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9. November

30 Jahre Mauerfall

Menschen unter 30 haben sie nie kennen gelernt und doch war sie lange Zeit ein wichtiger Teil der Geschichte unseres Landes: die Mauer.
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"Mauerspechte" nach dem Berliner Mauerfall November 1989. Foto: visitBerlin, Justin Leighton/Alamy Stock Photo
"Mauerspechte" nach dem Berliner Mauerfall November 1989. Foto: visitBerlin, Justin Leighton/Alamy Stock Photo

Eine fast unüberwindbare Mauer teilte Ost und West. Doch sie trennte nicht nur Familien und Freunde, sondern brachte auch viel Leid und Schmerz. Mindestens 136 Menschen verloren hier ihr Leben bei einem Fluchtversuch nach Ost und West. Die Freude über den Fall der Mauer am 9. November 1989 führte zu einer Euphorie, in der die meisten Grenzanlagen verschwanden.

1989 fiel allerdings nicht nur in Berlin die Mauer zwischen Ost und West: Auch entlang der fränkischen Grenze nach Sachsen und Thüringen öffnete sich plötzlich der Eiserne Vorhang. Endlose Trabi-Kolonnen rollten über die Grenzübergänge in Eußenhausen, Rottenbach und Rudolphstein Richtung Westen nach Mellrichstadt, Hof und Coburg.

Die Ereignisse des 9. Novembers

Am Morgen des 9. Novembers tritt zunächst das Zentralkomitee (ZK) der Staatspartei SED zu einer regulären Sitzung zusammen. Die 231 Mitglieder und Kandidaten aus allen Teilen der DDR beraten über Wirtschaftspolitik, die Zulassung der Reform¬bewegung Neues Forum und schließlich auch über eine neue Fassung eines Reise¬gesetzes. Gegenüber dem ersten Entwurf, der selbst vom zuständigen Ausschuss des DDR-Parlaments Volkskammer als unzureichend abgelehnt worden war, sollte es nun das Recht auf ständige Ausreise und auf Privatreisen aus der DDR geben. Vor allem die tschechoslowakische Regierung hatte auf die Ost-Berliner Führung starken Druck ausgeübt, den Flüchtlingsstrom aus der DDR über ihr Land zu stoppen. Daher wird das neue Reisegesetz vom ZK gegen 16 Uhr ohne jede Diskussion abgesegnet.

Eine Stunde später erhält der als Sprecher des Politbüros des ZK fungierende Günter Schabowski, der nicht an der ZK-Tagung teilgenommen hatte, von SED-Generalsekretär Egon Krenz den Entwurf des Reisegesetzes. "Das wird ein Knüller", soll Krenz nach der Erinnerung von Schabowski gesagt haben. Dieser eilt mit dem Text in die internationale Pressekonferenz und spricht dort um 18.53 Uhr die entscheidenden Sätze: "Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen." Auf die Nachfrage eines italienischen Korrespondenten, wann denn die neue Regelung in Kraft treten soll, kramt Schabowski in seinen Papieren und stammelt dann: "Das tritt - nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich."

Eilmeldung kurz nach 19 Uhr

Schon kurz nach 19 Uhr laufen die erste Eilmeldungen westlicher Nachrichtenagenturen mit der Überschrift "DDR öffnet Grenze" über den Ticker. Auch die Hauptnachrichten¬sendung des ARD-Fernsehens, "Tagesschau", beginnt ihre Sendung um 20.00 Uhr mit dieser wahrhaftig sensationellen Nachricht. Kurze Zeit später drängeln sich die ersten Hundert Menschen an den Übergängen Bornholmer Straße und Heinrich-Heine-Straße. Gegen 21.30 Uhr werden auf der Bösebrücke an der Bornholmer Straße die ersten Menschen in den Westen durchgelassen. Es handelt sich angeblich um "provokatorische Personen". Diese sollten nach einer Weisung des Ministeriums für Staatssicherheit einen Stempel auf das Passbild im Personalausweis erhalten, um ihnen die Wiedereinreise in die DDR zu verwehren. "Die DDR-Bürger sahen, dass wir einige Personen ausreisen ließen", erinnerte sich Oberstleutnant Harald Jäger von der Passkontrolle auf der Bornholmer Straße. "Der Grund dafür war ihnen nicht klar. Sie nahmen an, es geht jetzt los." Kurz nach 23 Uhr steigt die Zahl der Menschen allein an dieser Übergangsstelle auf 20.000 bis 30.000 an, nachdem die ARD-Tagesthemen die "Öffnung aller Grenzen" gemeldet hatten. Die Grenzer stellen somit die Kontrolle angesichts des Drucks ein.

Fakten

Der 13. August 1961 gilt zwar als Tag des Mauerbaus, an dem sämtliche Verkehrswege zwischen West- und Ost-Berlin unterbrochen wurden. An den folgenden Tagen gelang die nahezu komplette Abriegelung.

Der Abriss der innerstädtischen Mauer, der schon am 10. November 1989 mit der Öffnung neuer Grenzübergänge begonnen hatte, endete offiziell am 30. November 1990.

Einige der Mauersegmente finden sich heute an verschiedenen Orten der Welt. So sicherte sich der US-Geheimdienst CIA für seinen Neubau in Langley, Virginia, einige künstlerisch verzierte Mauersegmente

In den Vatikanischen Gärten wurden im August 1994 einige Mauersegmente mit der aufgemalten Sankt-Michaels-Kirche aufgestellt.

Ein weiteres Teilstück der Mauer kann im Haus der Geschichte in Bonn besichtigt werden.

Nach Recherchen des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Gedenkstätte Berliner Mauer wurden zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen an der Berliner Mauer getötet ...

oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben.

Darüber hinaus verstarben mindestens 48 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. visitBerlin.de

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