Druckartikel: BJR-Jugendchef will Girls' Day ersetzen - wegen "queeren" Teenagern

BJR-Jugendchef will Girls' Day ersetzen - wegen "queeren" Teenagern


Autor: Agentur dpa, Redaktion

München, Donnerstag, 23. April 2026

Girls' und Boys' Day sollen dazu führen, dass sich mehr für geschlechteruntypische Berufe interessiert wird. Der Präsident des Bayerischen Jugendrings findet das nicht mehr zeitgemäß.
BJR-Präsident Philipp Seitz empfindet die Berufsorientierungstage als Diskriminierung.


Ade, Klischee: Der sogenannte Zukunftstag oder Girls' und Boys' Day soll Kindern und Jugendlichen Einblicke in die Arbeitswelt gewähren und ihnen insbesondere jene Berufsfelder näherbringen, in denen Frauen respektive Männer unterrepräsentiert sind. Oftmals sind Angebote daher nach Geschlecht getrennt.

Ob dieses Konzept noch zeitgemäß ist, hinterfragt die Kommission Queere Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings (BJR). Diese kritisiert, dass dadurch genau die Klischees reproduziert würden, die es zu überwinden gelte. Konkret heißt es, die "binäre Zugangssymptomatik" würde " queere, nichtbinäre und inter* Jugendliche systematisch" aussschließen. Girls' und Boys' Day seien aktuell "nur für Personen, die sich als Mädchen" oder "als Jungen lesen", konzipiert.

Bayerischer Jugendring kritisiert Girls' und Boys' Day - "sortiert Jugendliche nach Geschlecht"

"Wir wollen diese Aktionstage nicht kleinreden – sie haben viel bewegt und wichtige Debatten angestoßen. Aber ein Format, das Jugendliche zunächst nach Geschlecht sortiert, bevor es Klischees überwinden will, trägt einen Widerspruch in sich, den wir als Bayerischer Jugendring thematisieren wollen", sagt BJR-Präsident Philipp Seitz. Der Vorsitzende der Kommission Queere Jugendarbeit, Patrick Wolf, äußert: "Ein zeitgemäßer Zukunftstag sollte alle Jugendlichen unabhängig von Geschlecht und Selbstbezeichnung ansprechen und Berufe nicht länger als 'Frauen-' oder 'Männerberufe' markieren. Die Einladung sollte nach Interesse und Neugier formuliert sein – zum Beispiel: Entdecke Berufe, in denen du dich bisher noch nicht gesehen hast."

Video:




Dass beim Thema Chancengleichheit und Berufsvorbereitung noch viel getan werden muss, erkennt auch der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR). "Denn noch immer scheinen junge Menschen bei der Berufswahl verfestigten Rollen- oder Geschlechterklischees zu folgen. So entscheiden sich Jungen überdurchschnittlich häufig für technische Berufe wie Elektroniker oder Industriemechaniker, während Mädchen eher soziale oder kaufmännische Berufe wählen", heißt es vom Verband.

Berufsorientierung müsse daher als zentrale und systematisch verankerte Aufgabe von Schule verstanden werden. Auch die BJR-Kommission Queere Jugendarbeit betont, dass strukturelle Probleme wie Lohnungleichheit und starre Rollenbilder durch einen Aktionstag im Jahr nicht behoben werden können.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen