Nach den jüngsten Aussagen von US-Behörden zu einer Laborpanne als möglichem Ursprung der Corona-Pandemie hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die USA um Herausgabe der zugrundeliegenden Informationen gebeten. Es seien Anfragen an die diplomatische US-Vertretung in Genf gestellt worden, bislang habe man keine Berichte erhalten, sagte die WHO-Expertin Maria von Kerkhove heute.

Der Chef der Bundespolizei FBI, Christopher Wray, hatte dem Sender Fox News am Dienstag gesagt: «Das FBI geht schon seit geraumer Zeit davon aus, dass der Ursprung der Pandemie höchstwahrscheinlich ein möglicher Laborvorfall in Wuhan ist.» Es gehe «um ein mögliches Leck in einem von der chinesischen Regierung kontrollierten Labor». Nach einem Bericht des «Wall Street Journal» geht auch das US-Energieministerium nun von einer möglichen Laborpanne aus, wenn auch mit einem «niedrigen» Grad der Gewissheit. Das Verhältnis zwischen den USA und China ist derzeit aus verschiedenen Gründen schwer belastet.

Unterschiedliche Einschätzungen zum Ursprung

Andere US-Behörden sind wie zahlreiche Wissenschaftler nach wie vor der Ansicht, dass das Virus wahrscheinlich auf natürliche Weise übertragen wurde. Demnach gab es die ersten Infektionen, als sich Menschen auf einem Markt im chinesischen Wuhan an dort verkauften Tieren ansteckten.

Wissenschaftler suchen seit drei Jahren nach dem Ursprung der Pandemie. Eine WHO-Delegation war Anfang 2021 in China, weitere Reisen internationaler Experten hatte Peking abgelehnt. Die WHO hat mehrere Untersuchungen in China und anderswo empfohlen, die aber bislang nicht geliefert wurden. China weist kategorisch zurück, dass das Virus aus einem Labor entwichen sein könnte. In Wuhan, wo Ende 2019 erstmals Coronaerkrankungen auftauchten, wird in einem Labor an Coronaviren geforscht.

Der Ursprung müsse gefunden werden, um künftige Pandemien möglichst zu verhindern, betonte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Die WHO fordert China weiterhin auf, Daten transparent weiterzugeben, die notwendigen Untersuchungen durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen», sagte er am Freitag. «Zu diesem Zweck habe ich mehrfach an hochrangige chinesische Politiker geschrieben und mit ihnen gesprochen, zuletzt vor wenigen Wochen. Bis dahin bleiben alle Hypothesen über den Ursprung des Virus auf dem Tisch.»