Augsburg: Handy-Verbot an Schulen? Bildungsforscher äußert sich
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Augsburg, Freitag, 30. Januar 2026
Der Augsburger Bildungsforscher Klaus Zierer tritt für strengere Regeln im Klassenzimmer ein. Diese könnten auch Lehrer betreffen.
Seit vielen Jahren sorgen die schwachen Leistungen von deutschen Schülern bei Vergleichsstudien wie Pisa für Diskussionen. Eine viel zu langsame Digitalisierung der Schulen wurde dabei lange als ein Problem identifiziert. Mittlerweile investiert Deutschland Milliarden in die Ausstattung der Klassenzimmer mit Computern und Tablets - doch die Stimmung ändert sich.
Denn die Nutzung von digitalen Angeboten durch Kinder und Jugendliche steht zunehmend in der Kritik. Langjährige Kritiker des digitalen Klassenzimmers sehen sich immer mehr bestätigt. In mehreren Ländern wird ein Verbot von sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche diskutiert, nachdem Australien vor wenigen Wochen bei dem Thema vorgeprescht ist und auch Frankreich einen ähnlichen Gesetzesvorschlag erarbeitet hat. Auch in Deutschland gibt es eine Diskussion darüber, ob der Zugang zu sozialen Medien für Kinder eingeschränkt werden sollte.
Pädagoge sieht Schul-Digitalpakt in der "Concorde-Falle"
Der Augsburger Bildungsforscher Klaus Zierer warnt schon lange vor dem "Tablet-Wahn" im Klassenzimmer und fordert nun Konsequenzen in Deutschland. Er hält ein Aussetzen des sogenannten Digitalpakts 2.0, bei dem Bund und Länder Milliarden in die Technik der Schulen investieren, für sinnvoll. Zierer sieht die Bildungspolitik in der "Concorde-Falle". Der Begriff spielt auf das Überschall-Passagierflugzeug an, das einst in Betrieb genommen wurde, obwohl frühzeitig klar war, dass das Projekt ein wirtschaftlicher Misserfolg werden würde.
Es sei ein Denkfehler, wenn an einer Maßnahme festgehalten werde, weil bereits viel investiert wurde, obwohl ein Abbruch rational vorteilhafter wäre, zieht Zierer den Vergleich von der Concorde zum Digitalpakt. Die bisherigen Maßnahmen betrachtet der Ordinarius für Schulpädagogik der Universität Augsburg als schädlich, denn dennoch seien die Lernleistungen der Kinder gesunken und psychosomatische Erkrankungen hätten zugenommen.
In diesem Zusammenhang sieht er auch das bayerische Digitalisierungsprojekt "Digitale Schule der Zukunft" zur Förderung von Endgeräten kritisch. Die Abkürzung DSDZ könnte künftig eher für "Dumme Schüler durch Zwangsdigitalisierung" stehen, befürchtet Zierer.
Internationale Diskussion um Social-Media-Verbote für Schüler
Der Bildungsforscher fühlt sich durch aktuelle internationale Entwicklungen bestätigt. Nachdem in Australien im Dezember ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden war, sind dort Millionen Social-Media-Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert worden.
Zwischenzeitlich hat auch das britische Oberhaus ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gefordert. Ob das Unterhaus in London der Gesetzesänderung zustimmt, ist aber noch unklar. In Frankreich hat die Nationalversammlung ein Verbot sozialer Netzwerke bis zum Alter von 14 Jahren votiert.