Es war eine warme Nacht - heute vor genau 52 Jahren. Etwa 200 Menschen feierten in der Christopher Street in New York City. Auch die Bar „Stonewall Inn“ war gut besucht, bis auf einmal acht Polizisten den Laden stürmten. 
Eine Razzia, wie schon so viele davor. Der Verkauf von Alkohol an Schwule war damals illegal, tanzen durften sie auch nicht, und Frauen war es nur erlaubt dann Hosen zu tragen, wenn sie außerdem mindestens drei «weibliche Kleidungsstücke» anhatten. 

Kurz darauf wird eine lesbische Frau von den Polizisten abgeführt und mit Schlagstöcken attackiert. Auch wenn das damals keine Seltenheit war, hatten die Feiernden an diesem Abend genug von der Schikane. 
Jahrelange Gewalt, Unterdrückung und Ausgrenzung entlädt sich mit einem Mal in offenem Protest und Widerstand, der später als Stonewall-Aufstand bekannt werden soll.

Die Geburtsstunde der LGBT-Bewegung

 «Wir hatten nichts, und so hatten wir nichts zu verlieren», erinnert sich Tommy Lanigan-Schmidt, der damals dabei war. Flaschen und Steine fliegen auf die Polizisten, die sich bald von 600 Menschen bedrängt sehen und sich zum eigenen Schutz in der eben geräumten Kneipe verbarrikadieren. Mülltonen werden geworfen, Fensterscheiben bersten und die Rufe «Gay Power» sind überall zu hören. 

Und das hat Folgen: Denn mit einem kleinen Widerstand ist eine Unruhe geboren. Bald sind es bis zu 1000 Menschen die sich dem Protest anschließen. Das ist der Funke, der eine internationale Bewegung in Gang setzt - und das «Stonewall Inn» wird zu einem Symbol des Widerstands.

Schon zum ersten Jahrestag der Proteste ziehen etwa 4000 Menschen durch New York und fordern Gleichberechtigung, heute erinnert der jährliche „Christopher Street Day“ weltweit an die Vorfälle. Er steht für das Selbstbewusstsein der LGBTQ-Gemeinschaft (englische Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche Personen und Queer) und ihren Widerstand gegen Diskriminierung. Auch in Deutschland wird der CSD seit 1980 zu verschiedenen Terminen mit Paraden und Straßenfesten und gefeiert.
Gerade heute ist die Problematik wieder aktueller denn je: Nicht zuletzt eingeschüchtert durch die Entscheidung des ungarischen Präsidenten Viktor Orban sehen sich viele wieder dazu aufgefordert, für Gleichheit und Toleranz aufzustehen. Menschen aus aller Welt zeigen mittels Regenbogen, dass Liebe keine Geschlechter kennt. 

Liebe kennt keine Geschlechter

Homophobie ist bis heute ein überaus ernst zu nehmendes Problem. Erst 2016 wurden in einem LGBT-Club in Florida 49 Menschen getötet. Auch viele Länder verurteilen Schwule und Lesben immer noch. Wie der Lesben- und Schwulenverband mitteilt, haben homosexuelle Menschen in rund 69 Ländern mit gesetzlichen Strafen zu rechnen. In Brunei, Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria und Saudi-Arabien werden homosexuelle Handlungen sogar noch mit der Todesstrafe geahndet. In Deutschland ist Homosexualität grundsätzlich nicht strafbar und ab dem 17. Oktober 2017 dürfen gleichgeschlechtliche Paare auch heiraten.  Auch die Adoption ist für homosexuelle Paare zugelassen. Somit ist Deutschland ein Vorreiter für die Gleichstellung homosexueller Paare. Trotzdem gibt es auch hier noch Missstände: Schwule und bisexuelle Männer dürfen in Deutschland kein Blut spenden. Lediglich zugelassen werden sie, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten - eine Voraussetzung, die zurecht immer wieder Fragen der Sinnhaftigkeit aufwirft.  

Was in einer kleinen Bar, in der Christopher Street begann, wurde zu Botschaft an eine ganze Generation. Das Aufstehen und das Durchsetzen von neuen Wegen. Weg von alten Ansichten hin zu neuen Ansätzen. Menschen für Menschen, die keinen Unterschied machen, welche sexuelle Orientierung jemand hat. Somit legten die Widerstände vor rund 52 Jahren die Weichen für eine Gesellschaft, in der sich niemand mehr für seine Sexualität rechtfertigen muss und in der sich Menschen einfach so akzeptieren, wie sie sind. Genauso wie es der ehemalige Bürgermeister der Stadt Berlin, Klaus Wowereit sagte: „Ich bin schwul - und das ist auch gut so.“