Bei der Bluttat in einem Einkaufszentrum in Kopenhagen sind drei Menschen erschossen worden. Drei weitere Menschen seien schwer verletzt und in kritischem Zustand, sagte Polizeichefinspektor Søren Thomassen in der Nacht zu Montag in der dänischen Hauptstadt der Zeitung «Jyllands-Posten» zufolge.

Die dänische Polizei stuft den Angriff in einem Kopenhagener Einkaufszentrum bisher nicht als Terrortat ein. Dafür gebe es keine Hinweise, sagte Chefinspekteur Søren Thomassen am Montag dem Sender TV2 zufolge.

Update vom 04.07.2022, 6 Uhr: Drei Tote bestätigt

Bei der Bluttat in einem Einkaufszentrum in Kopenhagen sind mindestens drei Menschen erschossen worden. Bei den Opfern handele es sich um einen Mann zwischen 40 und 50 Jahren und zwei junge Menschen, sagte Polizeichefinspektor Søren Thomassen in der Nacht zu Montag in der dänischen Hauptstadt örtlichen Medien zufolge. Drei weitere Menschen seien schwer verletzt und in kritischem Zustand.

Zum möglichen Motiv machte Thomassen keine Angaben. In sozialen Medien werde über einen rassistischen Hintergrund spekuliert, sagte er. Dafür gebe es derzeit keine Anhaltspunkte. Die Polizei hatte einen 22-jährigen Dänen in Zusammenhang mit der Tat festgenommen. Der mutmaßliche Schütze sei der Polizei «grundsätzlich bekannt» gewesen, sagte Thomassen. Weitere Angaben hierzu machte er nicht. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter alleine handelte. «Bis wir absolut sicher sind, dass die Hypothese zutrifft, werden wir eine weitreichende Untersuchung durchführen und eine massive operative Präsenz in Kopenhagen aufrechterhalten, bis wir sagen können, dass er alleine war», sagte Thomassen. Bei der Festnahme habe der Mann ein Gewehr und Munition dabei gehabt. Möglicherweise sei aber noch eine andere Waffe im Spiel gewesen.

Der Festgenommene soll am Montag vernommen werden, wie es weiter hieß. Er werde wegen Totschlags angeklagt. Der Vorwurf könne sich aber noch ändern. Ob der Mann Mitglied in einem Schützenverein war und ob er die Waffe legal besaß, wollte die Polizei zunächst nicht mitteilen. Das dänische Königshaus rief zum Zusammenhalt auf. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verurteilte die Tat als «grausamen Angriff». «Wir alle wurden brutal aus dem strahlenden Sommer gerissen, den wir gerade erst begonnen hatten», teilte Fredriksen mit. «Es ist unverständlich. Herzzerreißend. Zwecklos. Unsere schöne und sonst so sichere Hauptstadt wurde im Bruchteil einer Sekunde verändert.»

Einsatzkräfte riegelten die gesamte Insel Seeland ab, auf der die dänische Hauptstadt liegt. Mehrere Straßen und Autobahnausfahrten wurden gesperrt. Um mehr Kräfte für die Untersuchung der Bluttat zur Verfügung zu haben, übernahmen Soldaten Bewachungsaufgaben von der Polizei. Die Behörden richteten einen Ort ein, an dem Augenzeugen ihre Aussage machen und psychologische Betreuung in Anspruch nehmen können.

Ursprüngliche Meldung vom 03.07.2022:

Schüsse in einem Einkaufszentrum haben in Kopenhagen für Panik und dramatische Szenen gesorgt. Menschen seien getroffen worden, teilte die Polizei in der dänischen Hauptstadt am Sonntagabend (3. Juli 2022) mit. Eine Person sei im Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommen worden. Am späteren Abend bestätigte die Polizei, dass mehrere Menschen getötet wurden. Das sagte Polizeichefinspektor Søren Thomassen am Sonntagabend bei einer Pressekonferenz in der dänischen Hauptstadt.

"Wir wissen noch nicht genau, wie viele Menschen verletzt oder tot sind, aber es ist sehr ernst", twitterte die Kopenhagener Oberbürgermeisterin Sophie H. Andersen zuvor. Sie zeigte sich entsetzt über die "furchtbaren" Schüsse im Einkaufszentrum Field's. Ein Empfang mit dem dänischen Kronprinz Frederik auf einem Schiff wurde abgesagt.

Großer Polizeieinsatz läuft weiter

Inzwischen konnte ein Tatverdächtiger gefasst werden. Bei ihm handle es sich um einen 22 Jahre alten Dänen, sagte Chefinspektor Søren Thomassen.  "Wir sind immer noch mit massiven Kräften im Fields und arbeiten daran, das gesamte Gebäude zu sichern", twitterte die Polizei. "Wenn Ihr noch im Field's seid, bleibt, wo Ihr seid und wartet auf die Polizei." Die Polizei sei gegen 17.30 Uhr alarmiert worden und noch immer mit starken Kräften am Tatort im Einsatz. Eine Terrortat konnte Thomassen zunächst nicht ausschließen.

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass es in einer skandinavischen Hauptstadt einen Angriff gibt. Erst vor gut einer Woche waren in einer Schwulen-Bar in Oslo zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein.

Augenzeuge Laurits Hermansen sagte dem Sender DR zu den Schüssen in Kopenhagen, er habe drei oder vier sehr laute Knalle gehört, als er gerade mit seiner Familie in einem Geschäft war. Dann seien andere Menschen in den Laden gerannt und hätten von Schüssen berichtet, daraufhin sei er mit seiner Familie durch einen Notausgang geflohen, sagte Hermansen.

Umgebung wurde abgeriegelt

Über dem Gelände schwebte ein Hubschrauber. Die Umgebung wurde abgesperrt. Die Polizei rief Augenzeugen auf, Video- und Fotomaterial zur Verfügung zu stellen.

Auch der Zeitung "Jyllands-Posten" sagten Zeuginnen, sie hätten Schüsse gehört. "Man wusste nicht, was passiert. Plötzlich brach überall Chaos aus", sagte die 20-jährige Emilie Jeppesen dem Blatt. Ihre Freundin Astrid Kofoed Jørgensen sagte: "Jeder im Restaurant wurde in die Küche geschickt, dann saßen wir dort und konnten drei oder vier Schüsse hören."

Das Field's ist ein großes Einkaufszentrum im relativ neuen Viertel Ørestad im Süden von Kopenhagen. In der Nähe befindet sich auch die große Mehrzweckhalle Royal Arena. Dort war am Sonntag ein ausverkauftes Konzert des britischen Sängers Harry Styles geplant. In sozialen Medien forderten User, das Konzert dürfe angesichts des Vorfalls im Einkaufszentrum nicht stattfinden. Erst am Freitag hatte in Kopenhagen die diesjährige Ausgabe der berühmten Fahrradrundfahrt Tour de France begonnen.