Das Arnold-Gymnasium Neustadt bei Coburg bietet Austausch-Programme in die USA, nach Frankreich und nach Polen an. Nach Polen wollen nur die wenigsten.
Polen klauen. "Vor jedem Schüleraustausch höre ich Vorurteile in den Klassen", sagt Thorsten Zipf. Nach der Rückkehr sind sie beseitigt. Seit 2014 organisiert der Lehrer des Arnold-Gymnasiums regelmäßig Austausch-Programme für die Schüler der Mittelstufe.
Anfang Mai war er gemeinsam mit seiner Kollegin Katharina Bernhardt und 13 Schülerinnen und Schülern in einem Jugendgasthaus in Oberschleißheim. Die Gruppe hat sich dort mit den den Austauschpartnern aus Wejherowo, dem ehemaligen Neustadt in Westpreußen, getroffen. Wejherowo gehört wie die Puppenstadt zu dem Netzwerk "Neustadt in Europa". In diesem Jahr soll der Austausch nicht nur einem Kennenlernen dienen: "Unter dem Motto, Wege zur Erinnerung' beschäftigen wir uns 2019 mit dem Nationalsozialismus ", erklärt Zipf. Das Projekt wird von der F. C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz gefördert.
Bei dem Treffen im Mai stand unter anderem ein zweitägiger Workshop in der KZ-Gedenkstätte Dachau auf dem Programm. "Im November setzen wir unser Projekt in Danzig fort", erzählt er. Dort sind Besuche von Museen und Gedenkstätten geplant. Vor allem aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen, die verschiedene Nationen vertreten, sei es wichtig, untereinander ins Gespräch zu kommen.
Freundschaften schließen
Die Sprache ist dabei keine Barriere: "In Jugendgasthäusern sind oft zweisprachige Coaches angestellt, die die Informationen dann auf Polnisch und Deutsch vortragen." Vieles dauert infolge doppelt so lange, was den Jugendlichen wiederum Geduld und Verständnis abverlangt.
Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Hin- und Rückbesuch bieten Jugendgasthäuser einige Vorteile: "Alle Schüler sind außerhalb ihrer Komfortzone und müssen sich auf eine neue Umgebung einlassen", berichtet Zipf. Außerdem wird der Schulalltag nicht beeinträchtigt.
Als Geografielehrer ist es Zipf ein Anliegen, seinen Schülern auch Orte zu zeigen, die nicht auf der typischen Reiseroute liegen. "Urlaub in Polen machen nur die wenigsten", sagt er. Die Idee für den Schüleraustausch entstand 2014 im Zuge seines Seminars "Unbekannter Nachbar Polen". Im selben Jahr fand auch der erste Austausch statt.
Die ein oder andere vor mittlerweile fünf Jahren geschlossene Freundschaft hält bis heute: "Erst kürzlich hat eine ehemalige Schülerin, die damals am ersten Polen-Austausch teilgenommen hat, erzählt, dass sie in den kommenden Semesterferien ihre Tauschpartnerin besucht", freut sich Thorsten Zipf.