Feneberg: Hoffnungsschimmer für 3000 Supermarkt-Beschäftigte
Autor: Daniel Krüger, Agentur dpa
Kempten (Allgäu), Dienstag, 20. Januar 2026
Eine echte Traditionskette im Lebensmitteleinzelhandel aus Bayern steht vor ungewissen Zeiten. Doch jetzt gibt es Nachrichten, die Hoffnung machen.
Der angeschlagene Einzelhändler hat die Notbremse gezogen: Die bayerische Supermarktkette Feneberg hat nach eigenen Angaben beim Amtsgericht Kempten ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. "Ziel ist es, das Unternehmen wirtschaftlich nachhaltig neu aufzustellen – bei laufendem Geschäftsbetrieb", teilte das zum Edeka-Verbund gehörende Allgäuer Familienunternehmen Feneberg Lebensmittel GmbH mit.
Alle Supermärkte blieben geöffnet. Feneberg verfügt über mehr als 70 Filialen in Süddeutschland und dem österreichischen Kleinwalsertal, hauptsächlich im Allgäu und der Bodenseeregion. Mit rund 3000 Angestellten erzielt das Unternehmen einen Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro, hieß es. Aber wie geht es jetzt weiter?
Update vom 19.01.2026: Mehrere Interessenten für Feneberg - werden Filialen geschlossen?
Wie Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold gegenüber dem Kreisboten mitteilt, haben sich bereits potenzielle Käufer für die insolvente Supermarktkette Feneberg gemeldet. "Einige Interessenten haben sich schon proaktiv gemeldet, manche haben Interesse an der gesamten Firma, andere lediglich an einzelnen Filialen oder einzelnen Vermögensgegenständen", wird Leibold in dem Bericht zitiert. Die Interessenten sollen dem Gläubigerausschuss demnach ihre jeweiligen Konzepte vorlegen.
Dabei müsse in den Konzepten klar definiert werden, "welche Filialen fortgeführt und welche gegebenenfalls abgegeben werden, und auch, wie viele Arbeitsplätze geplant sind zu erhalten", so Leibold laut Kreisbote. Die endgültige Entscheidung, welches Konzept umgesetzt wird, treffe der Gläubigerausschuss auf Basis der Eignung für die Gläubiger.
Die Zusammenarbeit mit rund 600 regionalen Landwirten im Rahmen der regionalen Eigenmarke hat nach Angaben des Kreisboten für das Unternehmen weiterhin hohe Bedeutung. Die Gehälter der Mitarbeitenden seien aktuell über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit abgesichert.
Update vom 16.01.2026: Verdi spricht nach Insolvenz von "jahrelangem Missmanagement"
Die Gewerkschaft Verdi übt nach dem Bekanntwerden der Insolvenz von Feneberg heftige Kritik. Wie der BR berichtet, sei diese eine Folge von "jahrelangem Missmanagement" bei der Supermarktkette. Die Mitarbeiter des Familienunternehmens befänden sich "in einer Schockstarre aus Angst und Unsicherheit", wird eine Vertreterin von Verdi zitiert. Laut der Allgäuer Zeitung hatte das Unternehmen bereits 2019 mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen und damals zeitweise die Gehälter gekürzt.
Der Sanierungsgeschäftsführer Stefan Leibold hat in einem Gespräch mit dem BR mehrere konkrete Gründe für die Schieflage genannt. Demnach sei jetzt der Verkaufsprozess gestartet. Ob Filialen geschlossen werden müssen, würden letztlich die Gläubiger entscheiden. Hohe Kredite und Pensionsrückstellungen hätten zu Schulden in Höhe von etwa 200 Millionen Euro geführt, wird der Spezialist zitiert.