Abschied von verstorbenem Sohn: ABS-Wünschewagen auf Reise nach Bayern
Autor: Nele Nitschky
Bayern, Sonntag, 30. August 2026
Nach zwei schweren Schicksalsschlägen begibt sich eine Frau auf eine emotionale Reise mit dem Wünschewagen. Dabei hatte ein Halt in Franken eine spezielle Bedeutung.
Das Projekt "Wünschewagen" des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) hat Inge Mitte Mai eine Reise nach Bayern ermöglicht. Mit dabei war auch ihr Schwiegersohn Jürgen. Für dieses Projekt gab es einen traurigen Anlass: "Wir wollten Inge den Wunsch erfüllen, sich von ihrem plötzlich verstorbenen Sohn zu verabschieden", heißt es von Sabine und Ralf, zwei der ehrenamtlichen Helfer.
Innerhalb des Projektes bezeichnen sich die Ehrenamtlichen als "Wunscherfüller:in". Leuten wie ihnen ist es zu verdanken, dass sich Menschen in schweren Lebenslagen Träume erfüllen können, die Hoffnung und Trost spenden. Im August haben wir bereits über den kranken Maik berichtet, der sich mithilfe des Bamberger Malteser-Hilfsdienstes von seiner Heimat verabschiedet hat. Ein persönlicher Schicksalsschlag hat zudem eine Bambergerin dazu bewogen, Sterbende im Kreis Bamberg ehrenamtlich zu begleiten.
"Wichtig ist immer der Mensch dahinter": Wünschewagen erfüllt Herzenswünsche
Die Idee ist einfach und berührend gleichermaßen - schwerstkranken Menschen soll ihr letzter Wunsch erfüllt werden. Das kann zum Beispiel der Besuch eines bestimmten Ortes oder auch ein Ausflug an die Nordsee sein. "Die Wünsche sind mal kleiner, mal sind sie ausgefallener. Wichtig ist immer der Mensch dahinter. Und seine Geschichte. Der Wünschewagen kommt immer dann zum Einsatz, wenn sich die Familie den Transport nicht mehr zutraut oder eine Reise ohne pflegerische Hilfe und Unterstützung nicht mehr möglich ist", heißt es in einer Presseinformation.
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Dafür kommt ein umgebauter Krankenwagen zum Einsatz, der mit allem ausgestattet ist, was für einen Krankentransport oder einen akuten Notfall notwendig ist. Auch ein Rettungssanitäter oder eine Pflegefachkraft sind mit dabei, um den Gast zu betreuen und zu versorgen. Auch das Herzenswunsch-Hospizmobil vom BRK ist immer wieder unterwegs, um Menschen einen Herzenswunsch zu erfüllen. Mitte August ermöglichten die Ehrenamtlichen einer krebskranken Fränkin einen Besuch am Brombachsee.
Für die Fahrt nach Bayern haben Sabine und Ralf Inge sowie ihren Schwiegersohn Jürgen abgeholt. Zehn Stunden sollte dann der Weg bis zum Ziel dauern. Da braucht es natürlich zwischendurch eine Pause. Sabine hatte sich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht. Die Wahl sei schnell auf die Raststätte Geiselwind gefallen – "was sich kurze Zeit später als genau die richtige Entscheidung rausstellen sollte", wie die Wunscherfüllerin erzählt.
Lebendige Erinnerungen: Raststätte Geiselwind als besonderer Halt
Beim Klang des Raststättennamens habe Inge emotional reagiert. "Sie erzählte uns, dass sie früher, als ihr Mann noch lebte und sie nach Bayern zur Verwandtschaft oder in den Urlaub gefahren sind, immer in Geiselwind Pause gemacht haben", so Sabine. Dort angekommen habe sich Inge tatsächlich an alles vor Ort erinnern können.
Gemeinsam mit den beiden Enkelkindern Melanie und David, die auf dem Rastplatz dazugestoßen waren, ging es am nächsten Tag zu der Beerdigung. "Für Inge war es innerhalb der letzten Monate der zweite harte Schicksalsschlag, da erst im Januar dieses Jahres ihre Tochter verstorben war. Am Friedhof spielten sich dann berührende Szenen ab. Einige Anwesende nutzen schon im ASB-Wünschewagen die Gelegenheit, Inge zu begrüßen. Es war für viele ein Wiedersehen nach fast 13 Jahren", erinnert sich Sabine.