Nach Kontrolle bei Herzogenaurach: Urteil am Landgericht

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Der Angeklagte aus Albanien (verdeckt durch eine Dolmetscherin) im Gespräch mit seinem Rechtsanwalt Anselm Schanz aus Hannover. Eine Polizeikontrolle bei Herzogenaurach wurde ihm zum Verhängnis.Udo Güldner
Der Angeklagte aus Albanien (verdeckt durch eine Dolmetscherin) im Gespräch mit seinem Rechtsanwalt Anselm Schanz aus Hannover. Eine Polizeikontrolle bei Herzogenaurach wurde ihm zum Verhängnis.Udo Güldner

Wegen Drogenschmuggels muss sich ein 28-Jähriger vor Gericht verantworten. Eine Kontrolle bei Herzogenaurach wird ihm zum Verhängnis. Warum er sich aus Verzweiflung zur Tat entschließt.

Es ist ein mörderischer Ritt quer durch Europa. Fast 2200 Kilometer sind es von seinem Heimatort nördlich der albanischen Hauptstadt Tirana bis nach Rotterdam. Die Strecke bringt der 28-jährige Berufskraftfahrer an etwas mehr als einem Tag hinter sich. Aber nicht mit einem Lastwagen , sondern mit einem Kleinwagen, den ihm ein albanischer Bekannter geliehen hat. Angeblich soll er „Medikamente“ holen, und zwar heimlich, damit man sich die Zollgebühren sparen kann.

Vor Kontrolle bei Herzogenaurach: Kokain statt Schlaf

Größere Pausen macht er nicht. Sobald er schläfrig wird, nimmt er etwas Kokain – und weiter geht’s. Ein ominöser Hintermann lotst ihn mit unzähligen Whatsapp-Nachrichten durch die Gegend. In der niederländischen Hafenstadt trifft sich der Fahrer abends auf einem Parkplatz mit zwei arabisch aussehenden Männern. Während er mit dem einen einen Kaffee trinkt, macht sich der andere eine gute Stunde am Wagen zu schaffen. Schließlich begibt sich der Fahrer auf den Rückweg.

Nun überquert er die Grenze aber nicht wie zuvor auf der Autobahn. Er nimmt einen Schleichweg über einen früheren „Kleinen Grenzübergang“ unweit von Aachen. Auf der Autobahn A3 gerät der Kurier mitten in der Nacht in eine Routinekontrolle der Verkehrspolizei Erlangen. Man steuert gemeinsam einen Parkplatz an der Tank- und Rastanlage Aurach-Süd auf dem Gebiet der Stadt Erlangen unweit von Herzogenaurach an. Die erfahrenen Beamten bemerken innen an der Kofferraumklappe Spuren von Panzertape und eine nachträglich angebrachte Schraube.

Aurachtal-Süd: Polizisten finden Heroin

Sie soll die Plastikabdeckung halten. Offenbar ein Schmugglerversteck, das schon öfters genutzt worden ist. Darunter kommen zwei Päckchen zum Vorschein. Der Verdacht: Drogen. Um Sicherheit zu erhalten, bringt man den Stoff umgehend zum Flughafen Nürnberg . Dort sitzen Spezialisten vom Zoll, die einen chemischen Test durchführen.

Es handelt sich eindeutig um Opium. Der Fahrer landet in Untersuchungshaft. Das Fahrzeug wird zur bewachten Verwahrstelle der Polizei Nürnberg-West abgeschleppt und in der Folge noch einmal ganz genau durchsucht. Dank eines Drogenspürhundes und erfahrener Beamter, die den Wagen in alle Einzelteile zerlegen, um selbst zugeschweißte Hohlräume zu finden, tauchen weitere Rauschgiftpäckchen auf. Drei in der Kofferraumklappe und drei im Rücksitzpolster.

Wegen Heroin: Prozess an Landgericht Nürnberg-Fürth

Insgesamt sind es rund 6,7 Kilogramm. Später wird das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen herausfinden, dass es Heroin ist, das man mit Koffein, einem leichten Schmerz-, sowie mit einem Hustenmittel gestreckt hat. Sehr gute Qualität, die man sofort auf der Straße verkaufen könnte – in 67.000 Konsumeinheiten. Sein Wert beläuft sich auf rund 200.000 Euro. Es gelangt nun nicht auf den Markt, sondern wird unter strenger Kontrolle in einer Müllverbrennungsanlage vernichtet.

Nun steht der Fahrer vor dem Ersten Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Die Beweislage ist erdrückend. Unter anderem kann man mit den Standortdaten aus seinem Smartphone die ganze Reiseroute rekonstruieren. Ihm drohen wegen der illegalen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und der Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge rund zehn Jahre Gefängnis. Obwohl er nicht vorbestraft ist.

Urteil am Landgericht Nürnberg-Fürth

Denn es geht den Strafverfolgungsbehörden angesichts solcher Mengen um Abschreckung. Schließlich ist der Fahrer keine „Ameise“, die nur ein paar Gramm ins Land schmuggelt. Außerdem gehört Heroin, zusammen mit dem Schmerzmittel Fentanyl und dem hochwirksamen Kokain-Produkt „Crack“ zu den gefährlichsten Rauschgiften. Da hilft dem Angeklagten nur ein umfassendes Geständnis, um den Schaden zu begrenzen. Am Ende lautet das Urteil: sieben Jahre und neun Monate Haft. Bleibt noch eine Frage: Was war das Motiv für die Fahrt?

Der Mann braucht dringend Geld. Sein Sohn ist erkrankt, und in Albanien wird man nur behandelt, wenn man dafür zahlt. Er selbst hat ein Drogenproblem, das ihn teuer zu stehen kommt. Und dann ist da noch ein durch Übermüdung verursachter Unfall mit einem nicht versicherten Lastwagen , der seine Ein-Mann-Spedition in die Bredouille bringt. Von den Schulden bei Dealern und dem eigenen Vater gar nicht zu reden. Da kommt das Angebot gerade recht, er könne sich mit der Kurierfahrt etwas verdienen: 2000 Euro inklusive der Spesen für Benzin, sowie Übernachtung und Verpflegung.