Es sind die Gebeine von toten Wehrmachtssoldaten und gestorbenen Sudetendeutschen. Mehr als sechs Jahrzehnte nach Kriegsende haben sie in Tschechien endlich eine würdige Ruhestätte gefunden. Am 11. September wird der Friedhof im grenznahen Cheb eingeweiht.
Rund 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges haben in Tschechien tausende damals gestorbene Deutsche ihre letzte Ruhe gefunden. Mit dem deutschen Soldatenfriedhof in Cheb (Eger) soll am 11. September die größte und letzte Begräbnisstätte für deutsche Kriegsopfer in Tschechien eingeweiht werden. Die sterblichen Überreste von 5600 Menschen sind hier unter Hunderten von schlichten Granitkreuzen bestattet.
Darunter sind auch 473 Zivilisten, die in Internierungslagern oder während der Vertreibung nach Kriegsende umkamen. Vor ihrer Beisetzung in der Stadt an der bayerisch-tschechischen Grenze hatten Tausende der Gebeine in Pappschachteln in einem Bunker bei Pribram in Nordböhmen gelagert werden müssen.
Die Inschriften auf den Kreuzen sprechen für sich:
Paula Grimm, 1946 gestorben mit 63 Jahren. Elsa Dietz, dasselbe Todesjahr, nur 16 Jahre alt. Die Exhumierung solcher Opfer hat in Tschechien Wunden aufgerissen. Ihre Bergung wird auch als stille Anklage des Unrechts an Unschuldigen verstanden - ein Thema, das in Tschechien oftmals lieber verdrängt wurde. Bisher sind die Verhandlungen über ein Kriegsgräberabkommen zwischen den Nachbarstaaten gescheitert.
Dass es dennoch gelungen ist, seit 1991 elf derartige Begräbnisstätten einzurichten, wertet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Zeichen guten Willens. Im Fall Cheb vermittelten der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg und sein früherer Amtskollege Frank-Walter Steinmeier (SPD).
Auch in Eger war der Soldatenfriedhof zunächst umstritten. Heute stößt die 1,5 Hektar große Anlage nicht mehr auf Vorbehalte. "Mit der Beerdigung der ersten Särge sind die Kritiker verstummt", sagt der Zweite Bürgermeister Michal Pospisil. Für ihn ist die Begräbnisstätte Mahnmal und Zeichen der Versöhnung. "Durch solche Maßnahmen wird Ballast aus dem Zweiten Weltkrieg abgeworfen", ist Pospisil überzeugt. Außerdem hat bei dem Projekt auch der angrenzende städtische Friedhof profitiert.
Für rund 900.000 Euro finanzierte der Volksbund Sanierungsarbeiten, unter anderem die Restaurierung von Grabmälern ehemaliger deutscher Einwohner.