Parkbauten: 417.692 Besucher (2024: 353.242)
  • München:
    • Residenzmuseum München: 560.780 Besucher (2024: 536.746)
    • Schloss Nymphenburg: 366.571 Besucher (2024: 403.882)
    • Marstallmuseum: 140.650 Besucher (2024: 172.935)
    • Cuvilliés-Theater: 118.932 Besucher (2024: 124.861)
    • Nymphenburger Parkburgen: 91.372 Besucher (2024: 112.102)
    • Bavaria: 24.106 Besucher (2024: 19.398)
    • Schatzkammer der Residenz: 22.750 Besucher (2024: 24.661)
  • Neuburg an der Donau:
    • Schloss Neuburg an der Donau: 32.426 Besucher (2024: 15.962)
  • Schachen:
    • Jagdschloss Schachen: 9067 Besucher (2024: 6628)
  • Schleißheim:
    • Neues Schloss Schleißheim: 51.143 Besucher (2024: 43.758)
    • Schloss Lustheim: 31.242 Besucher (2024: 21.201; aufgrund Bauarbeiten von Mitte Januar 2024 bis Mitte April 2024 geschlossen)
    • Altes Schloss Schleißheim: 30.695 Besucher (2024: 22.587)
  • Schwangau:
    • Schloss Neuschwanstein: 1.086.432 Besucher (2024: 1.082.816)
  • Utting am Ammersee:
    • Künstlerhaus Gasteiger: 1224 Besucher (2024: 989)

Niederbayern

  • Burghausen:
    • Burg zu Burghausen: 81.090 Besucher (2024: 90.268)
  • Kelheim:
    • Befreiungshalle: 121.361 Besucher (2024: 118.075)
  • Landshut:
    • Burg Trausnitz mit Kunstkammer: 45.813 Besucher (2024: 43.490)
    • Stadtresidenz Landshut: aufgrund Bauarbeiten 2024 und 2025 geschlossen
  • Prunn:
    • Burg Prunn: 23.426 Besucher (2024: 22.174)

Schwaben

  • Höchstädt an der Donau:
    • Schloss Höchstädt: 3628 Besucher (2024: 5408)
  • Kempten:
    • Residenz Kempten: 13.378 Besucher (2024: 12.200)

Deutliche Zuwächse bei einzelnen Sehenswürdigkeiten

Besonders auffällig sind die starken Besucherzuwächse bei einigen Schlössern und Burgen. Den größten prozentualen Anstieg verzeichnete Schloss Neuburg an der Donau mit einem Plus von über 103 Prozent (von 15962 auf 32426 Besucher) – hier dürften Sonderausstellungen oder besondere Veranstaltungen eine Rolle gespielt haben.

Ebenfalls bemerkenswert ist der Zuwachs beim Maschikuliturm in Würzburg. Der Geschützturm auf der Festung Marienberg hat seine Besucherzahl von 3290 auf 6415 nahezu verdoppelt (plus 95 Prozent).

Schloss Linderhof mit seinen Parkbauten legte um rund 18 Prozent zu (von 353242 auf 417692 Besucher), was maßgeblich auf die Wiedereröffnung der Venusgrotte nach zehnjähriger Restaurierung zurückzuführen ist. Auch die Walhalla in Donaustauf erzielte mit einem Plus von über elf Prozent (von 182557 auf 203056 Besucher) einen neuen Besucherrekord.

Rückgänge bei beliebten Zielen und stabile Publikumsmagneten

Auf der anderen Seite mussten einige Sehenswürdigkeiten teils deutliche Besucherrückgänge hinnehmen. Schloss Höchstädt an der Donau verlor rund 33 Prozent seiner Besucher (von 5408 auf 3628). Auch Schloss Nymphenburg in München verzeichnete mit einem Minus von über neun Prozent (von 403882 auf 366571 Besucher) einen spürbaren Rückgang.

Das Marstallmuseum in München büßte sogar rund 19 Prozent ein (von 172935 auf 140650 Besucher), ebenso die Nymphenburger Parkburgen mit einem Minus von etwa 18 Prozent. In Oberfranken fiel der Rückgang bei Schloss Seehof in Bamberg mit minus 22 Prozent (von 30828 auf 23961 Besucher) besonders deutlich aus. Auch die Burg zu Burghausen verlor rund zehn Prozent ihrer Gäste.

Die großen Besuchermagneten blieben weitgehend stabil auf hohem Niveau. Schloss Neuschwanstein behauptete seine Spitzenposition mit über 1,08 Millionen Besuchern und einem leichten Plus von etwa 0,3 Prozent. Das Residenzmuseum München als zweitbeliebteste Sehenswürdigkeit legte um rund 4,5 Prozent zu (von 536746 auf 560780 Besucher). Auch die Residenz Würzburg konnte mit einem Plus von knapp sieben Prozent (von 342622 auf 365601 Besucher) zulegen. Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, seit 2012 UNESCO-Welterbe, verzeichnete hingegen einen leichten Rückgang von etwa vier Prozent, bleibt aber mit über 92000 Besuchern eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Oberfranken.

Auch in diesem Jahr stehen in Bayerns Schlössern wieder einige Bauarbeiten an - unter anderem bei der Generalsanierung der Festung Marienberg in Würzburg. Es ist die erste Sanierung seit dem Wiederaufbau der Festungsanlage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. dpa/sl