Bei den Wirten hingegen müssen für eine Reservierung Verzehrgutscheine gekauft werden. Diese schlagen zwar für einen Zehnertisch je nach ausgewählten Speisen auch mit ein paar Hundert Euro zu Buche, können aber dann zum Bezahlen von Speisen und Getränken im Zelt verwendet werden.
Tausch-Portal mit fairen Original-Preisen
Schon früher hatte die Wirtsfamilie Haberl von der Ochsenbraterei vor dem Landgericht München I und weiter durch die Instanzen Erfolg mit einer Klage gegen den Online-Handel mit Reservierungen gehabt. Auf dem Portal waren seinerzeit laut Gericht Reservierungen für die dann abgesagte Wiesn 2020 im Festzelt Ochsenbraterei zu Preisen zwischen 1990 und 3299 Euro angeboten worden. Bei der Wirtin direkt wären damals für einen Tisch mit zehn Personen etwa 400 Euro für den Mindestverzehr fällig geworden, um zu reservieren. Es handelt sich aber um Gutscheine, mit denen dann im Zelt bezahlt wird.
Seit einiger Zeit gibt es eigens ein offizielles Online-Portal der Stadt, auf dem nicht genutzte Reservierungen zum Originalpreis getauscht oder verkauft werden können. Das sei gedacht für alle, die ihre Reservierung nicht wahrnehmen können.
Das Oktoberfest 2026 findet vom Samstag, 19. September, bis zum Sonntag, 4. Oktober, auf der Münchner Theresienwiese statt. Und mit Blick auf die Veranstaltung sorgt eine relativ junge Brauerei für Aufsehen: Die Giesinger Bräu möchte als siebte Brauerei auf die Wiesn und hat dafür ein Bürgerbegehren gestartet. Brauereichef Steffen Marx verkündete den spektakulären Schritt bei der Eröffnung seines Starkbierfestes und will damit einen Bürgerentscheid über die Zulassung zum Oktoberfest 2027 erzwingen. Für das Vorhaben werden zwischen 30.000 und 40.000 Unterschriften benötigt - eine echte Revolution, denn der exklusive Kreis der sechs Münchner Traditionsbrauereien ist seit Jahrzehnten geschlossen. Nur Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten-Franziskaner dürfen bislang ihr Bier auf dem weltgrößten Volksfest ausschenken.
Spontan zur Wiesn: Auch ohne Reservierung klappt's mit dem Festzelt-Platz
Keine Tischreservierung ergattert? Kein Grund zur Panik. Die Stadt München verpflichtet die Wirte, erhebliche Teile ihrer Sitzplätze frei zu halten - und tatsächlich strömen die meisten der Millionen Wiesnbesucher ohne Vorab-Buchung auf die Theresienwiese, wie das Wiesn-Portal Wiesnkini erklärt. Besonders vielversprechend: Wochentage sowie die Vormittags- und frühen Nachmittagsstunden. Kleinere Zelte wie das Armbrustschützenzelt oder die Oidn Wiesn bieten oft noch Lücken, wenn die großen Festzelte bereits aus allen Nähten platzen.
Um 17.00 Uhr herrscht Vorsicht - beim Reservierungswechsel schließen viele Zelte ihre Pforten unabhängig vom Füllstand, so die offizielle Oktoberfest-Website. Deutlich erfolgversprechender: der späte Vormittag oder die Zeit nach 20.00 Uhr, wenn die ersten Gäste bereits wieder aufbrechen. Wer mehrere Zelte ausprobiert und Flexibilität mitbringt, findet fast immer noch ein Plätzchen. Notfalls versprühen auch Stehplätze authentischen Wiesn-Charme.
Geheimtipp bei schönem Wetter: die Biergärten vor den Zelten. Auch größere Gruppen kommen ohne Reservierung zum Ziel - aufgeteilt auf mehrere Tische finden Freunde später am Abend wieder zusammen, wenn Tischnachbarn ihre Plätze verlassen. Schließlich gehört die Spontanität zum echten Wiesn-Erlebnis dazu.
Abzocke im Netz: Wie Fake-Angebote für Wiesn-Tische entlarvt werden
Betrüger haben ein lukratives Geschäftsfeld entdeckt: die Jagd nach begehrten Wiesn-Tischen. Eindringlich warnt die Verbraucherzentrale Bayern vor unseriösen Angeboten im Internet, bei denen vermeintliche Tischreservierungen zu Wucherpreisen verkauft werden – die sich später als wertlos herausstellen. Besonders perfide: Manche Fake-Shops imitieren das offizielle Buchungsportal "oktoberfest-booking.com" mit täuschend ähnlichen Webadressen. Hunderte Euro für Reservierungen, die nie existiert haben – so lautet die bittere Bilanz vieler Opfer.
Ausschließlich über die offiziellen Websites der Festzelt-Wirte oder das städtische Portal "oktoberfest-booking.com" sollte gebucht werden, empfehlen Verbraucherschützer. Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale unter "www.fakeshop-finder.de" ermöglicht die Überprüfung verdächtiger Online-Shops. Alarmsignale: unrealistisch niedrige Preise, fehlende Impressumsangaben oder Zahlungsaufforderungen per Vorkasse ohne Käuferschutz, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Skepsis ist angebracht, wenn angeblich "letzte verfügbare Tische" mit Zeitdruck verkauft werden sollen.
Selbst bei seriös wirkenden Wiederverkäufern droht Gefahr. Die Wirte behalten sich vor, unrechtmäßig weiterverkaufte Reservierungen zu stornieren – Besucher stehen dann trotz bezahlter Gutscheine vor verschlossenen Zelttüren, ohne Anspruch auf Rückerstattung, wie die TZ München warnt. Mittlerweile setzen die Stadt München und die Oktoberfest-Wirte Spezialkanzleien ein, die das Internet nach illegalen Angeboten durchsuchen und rechtlich dagegen vorgehen.
Heimvorteil auf der Theresienwiese: So profitieren Münchner vom Sonder-Kontingent
Während auswärtige Gäste oft leer ausgehen, genießen Münchnerinnen und Münchner einen entscheidenden Vorteil. Das sogenannte "München-Kontingent" reserviert zehn Prozent der Plätze in den großen Festzelten exklusiv für Einheimische. Seit 2025 gilt diese Regelung nicht nur unter der Woche, sondern auch an Wochenenden und am Feiertag ab 15.00 Uhr – genau dann also, wenn die Nachfrage am höchsten ist, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Damit reagierte die Stadt München auf jahrelange Kritik, das weltweit größte Volksfest werde zunehmend von Touristen dominiert.
Weiterer Pluspunkt: Ganze Zehnertische müssen Münchner nicht buchen. Auch Einzelplätze oder kleinere Gruppen können reserviert werden – ohne Mindestverzehr. Das macht den Wiesn-Besuch deutlich günstiger und flexibler. Über die offiziellen Websites der teilnehmenden Festzelte erfolgt die Buchung, wobei der Wohnsitz in München nachgewiesen werden musse. Wer in der bayerischen Landeshauptstadt gemeldet ist, sollte diese Chance nutzen – die Kontingente sind trotz Erweiterung schnell ausgebucht.
Eine "Win-win-Situation" nennt Wiesnchef Christian Scharpf die Regelung: Einheimische bekommen leichteren Zugang zu ihrem traditionellen Volksfest, während gleichzeitig der ursprüngliche Charakter der Wiesn bewahrt wird. Nicht alle Festzelte beteiligen sich am München-Kontingent. Die meisten großen Zelte wie Hofbräu, Schottenhamel oder Augustiner machen jedoch mit, Eine Übersicht der teilnehmenden Wirte findet sich auf den offiziellen Oktoberfest-Portalen.
Vom Pferderennen zum Weltfest: Die Geschichte des Oktoberfests
Es begann mit einer Hochzeit und einem Pferderennen. Am 12. Oktober 1810 heiratete Kronprinz Ludwig von Bayern Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen – zu Ehren der Braut wurde die Festwiese vor den Toren Münchens "Theresens-Wiese" getauft, ein Name, der bis heute geblieben ist. Das Pferderennen, das zur Feier des Tages veranstaltet wurde, fand so großen Anklang, dass es im Jahr darauf wiederholt wurde – und damit legte es den Grundstein für eine Tradition, die über zwei Jahrhunderte überdauern sollte.
Was als regionales Volksfest begann, wuchs sich langsam zu einem internationalen Spektakel aus. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen Karussells, Schaukeln und Bierbuden hinzu, die ersten festen Festzelte entstanden. Heute zählt das Oktoberfest rund 14 große und etwa 20 kleinere Zelte auf der Theresienwiese, zieht jährlich Millionen von Besuchern aus aller Welt an und gilt als größtes Volksfest der Erde. Seit 2010 erinnert die Oide Wiesn auf dem Südteil des Geländes an die Anfänge – mit historischen Fahrgeschäften und Festzelten im Stil vergangener Zeiten, so das offizielle Stadtportal München.
Die Theresienwiese ist dabei mehr als nur ein Veranstaltungsgelände – sie ist ein Stück Münchner Identität. Dass ausgerechnet dieses Stück Stadtgeschichte heute im Zentrum von Debatten über Wucherpreise, Bürgerbegehren und Eintrittsgebühren steht, zeigt: Die Wiesn ist lebendig. Sie verändert sich, sie provoziert, sie polarisiert – und genau das macht sie seit über 200 Jahren unwiderstehlich.
Echtes Leder, richtige Schürze: Was man auf der Wiesn wirklich trägt
Kein Volksfest der Welt hat die Tracht so sehr zu seinem Markenzeichen gemacht wie das Oktoberfest. Dabei war das gar nicht immer so: Noch vor wenigen Jahrzehnten kamen die meisten Besucher in Alltagskleidung auf die Theresienwiese, wie die Abendzeitung München berichtet. Heute gehören Dirndl und Lederhose fest zum Wiesn-Erlebnis – nicht nur für Bayern, sondern für Gäste aus aller Welt. Das Dirndl besticht durch seine Schürze, die je nach Seite des Schürzenknotens den Beziehungsstatus der Trägerin verrät: links bedeutet vergeben oder verheiratet, rechts signalisiert Interesse, vorne steht für unentschlossen – ein kleines Geheimspiel, das viele erst auf der Wiesn kennenlernen.
Bei der Lederhose lohnt sich die Investition in echtes Leder: Eine hochwertige Hirschleder-Hose wird mit den Jahren weicher und passt sich dem Träger an – ein Kleidungsstück fürs Leben statt für eine Saison. Dazu gehören Trachtenhemd, Haferlschuhe und nach Belieben eine Charivari-Kette oder Trachtenweste. Wer lieber ohne klassische Tracht kommt, kann auf Alternativen setzen: Damen-Lederhose, Leinenhosen im Trachten-Stil oder schlichte, gedeckte Outfits fügen sich ohne Aufsehen ins Wiesn-Bild ein.
Was hingegen auffällt und innerlich für Stirnrunzeln sorgt: synthetische Billigware mit Brezeln-Aufdruck, schrille Kostüme und Tourist-Kitsch. Die Wiesn ist kein Karneval – wer sich ernsthaft auf das Fest einlässt, merkt schnell, dass authentische Trachtenmode nicht nur schöner aussieht, sondern sich schlicht besser anfühlt. Echtes Brauchtum beginnt eben beim Outfit.
Die Zukunft des Oktoberfestes bleibt ein heiß diskutiertes Thema in München. Fast jeder zweite Deutsche würde eine Eintrittsgebühr für das Volksfest befürworten – das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. Laut der Erhebung sprechen sich 46 Prozent der Bundesbürger dafür aus, während nur 27 Prozent den Vorstoß des bayerischen Bierbrauer-Präsidenten Georg Schneider klar ablehnen. Besonders bei jüngeren Erwachsenen unter 30 Jahren findet die Idee mit 51 Prozent Zustimmung sogar mehrheitliche Unterstützung.