Freie Wähler trauern um Hubert Aiwanger - aber was kommt danach für die Partei?
Autor: Christoph Trost und Julian Degler, dpa
, Samstag, 07. November 2026
Der überraschende Tod von Hubert Aiwanger hat die Freien Wähler in Schockstarre versetzt. Ein Politologe sieht ein schwer zu füllendes Vakuum. Droht der Partei ein Bedeutungsverlust?
Der überraschende Tod ihres Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger hat die Freien Wähler in Schockstarre versetzt. Zuerst natürlich menschlich, weil ein Freund, Kollege und Weggefährte plötzlich nicht mehr da ist. Aber auch darüber hinaus reißt Aiwangers Tod eine Lücke, die kaum zu füllen scheint.
Hubert Aiwanger war zwei Jahrzehnte lang Gesicht, Stimme, Galionsfigur und Zugpferd der Partei. Kurz: Aiwanger war die Freien Wähler. Wenn man sie jedenfalls jenseits der bayerischen Landesgrenzen beschreiben wollte, konnte man auch einfach "die Aiwanger-Partei" sagen.
Aiwanger war für die Freien Wähler "ein Ausnahmephänomen"
Der Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann sieht die Freien Wähler vor einer schier unlösbaren Herausforderung. "Sie müssen das personelle Vakuum erst mal füllen, und das wird schwierig bis unmöglich sein", sagt der Professor für Politisches Verhalten und Repräsentation an der Universität Mainz der Deutschen Presse-Agentur. Eine Nachfolge zu finden, die in der Lage sei, "die Strahlkraft, die ein Hubert Aiwanger hatte, auszufüllen" – daran entscheide sich "im Endeffekt die Zukunft der Freien Wähler in Bayern".
Der Politologe, der 2023 eine Studie zu den Freien Wählern mitveröffentlicht hat, erklärt es so: "Es gibt keine starke Person, die zumindest bekannt wäre oder sichtbar wäre, die auch nur ansatzweise in der Lage wäre, den Freien Wählern derart eine Bühne auch medial zu bieten". Aiwanger, der vor wenigen Tagen überraschend tot in einem Berliner Hotel gefunden wurde, sei als Person "ein Ausnahmephänomen" gewesen und habe deshalb eine zentrale Rolle gehabt.
Tatsächlich war Aiwanger nicht nur in Bayern, sondern immer wieder auch zu Wahlkampfterminen in anderen Bundesländern unterwegs – auch wenn es derzeit außer in Bayern nirgends sonst eine Landtagsfraktion gibt. Und er träumte nach wie vor und nimmermüde von einem Einzug in den Bundestag.
Freie Wähler wollen erst einmal Abschied von Aiwanger nehmen
Aiwanger allein war es, der die Freien Wähler in Talkshows vertrat – auch wenn es vor allem die Affäre um ein antisemitisches Flugblatt aus Schulzeiten war, die ihm 2023 einen bundesweiten Bekanntheitsschub verpasste. Aber mit seinem besonderen niederbayerischen Dialekt und seinem streitbaren Auftreten schaffte er es, sich und den Freien Wählern diese Aufmerksamkeit zu erhalten.
Erst einmal geht es nun ganz formal um die personelle Nachbesetzung: Wer folgt Aiwanger wo? Im Bundesverband gibt es, so hört man, viele Stimmen, die glauben, dass Aiwangers Nachfolge im Bundesvorsitz in Bayern entschieden werden müsse. Und was ist mit dem Landesvorsitz? Und wer wird neuer bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident?