Erstes lesbisches Event auf dem Oktoberfest in München
Autor: Britta Schultejans, dpa
München, Samstag, 05. Sept. 2026
Nach Jahren des männlich dominierten Gay Sunday auf dem Oktoberfest in München veranstaltet Sina Scherer nun das erste explizit lesbische Event in der Bräurosl. Hier erklärt sie, warum.
Auf dem Münchner Oktoberfest soll es in diesem Jahr ein eigenes Event für lesbische Frauen und "Flinta"-Personen insgesamt geben. "Flinta" steht dabei für Frauen, Lesben, Inter, Nonbinär, Trans und Agender. Das Motto am 21. September im Festzelt Bräurosl: "Bier, Boobs, Brezn Monday".
Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählt die Veranstalterin Sina Scherer, die regelmäßig sogenannte "Lost-Girls-Events" für lesbische Frauen auf die Beine stellt, warum es aus ihrer Sicht ein solches Fest auch auf der Wiesn dringend braucht.
Der Gay Sunday hat lange Tradition in der Bräurosl - warum kommt jetzt die neue Veranstaltung am Montag dazu?
Sina Scherer: Gerade weil der Gay Sunday eine so großartige und lange Tradition hat, sieht man, was solche festen Treffpunkte bewirken können: Sie schaffen Sichtbarkeit, Gemeinschaft und irgendwann auch Selbstverständlichkeit. Was uns bislang gefehlt hat, ist ein vergleichbar sichtbarer Ort für lesbische Frauen und "Flinta"-Personen. Viele queere Wiesn-Formate sind historisch stark von schwulen Männern geprägt. Das ist überhaupt keine Kritik an diesen Veranstaltungen - im Gegenteil, sie sind für uns ein Vorbild dafür, was Community auf der Wiesn sein kann. Wir wollen diese Tradition deshalb nicht ersetzen, sondern um eine weitere Perspektive ergänzen. Wir haben uns gefragt: Wo sind eigentlich die lesbischen Frauen?
In München gab es früher viel mehr Orte, an denen lesbische Frauen sichtbar waren und sich selbstverständlich getroffen haben - gerade auch im Glockenbachviertel. Viele davon sind verschwunden. Auf der Wiesn haben wir ein ähnliches Phänomen beobachtet. Es gibt seit Jahrzehnten etablierte queere Termine, aber lesbische Frauen spielen dabei als eigene Community bislang kaum eine sichtbare Rolle. Da haben wir irgendwann gesagt: Dann warten wir nicht darauf, dass jemand einen Raum für uns schafft. Dann schaffen wir ihn selbst.
Video:
Bayerisches Leben und queere Tradition nicht als Gegensatz
Ist ein Wiesn-Zelt voller Frauen bzw. weiblich gelesener Menschen womöglich entspannter? Oder tut man den männlichen Wiesn-Besuchern da Unrecht?
Scherer: Ich würde Männer nicht pauschal zum Problem und Frauen nicht automatisch zu den besseren Menschen erklären. So einfach ist die Welt zum Glück oder leider nicht. Aber Räume verändern sich, wenn sich ihre Zusammensetzung verändert. Viele Frauen kennen Situationen im Nachtleben oder auf großen Festen, in denen man ständig ein bisschen mitdenkt: Wie komme ich nach Hause? Ist die Person gerade nur freundlich oder überschreitet sie gleich eine Grenze? Muss ich auf meine Freundin aufpassen?