Augsburg: Bildungsforscher über das Pro und Contra beim Handy-Verbot
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Augsburg, Sonntag, 01. Februar 2026
Handy-Verbot an Schulen: Ein Bildungsforscher erklärt, warum pauschale Regeln oft nicht die beste Lösung für Schüler sind.
Die Diskussion um Handys an Schulen sorgt in Augsburg derzeit für viel Gesprächsstoff. Während einige Schulen ein striktes Verbot durchsetzen, warnen Bildungsforscher vor möglichen Nachteilen solcher pauschalen Regeln. Sie argumentieren, dass digitale Geräte sinnvoll in den Unterricht integriert werden können und ein Komplett-Verbot eher Probleme bereitet. Gerade für soziale Kontakte und die digitale Bildung sind Smartphones für viele Jugendliche wichtig. Pauschale Verbote können den Lernerfolg sogar behindern und die Chancengleichheit beeinträchtigen. Welche Argumente und Alternativen es gibt, zeigt dieser Artikel.
Pädagoge sieht Schul-Digitalpakt in der "Concorde-Falle"
Der Augsburger Bildungsforscher Klaus Zierer warnt schon lange vor dem "Tablet-Wahn" im Klassenzimmer und fordert nun Konsequenzen in Deutschland. Er hält ein Aussetzen des sogenannten Digitalpakts 2.0, bei dem Bund und Länder Milliarden in die Technik der Schulen investieren, für sinnvoll. Zierer sieht die Bildungspolitik in der "Concorde-Falle". Der Begriff spielt auf das Überschall-Passagierflugzeug an, das einst in Betrieb genommen wurde, obwohl frühzeitig klar war, dass das Projekt ein wirtschaftlicher Misserfolg werden würde.
Es sei ein Denkfehler, wenn an einer Maßnahme festgehalten werde, weil bereits viel investiert wurde, obwohl ein Abbruch rational vorteilhafter wäre, zieht Zierer den Vergleich von der Concorde zum Digitalpakt. Die bisherigen Maßnahmen betrachtet der Ordinarius für Schulpädagogik der Universität Augsburg als schädlich, denn dennoch seien die Lernleistungen der Kinder gesunken und psychosomatische Erkrankungen hätten zugenommen.
In diesem Zusammenhang sieht er auch das bayerische Digitalisierungsprojekt "Digitale Schule der Zukunft" zur Förderung von Endgeräten kritisch. Die Abkürzung DSDZ könnte künftig eher für "Dumme Schüler durch Zwangsdigitalisierung" stehen, befürchtet Zierer.
Internationale Diskussion um Social-Media-Verbote für Schüler
Der Bildungsforscher fühlt sich durch aktuelle internationale Entwicklungen bestätigt. Nachdem in Australien im Dezember ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden war, sind dort Millionen Social-Media-Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert worden.
Zwischenzeitlich hat auch das britische Oberhaus ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gefordert. Ob das Unterhaus in London der Gesetzesänderung zustimmt, ist aber noch unklar. In Frankreich hat die Nationalversammlung ein Verbot sozialer Netzwerke bis zum Alter von 14 Jahren votiert.
"Je mehr die Bildschirmzeit ansteigt, desto mehr fallen die Bildungsleistungen ab", sagte Staatschef Emmanuel Macron, der zudem wie Zierer auf Probleme bei der mentalen Gesundheit der Schülerinnen und Schüler hinweist. Das Nutzungsverbot muss noch im Senat bestätigt werden, der anderen französischen Parlamentskammer. Auch in Dänemark sollen Social-Media-Beschränkungen eingeführt werden.