Trebgast

Neues AWO-Begegnungszentrum in Trebgast

Senioren-Tagespflege der AWO im ehemaligen Trebgaster Bahnhof schließt Versorgungslücke
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Zufriedene Gesichter bei der Einweihung der neuen AWO-Tagespflegestätte im ehemaligen Trebgaster Bahnhof bei (von links) Architekt Hans-Hermann Drenske, MdL Inge Aures (AWO-Kreisvorsitzende), stellvertretender Landrätin Christina Flauder, Bürgermeister Werner Diersch, Pflegeteam-Leiter Thomas Scherer, Pfarrer Peter Ahrens, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Margit Vogel (Geschäftsführerin AWO-Kreisverband) und Pfarradministrator Michal Osak.   Foto: Dieter Hübner
Zufriedene Gesichter bei der Einweihung der neuen AWO-Tagespflegestätte im ehemaligen Trebgaster Bahnhof bei (von links) Architekt Hans-Hermann Drenske, MdL Inge Aures (AWO-Kreisvorsitzende), stellvertretender Landrätin Christina Flauder, Bürgermeister Werner Diersch, Pflegeteam-Leiter Thomas Scherer, Pfarrer Peter Ahrens, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Margit Vogel (Geschäftsführerin AWO-Kreisverband) und Pfarradministrator Michal Osak. Foto: Dieter Hübner
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Zahlreiche Ehrengäste konnte Bürgermeister Werner Diersch bei einer kleinen Feierstunde zur Einweihung des neuen AWO-Begegnungszentrums mit Senioren-Tagespflege im früheren Bahnhof begrüßen. "Für eine Gemeinde ist ein Bahnanschluss im Ort wichtig. Wir sind stolz darauf, einen der Barriere-freundlichsten und modern gestalteten Bahnhöfe in der Region aufweisen zu können, selbst wenn das Gebäude selbst nicht mehr für seinen eigentlichen Zweck gebraucht wird", begann der Hausherr einen kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte.

Die Vorgeschichte

Bereits Jahre zuvor, als das Wirtschaftsministerium 1200 bayerische Bahnhöfe in einem Paket zum Verkauf bündelte, habe man - leider vergeblich - versucht, den Trebgaster Bahnhof noch herauszulösen. Nach der Ersteigerung der Immobilie 2015 in Berlin galt es, eine neue sinnvolle Nutzung zu finden, die gemeindlichen Zwecken dienen und für Trebgast auch wegweisend sein sollte. Da die Gemeinde mit Einrichtungen für Jugendliche und Familien mit Kindern in der Schulstraße schon sehr gut aufgestellt war, wurde bald allen klar: Hier haben wir eine Gelegenheit, ein Angebot für Senioren zu schaffen. Zugute kam der Kommune dabei die Förderinitiative Nordost-Bayern der bayerischen Staatsregierung, die auch eine 90prozentige Förderung für die Beseitigung von Leerständen beinhaltete. Von den anerkannten Kosten in Höhe von 1,797 Millionen Euro waren 1,309 Millionen Euro förderfähig, so dass für die Gemeinde ein Eigenanteil von 0,609 Millionen Euro übrig blieb. "Mit einem geordneten Haushalt und gebildeten Rücklagen konnten wir es angehen, ein derart großes Projekt zu stemmen", sieht sich der Bürgermeister heute bestätigt.

Anfang 2017 entschied der Gemeinderat, unter mehreren Bewerbern die AWO als Partner mit ins Boot zu nehmen. Ausschlaggebend dafür war, dass der Kreisverband das Gebäude als Ganzes übernehmen wollte. Nach der Zustimmung zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn im November 2017 begann die Planungsphase durch das Architekturbüro Hans Hermann Drenske. Am 29. März 2018 erfolgte der Startschuss für die Rohbauarbeiten. Nach der baulichen Fertigstellung am 26. Juni 2019 konnte der AWO-Kreisverband am 8. Juli den Betrieb aufnehmen. "Uns war eine zügige Umsetzung wichtig. Deshalb waren wir froh, dass wir sowohl bei der Regierung und dem Landratsamt, als auch bei der DB Immo Ratschläge, Unterstützung und Verständnis für unser Vorhaben erhalten haben", richtete der Bürgermeister seinen Dank an alle maßgebenden Stellen. In seinen Dank schloss er den Architekten, die Planer, die ausführenden Firmen, die Verwaltung und den AWO-Kreisverband mit ihrer Vorsitzenden, MdL Inge Aures, für die Auswahl von Trebgast als Standort mit ein. Dass es dabei doch nicht immer ganz reibungslos abging, deutete Werner Diersch in einem Satz an: "Was wir bis zur Fertigstellung trotzdem alles erlebt haben, darüber könnte man mehrere Stories schreiben."

Ein guter Tag für die Gemeinde

Von einem guten Tag für die Gemeinde und für den AWO-Kreisverband sprach deren Vorsitzende, MdL Inge Aures: "Ein historisches Baudenkmal wird durch ein soziales Konzept wieder mit Leben erfüllt. Was gibt es Schöneres?" Sie erinnere sich gerne an die Vorstellung im Gemeinderat und versicherte: "Sie dürfen mir glauben: Wir als Betriebsträger werden uns anstrengen." Knapp 90 000 Euro hat der Kreisverband aus Eigenmitteln investiert. Großzügige Spenden kamen von der Stiftung des Norma-Gründers Manfred Roth (20 000 Euro), der Deutschen Fernsehlotterie, einer Stiftung des Deutschen Hilfswerks (33 000 Euro) und dem Architekturbüro Drenske (10 000 Euro).

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz nannte die Gemeinde Trebgast einen hochwertigen Wohn- und Erlebnisstandort. "Gemeinsam können wir uns heute über den gelungenen Abschluss einer Städtebau-Förderungsmaßnahme freuen. Dieses ortsbildprägende Gebäude hat sich durch seine zentrale Lage für die Unterbringung einer Tagespflege geradezu angeboten und schließt damit eine Lücke im Angebot des Trebgaster Ortes." Diese Förderoffensive Nordostbayern mache in Oberfranken vieles möglich.

"Die Tagespflege ist ein Segen"

Stellvertretende Landrätin Christina Flauder überbrachte die Grüße und guten Wünsche des Landrats und des Landkreises. "Ich weiß, wie schwierig es ist, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bringen. Der größte Wunsch eines alten Menschen ist es ja, solange wie möglich in der häuslichen Umgebung bleiben zu können. Die Tagespflege ist da ein Segen, weil sie die Angehörigen entlastet und älteren Menschen weiterhin soziale Kontakte in einer angenehmen Umgebung ermöglicht." Das sei gerade im Alter wichtig, um nicht zu vereinsamen.

Pfarrer Peter Ahrens und Pfarradministrator Michal Osak stellten das Haus und die Menschen, die hier ein- und ausgehen, unter den Schutz und den Segen Gottes. "Sie erfüllen nicht nur die Räume mit Leben, sondern auch die Menschen selbst sind wieder mit mehr Leben erfüllt. Was kann man sich Schöneres wünschen."

"Mit der Einweihung ist der Zeitpunkt gekommen, sich von seinem Projekt zu verabschieden." Mit diesem Satz und dem Dank an alle Beteiligten übergab Architekt Hans Hermann Drenske den Schlüssel an den Hausherrn.

Betreuung für 16 Personen

In der Tagespflege können 16 Personen betreut werden. Für sie gibt es im Erdgeschoss neben der räumlichen Betreuung ein täglich wechselndes Programm innerhalb des strukturierten Alltags. Während täglich frisch gekocht wird, und die beliebten Zeitungsrunden alle auf einen aktuellen Stand in der Politik, Sport und Wirtschaft bringen, werden außerdem weitere gemeinsame Aktivitäten geplant. "Wichtig ist Einrichtungsleiter Thomas Scherer und seinem Team, gemeinsam mit den Gästen den Alltag zu planen und zu gestalten. Von Bastelnachmittagen, leichten Sporteinheiten bis hin zu größeren Tagesausflügen sind die Möglichkeiten groß. Dabei können die Gäste immer mitentscheiden.

Im Hinblick auf die Kosten verweist der AWO-Kreisverband darauf, dass die Station von allen Kranken- und Pflegekassen anerkannt wird, wobei im Rahmen der gesetzlichen Versorgungsverpflichtung keine zusätzlichen Kosten entstehen. Dank des Pflegekassenzuschusses ist es beispielsweise möglich, ab Pflegegrad III den Aufenthalt in der Tagespflege Trebgast wöchentlich für drei bis vier Tage (je nach Anrechnung eines Fahrdienstes) zu buchen, ohne einen Eigenanteil aufbringen zu müssen. Für den konkreten Bedarf empfiehlt sich jedoch immer eine individuelle Beratung.

Für ältere Menschen, die sich eigenständig nicht mehr vollumfänglich versorgen können, ihr gewohntes Umfeld aber nur sehr ungern verlassen wollen, bieten in den Obergeschossen sechs helle Apartments mit aktuellsten Standards eine schöne Alternative für barrierefreies Wohnen.

Mit einem Fahrstuhl sind die schwellenlos begehbaren Räume für jeden leicht zugänglich. Neben der Möglichkeit, eigene Möbel mit einzubringen, kann man aus einer Vielzahl von Dienstleistungen seinen individuellen Bedarf an maßgeschneiderten Hilfen, zum Beispiel einen Hausnotruf, auswählen. Die Sozialstation im Erdgeschoß versorgt die Bewohner im Krankheitsfall oder bei zunehmender Bedürftigkeit mit bestens ausgebildeten Fachkräften. Dazu kann auch der gemeinschaftliche Mittagstisch genutzt werden.

Wer sich für eine der noch vier verfügbaren Wohnungen interessiert, kann sich unter der Telefonnummer 09227/9734860 informieren.Dieter Hübner

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