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Aufstieg in die Bundesliga

Der HSC 2000 Coburg ist nach dem Abbruch der Saison 2019/20 Meister und gehen nun zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte auf Torejagd in der stärksten Liga der Welt.
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Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte steigt der HSC 2000 Coburg in die 1. Bundesliga auf.  Foto: PR
Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte steigt der HSC 2000 Coburg in die 1. Bundesliga auf. Foto: PR

Die Handball-Bundesliga bekommt Zuwachs aus Oberfranken. Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte steigt der HSC 2000 Coburg nach 2016 in die stärkste Liga der Welt auf. Zwar konnte das Team von Trainer Jan Gorr diesen großartigen Erfolg nicht auf sportlichem Weg festzurren, da die Saison aufgrund der Corona-Pandemie nach 24 von eigentlich 34 Spieltagen abgebrochen wurde. Doch bis dahin hatten die Coburger einen sehr starken Eindruck hinterlassen, zu Hause keinen Punkt abgegeben und die Tabelle der 2. Liga angeführt.

Bei der Bewertung der Saison kam die so genannte Quotientenregel zur Anwendung (Pluspunkte geteilt durch die Anzahl der Spiele, multipliziert mit 100)., nachdem laut Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) mehr als drei Viertel aller 36 Erst- und Zweitliga-Klubs dafür gestimmt hatten. Und hier erzielte der HSC den besten Wert (154,2).

Zum Meister ernannt

Den Sprung ins Handball-Oberhaus schafft auch der TuSEM Essen (141,7), wobei die Coburger eben nicht nur Aufsteiger sind, sondern als klarer Tabellenführer auch zum Meister der 2. Liga ernannt wurden.

"Wir haben unser Ziel auf einem Weg erreicht, den vor ein paar Monaten noch niemand vorhergesehen hat", erklärt HSC-Geschäftsführer Michael Häfner, der den Verein im Sommer verlassen wird. Die Handball-Bundesliga wird demnach mit 20 Klubs in die neue Saison starten, in der es dann vier Absteiger geben wird.

"Aus sportlicher Sicht wäre es natürlich das Beste gewesen, die Saison fortzusetzen. Der Rahmen hat gesundheitlich, organisatorisch und wirtschaftlich aber nicht gepasst. Von den ungerechten Lösungen haben wir diese für die Beste gehalten", sagt Bohmann. "Wir haben unglaublich viel investiert, uns ohne nachzulassen an der Tabellenspitze festgebissen und uns auf diesem Weg den Aufstieg auch verdient", sagt HSC-Trainer Jan Gorr.

Die Coburger hätten die Saison zwar gern zu Ende gespielt und auf dem Parkett die Meisterschaft gefeiert, dennoch ist die Freude groß. "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und das gemeinsam Erreichte", betont Gorr in einer ersten Stellungnahme. Das wird nicht zuletzt auch dadurch deutlich, dass es bei keinem der möglichen Rechenmodelle zur Wertung der Saison eine andere Mannschaft auf den ersten Platz der Tabelle geschafft hätte.

Publikumsliebling und Torschützenkönig

Übrigens: Für Publikumsliebling Florian Billek bedeutet der Saisonabbruch, dass er mit 177 Toren (67 davon per Siebenmeter) nach 24 Spielen und mit einer beeindruckenden Quote von über sieben Treffern pro Partie Torschützenkönig geworden ist.

Sensationeller Erfolg

Maßstab für den Aufstieg ist die aktuelle Tabelle nach 24 Spielen - im Gegensatz zur Bundesliga haben alle Vereine der 2. Liga die gleiche Anzahl an Spielen absolviert. "Wir haben uns fünf Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz erarbeitet. Diese Tatsache zeigt, dass wir zu Recht aufsteigen", erklärt Michael Häfner.

Trotzdem sei es schwierig für ihn und seine Kollegen, die Gefühle in Worte zu fassen. "Wir haben einen sensationellen Erfolg erzielt und dürfen uns das zweite Mal in der Vereinsgeschichte mit den besten Teams der Welt messen. Normalerweise würden wir das sehr emotional mit unseren Fans feiern, dies ist jetzt leider nicht möglich", erklärt Jan Gorr - und verspricht: "Das werden wir nachholen."

Wie und vor allen Dingen wann genau dies möglich sein wird, steht noch in den Sternen - für Michael Häfner hat der Zeitpunkt jedoch momentan auch noch keine Priorität: "Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen diese Ausnahmesituation ohne schlimme gesundheitliche Folgen überstehen. Die Verbreitung des Virus weiterhin zu verlangsamen, steht über allem. Wenn dies gelungen ist und es eine nachhaltige Entspannung der Situation geben wird, dann werden wir feiern. Und wer uns kennt, weiß, dass wir das gebührend tun werden".

Meisterfeier mit Abstand

Doch eine kleine Meisterfeier ließ sich der HSC 2000 Coburg nicht nehmen. Not macht bekanntlich erfinderisch: In einem Facebook-Live-Video ließ der künftige Handball-Bundesligist virtuell die Korken knallen.

In der Geschäftsstelle statt auf dem Rathausbalkon. Unter sich und mit dem nötigen Sicherheitsabstand, anstatt mit hunderten Fans im kollektiven Freudentaumel. "Es läuft alles gesittet ab. Wir achten auf den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern", sagte Thomas Apfel, früherer HSC-Hallensprecher und Moderator der Online-Sause. Thomas Apfel holte 14 Spieler aus dem Aufstiegs-Kader nacheinander vor die Kamera, um mit ihnen über die Meisterschaft, den Saisonabbruch und Mannschaftsinterna bei der virtuellen Meisterfeier zu plaudern, die über zweieinhalb Stunden dauerte und in der Spitze 170 Fans gleichzeitig verfolgten.

"Das Gefühl ist unbeschreiblich. Aber es ist natürlich bitter, dass es so gekommen ist und wir nicht mit unseren Fans gemeinsam feiern können", sagte Kreisläufer Marcel Timm, der in der neuen Saison für den künftigen HSC-Ligakonkurrenten TBV Lemgo aufläuft.

"Sehr bitter, aber alternativlos"

Liga-Präsident Uwe Schwenker betonte, dass "ein Wiedereinstieg in den Spielbetrieb zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr machbar" gewesen wäre, "da das Zeitfenster, das uns bis 30. Juni bleiben würde, zu klein wäre, um den Spielern auch nur annähernd die Chance zu geben, sich im Trainingsbetrieb auf den harten Wettbewerb vorzubereiten". Der Abbruch sei daher zwar "sehr bitter, aber alternativlos".

Zum jetzigen Zeitpunkt würde sich durch Saisonbewertung eine Aufstockung der Liqui Moly Handball-Bundesliga von 18 auf 20 Clubs sowie in der 2. Handball-Bundesliga von 18 auf 19 Klubs ergeben (die HSG Krefeld hat keine Lizenz erhalten und steht als Absteiger aus der 2. Handball-Bundesliga fest).

Verkauf von "Unterstützerpaketen"

Die HSC-Verantwortlichen tun alles dafür, um in der nächsten Spielzeit eine packende Saison in der stärksten Liga der Welt zu bieten. Dafür wollen sie zusammen mit den Sponsoren, Fans und Freunden ein wirtschaftlich solides Fundament für die Bundesliga-Rückkehr schaffen, auf das man nach überstandener Corona-Krise aufbauen kann. "Wir haben sehr attraktive Unterstützerpakete geschaffen", sagt Vertriebsleiter Phillipp Rebhan. "Wichtig war uns, dass es eine Gegenleistung für die Unterstützung des HSC in der Krise gibt. Unsere Stärke ist unsere Gemeinschaft, deshalb hoffen wir, dass viele Pakete erworben werden."

Es gibt fünf verschiedene dieser Pakete zur Auswahl: das Unterstützerticket, das Unterstützerticket plus Rettershirt, Unterstützerticket plus Rettershirt sowie den Namen auf dem Warm-Up Shirt, Unterstützerticket plus Name auf dem Warm-Up Shirt sowie ein eigenes Warm-Up Shirt und zu guter Letzt das ultimative Unterstützerpaket.

Die kommende Bundesliga-Saison mit dann 20 Teams wird knallhart. das weiß auch HSC-Trainer Gorr: "Natürlich werden die Aufgaben sehr anspruchsvoll, aber darauf haben wir hingearbeitet. Wir freuen uns bereits jetzt auf das erste Spiel vor unseren Fans in der Bundesliga, und ich kann jetzt bereits versprechen, dass wir alles dafür geben werden, die Klasse zu halten."

Der Aufstieg ist verdient, aber auch sehr speziell

Auch die Spieler des HSC 2000 Coburg reagierten emotional. "Wir haben uns einen Vorsprung erarbeitet und insgesamt eine sehr stabile Runde gespielt, daher denke ich, dass der Aufstieg für uns verdient ist. Die ganzen Umstände mit der Corona-Pandemie, dem jetzt bestätigten Saisonabbruch machen das ganze natürlich speziell", erzählt Torschützenkönig Billek. "Wir sind schon ein bisschen traurig, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird und wir den Aufstieg nicht wie 2016 mit unseren Fans riesengroß auf dem Marktplatz feiern können."

Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben, verspricht der Rechtsaußen, der "unfassbar stolz" auf die Mannschaft ist: "Diese Aufstiege sind einfach immer noch eine unglaubliche Sache". Billek hofft, dass alle gesund diese schwierige Zeit überstehen und "wir uns irgendwann wieder in der HUK-Arena wiedersehen können".

Linksaußen Max Jaeger, der in der kommenden Saison das Trikot des fränkischen Rivalen HC Erlangen tragen wird, ergänzt: "Ich freue mich, den HSC nächstes Jahr in der Bundesliga zu sehen, und besonders auf die folgenden Franken-Duelle."

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