KIK will Notwohngebiet abreißen und neues Haus bauen lassen

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Ecke Tannenbergstraße/Egerländer Straße in der Kitzinger Siedlung: Diese Kreuzung steht für das Notwohngebiet.
Diana Fuchs
Sozialer Brennpunkt: die insgesamt vier Wohnblocks in der Tannenberg- beziehungsweise Egerländer Straße.
Diana Fuchs
Die vier Wohnblocks des Notwohngebiets Kitzingen.
Diana Fuchs

Die Fraktion hat den Antrag gestellt, im Stadtrat möglichst bald über eine neue Obdachlosenunterkunft zu diskutieren. Was die KIK will und warum sie jetzt handelt.

Die Kommunale Initiative Kitzingen (KIK) hat den Antrag gestellt, im Notwohngebiet in der Siedlung drei der vier Wohnblocks abzureißen. An ihre Stelle soll eine neue Obdachlosenunterkunft treten. Darüber will die Fraktion möglichst schnell mit den Kollegen im Stadtrat eine Grundsatzdebatte führen. Das geht aus dem Antrag hervor, der der Redaktion vorliegt.

Konkret schlägt die KIK vor, drei alte Notunterkünfte in der Egerländer Straße abzureißen. Die Gebäude mit den Hausnummern 22, 24 und 26 stammen aus den 1960er-Jahren und besitzen längst nicht alle Duschen.  Immer wieder waren auch bauliche Mängel wie undichte Dächer und Fenster sichtbar geworden. Statt, wie zuletzt diskutiert, die alten Gebäude für viel Geld zu modernisieren, setzt die KIK auf einen Neubau in modularer Bauweise mit etwa 20 Wohneinheiten im hinteren Teil der Grundstücke, entlang des Rödelbachs. Das benachbarte Gebäude in der Tannenbergstraße 37 ist laut KIK in einem besseren Zustand und könnte daher erhalten bleiben. Von den ehemals 120 "Schlichtwohnungen" würden dann allerdings weniger als die Hälfte übrig bleiben, darunter die 20 neuen.

Der Grund für diesen Wohnungsrückbau: Nach Vorstellung der KIK soll der Neubau nur kurzfristig eine Obdachlosigkeit überbrücken, für drei Monate, so erläutert KIK-Stadtrat Wolfgang Popp die Initiative seiner Fraktion. Für die Dauerbewohner des Notwohngebiets sollen daher andere Lösungen gefunden werden. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, ob man die Mieter über die Stadt verteilt in anderen Wohnungen unterbringen könnte, um die Getto-Situation im Notwohngebiet aufzubrechen. 

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Laut KIK-Vorschlag soll der Neubau noch 2019 entstehen; bis 2020 sollen die Mietverhältnisse in den alten Gebäuden aufgelöst werden. Deshalb schlägt die Fraktion dem Stadtrat vor, 2019 rund 100 000 Euro in den Haushalt einzustellen und weitere 900 000 Euro in die mittelfristige Finanzplanung. Zugleich soll eine Präventionsstrategie für Wohnungslosigkeit in Kitzingen entworfen werden. 

Brennpunkt beheben

"Ein konstruktiver Vorgriff in Richtung einer Problemlösung mittels einer baulichen Verbesserung, verbunden mit einem umgehenden Rückbau des bestehenden Notwohngebietes, und die damit notwendige Festlegung des Standortes für einen zukünftigen Neubau verspricht eine rasche Behebung dieses sozialpolitischen Brennpunktes", argumentiert die KIK in der Begründung ihres Antrags." Allen Mitgliedern des Stadtrates müsste die Neuorientierung zur Beseitigung der unakzeptablen Unterbringung von Mitbürgern am Herzen liegen."

Für Familien ungeeignet

Die "Schlichtwohnungen" einfachster Bauweise und Ausstattung würden weder heutigen Wohnraumstandards entsprechen noch den Vorstellungen von einem sozialverträglichen Umfeld für Kinder und Jugendliche. Immer wieder gab es innerhalb und außerhalb des Stadtrats Kritik daran, dass im Notwohngebiet Bewohner mit unterschiedlichen Bedürfnissen und aus verschiedenen Verhältnissen zusammenwohnen müssen. Besonders für Familien mit Kindern sei die Wohnsiedlung ungeeignet, lautete ein zentraler Kritikpunkt.

Die derzeitige Situation

Zurzeit reagiert die Stadt zweigleisig auf die Situation im Notwohngebiet: Zum einen hat sie zusammen mit dem Landratsamt und den beiden christlichen Kirchen Sofortmaßnahmen beschlossen, um kurzfristig für Verbesserungen zu sorgen. Zum anderen erarbeitet ein externes Fachbüro im Laufe dieses Jahres ein Konzept, das sich grundsätzlich mit der Zukunft des Notwohngebiets befasst. Dann erst will der Stadtrat seine Entscheidung treffen. Der Antrag der KIK könnte der Rat frühestens in der Sitzung am Donnerstag, 31. Januar, ab 18 Uhr diskutieren.