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Thomas Gottschalk verwundert erneut mit Auftritt


Autor: Matthias Röder und Ann-Kristin Wenzel, dpa

, Samstag, 29. November 2025

Fernsehmoderator Thomas Gottschalk wird mit der Diamant-Romy geehrt. Der 75-Jährige witzelt und wirkt beim Live-Auftritt zeitweise überfordert.
Thomas Gottschalk kam mit seiner Ehefrau Karina zur Romy-Vergabe.


Moderator Thomas Gottschalk hat erneut bei einem Fernseh-Auftritt für Verwunderung gesorgt. Zwei Wochen nach seiner viel kritisierten Bambi-Moderation wurde er am Freitagabend selbst ausgezeichnet, mit dem österreichischen TV-Preis Diamant-Romy. Er erhielt die Auszeichnung in Kitzbühel in Anerkennung seiner TV-Leistungen. Erneut wirkte er verwirrt, seine Stimme zitterte teilweise. Ihn irritierte offensichtlich unter anderem die ihm zur Verfügung stehende Zeit.

In seiner Rede dankte der 75-Jährige zunächst dem Publikum. Nahtlos sagte er: «Ich werde mich morgen wieder entschuldigen müssen. In Deutschland, weil ich gesagt habe, mir liegt der österreichische Humor ein bisschen mehr als der deutsche. Aber das ist einfach so.» Dafür erntete er Applaus.

Anfangs sprach er leicht gebückt ins Mikrofon, hob dann den offensichtlich zu niedrig eingestellten Mikrofonständer an und erklärte dies. «Wir haben in Deutschland die Mikrofone, die so weit aus dem Boden kommen, wie groß der Laudator gerade ist. Beim Otto hat es weniger gereicht, aber bei mir muss es etwas höher kommen.»

Viele Romys für Tommy

So wandte er sich dem neben ihm stehenden österreichischen Regisseur Otto Retzer zu. «Otto, für dich wäre das sogar ein Tipp für einen Film, eine Romy für Tommy, aber ich glaube, in dem Fall wäre es eine Serie besser, die vielen Romys für Tommy.» Stammelnd fuhr er fort und wiederholte dabei mehrfach die Worte Romy und Tommy. «Es reimt sich nicht ganz leider, muss ich sagen. Ich bin gewohnt, dass sich die Dinge reimen. Aber ich hab mir das nicht so genau überlegt, wie ich mir vieles in meiner ganzen Karriere nicht überlegt habe, was ich gesagt habe.»

Dann zählte er mit Blick auf den Boden die Zeit runter. Bei Fernsehsendungen zeigen rückwärts laufende Uhren an, wie viel Zeit den Moderatoren noch bleibt. «30, ich hab noch 29 Sekunden, 28, 27, 26, 25 – hier läuft die Zeit runter, man sieht wie viel Zeit man noch hat, aber wo bleibt die Romy?»

Zu diesen Worten betrat «Bergdoktor»-Schauspieler Hans Sigl die Bühne: «Eine gute Frage. Entspann dich, Tommy.» Die Uhr sei jetzt egal, denn «du bist ja der Tommy». Die beiden machten ein Selfie auf der Bühne, Gottschalk wirkte langsam deutlich entspannter.

Gottschalk hatte als «Wetten, dass..?»-Moderator oft Schwierigkeiten damit, Sendezeiten einzuhalten. Der 75-Jährige ist einer der erfolgreichsten Showmaster der deutschen Fernsehgeschichte.

«Der hat 'ne Gürtelrose»

Richard Grasl, Geschäftsführer der österreichischen Zeitung «Kurier», die die Romy-Awards verleiht, übergab die Kristall-Romy an Gottschalk. Die Figur sei mit 20 Diamanten besetzt. «Als Gürtel», sagte Gottschalk. «Der hat 'ne Gürtelrose, eine Gürtelrose».

Eine früher an ihn verliehene Romy war beim Feuer in Gottschalks Haus im kalifornischen Malibu geschmolzen, wie Grasl erinnerte. Sollte noch einmal so eine Katastrophe eintreten, hoffe er, dass diesmal zumindest die Diamanten übrigblieben, sagte Gottschalk.

Im November 2018 hatte rund um Malibu ein schweres Feuer gewütet, das größere Landstriche verwüstete und mehr als 1.500 Häuser zerstörte. Damals brannte unter anderem das Haus von Moderator Thomas Gottschalk ab.

Grasl sagte, er wolle diese Romy auch deshalb an Gottschalk verleihen, «weil wir Medien und wir als Gesellschaft dazu stehen müssen, wenn man tausendmal was richtig macht und ein halbes Mal vielleicht was nicht so ganz gut macht, trotzdem ein Superstar bleibt». Der österreichische TV- und Filmpreis Romy wird in zahlreichen Kategorien durch Publikums-Voting vergeben.

Irritation bei Bambi-Gala 

In den letzten Jahren hatte Gottschalk vermehrt Gegenwind erfahren, wenn er sich kritisch zu Gesellschaftsthemen äußerte. Zuweilen wurde ihm auch Sexismus vorgeworfen.

Bei der Bambi-Gala vor zwei Wochen erntete der 75-Jährige Buh-Rufe, als er US-Popstar Cher mit dem Satz ankündigte: «Hier ist sie, die einzige Frau, die ich in meinem Leben ernst genommen habe.» Gottschalk war mit seiner Frau Karina zur Gala gekommen.

Tags darauf entschuldigte er sich für die Äußerung. «Das Zitat in Bezug auf "Frauen ernst nehmen" nehme ich hiermit ausdrücklich zurück und entschuldige mich dafür. Ich nehme Frauen sehr ernst. Niemand weiß das besser als meine», sagte Gottschalk dem «Spiegel».

Cher wurde an dem Abend als «Legende» ausgezeichnet. Gottschalk wirkte dabei desorientiert und verhaspelte sich. Später erklärte er, der Auftritt eines Cher-Doubles habe ihn durcheinander gebracht, dann habe er einen Blackout gehabt. In seiner Bambi-Moderation hatte er auch zu einer längeren Episode darüber ausgeholt, dass seine eigene Bambi-Trophäe in seiner abgebrannten Villa in Malibu zusammengeschmolzen sei.

Show-Aus am kommenden Wochenende

Der erfahrene Fernsehmoderator hatte im Mai – kurz vor seinem Geburtstag – sein Show-Aus angekündigt. Am kommenden Samstag, dem 6. Dezember, moderiert er zum letzten Mal bei RTL die Show «Denn sie wissen nicht, was passiert» mit Barbara Schöneberger (51) und Günther Jauch (69). Danach wolle er sich erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückziehen, hatte er zuletzt dem Magazin «Bunte» gesagt. «Das heißt aber nicht, dass ich nie wieder einen Ton von mir gebe.»

Am Freitagabend kommentierte Gottschalk zu seiner Romy: «Ich musste mir schon mal mit Michael Jackson eine Romy teilen, aber die hier gehört mir ganz alleine. Michael ist weggebrochen, sozusagen als Konkurrenz.» Die Pop-Ikone starb 2009 an einer Überdosis Propofol, einem starken Betäubungsmittel.

Der Auftritt sorgte im Internet für Verwunderung. Gottschalk sagte nach der Preisverleihung laut «Bild»: «Mir geht es so gut, wie es einem 75-Jährigen gehen kann und ich bin so fit, wie man mit 75 fit sein kann.» Faul sei er aktuell nicht. «Wir ziehen ja gerade um, daher schleppe ich viele CDs und kistenweise Bücher, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe.»