Ära endet: Deutschlands letzter Gletscherlift wird gesprengt
Autor: Stefan Lutter
Garmisch-Partenkirchen, Freitag, 20. März 2026
Eine Sprengung beendet die Ära des letzten deutschen Gletscherlifts. Der Nördliche Schneeferner hat so viel Eis verloren, dass der Betrieb unmöglich wurde.
Das vermeintlich ewige Eis schmilzt in Rekordtempo. An der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, vollzieht sich gerade ein historischer Wandel: Der Nördliche Schneeferner verliert so rasant an Masse, dass der darauf errichtete Plattlift nicht mehr zu halten ist. Nach zwei Wintern Stillstand fällt nun die endgültige Entscheidung – eine kleine Sprengladung wird am Freitagnachmittag die Seile durchtrennen, die Stützen werden umkippen. Seit 1967 beförderte der Schlepplift Skifahrer über das Gletschereis, doch der Klimawandel macht diesem Kapitel ein abruptes Ende.
Die Bayerische Zugspitzbahn hatte immer wieder gehofft, dass Schnee das fehlende Eis ausgleichen könnte. Vergeblich. Die wissenschaftlichen Daten sind alarmierend. Ein Team von Glaziologen der Hochschule München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften dokumentiert in ihrer aktuellen Vermessung aus dem Herbst 2025 einen Verlust von sieben bis acht Metern in der Vertikalen – allein im Bereich der Lifttrasse. Die jährliche Verringerung der Eisdicke lag im Mittel bei 1,6 Meter pro Jahr – und damit doppelt so hoch wie in der vorhergehenden Periode 2018 bis 2023, wie die Hochschule München am Donnerstag, 19. März 2026, mitteilt. Just am Tag vor dem "Welttag des Gletschers" am 21. März beginnt der Rückbau – ein symbolträchtiger Zeitpunkt für ein dramatisches Klimasignal.
Klimawandel trifft Zugspitze: Aus für Deutschlands letztes Gletscherskigebiet
Eine Ära endet an Deutschlands höchstem Berg: Am Freitagnachmittag, 20. März 2026, nach Ende des Skibetriebs soll eine kleine Sprengladung die Seile des 1967 eröffneten Schlepplifts durchtrennen. Die Stützen werden dadurch umfallen – ein symbolträchtiger Moment für die Folgen der Erderwärmung. Die Konstruktion steht ausschließlich auf Eis, ohne Fundament im Boden. Nur die Seile halten sie aufrecht, wie die Bayerische Zugspitzbahn auf ihrer Website erklärt.
Der Hintergrund: Das vermeintlich ewige Eis an Deutschlands höchstem Berg zieht sich massiv zurück. Was früher eine leichte, blau ausgezeichnete Piste war, verwandelte sich zuletzt in schwieriges Gelände – eine schwarze Piste. Die Piste selbst, vor allem aber der Ausstieg des Lifts waren extrem steil geworden. Mit dem Absenken des Bodens hängen zudem die Seile zu hoch, was den Betrieb unmöglich macht.
Immer wieder hatte die Bayerische Zugspitzbahn gehofft, den Lift doch noch laufen lassen zu können, wenn viel Schnee das fehlende Eis etwas ausgleicht. Doch zuletzt war der Lift in der Saison 2023/2024 in Betrieb. Die Hoffnung erwies sich als trügerisch. Deshalb fiel schließlich die endgültige Entscheidung zum Abbau.
Rekordschmelze: Acht Meter Eisverlust in der Vertikalen
Die Zahlen sind erschreckend. Im Bereich der Lifttrasse hat der Gletscher sieben bis acht Meter in der Vertikalen eingebüßt, erläuterte der Geograf Wilfried Hagg von der Hochschule München. Gemeinsam mit dem Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte er gerade neue Daten zu den vier letzten bayerischen Gletschern.
Der Schlepplift sei durch diese starke Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar. Haggs Fazit: "Damit verliert Deutschland sein einziges Gletscher-Skigebiet", so die gemeinsame Pressemitteilung.