Bad Aibling

Zugunglück Bad Aibling - die Fakten: Was wir wissen und was nicht

Ein schreckliches Zugunglück hat sich am Faschingsdienstag bei Bad Aibling ereignet. Wir haben für Sie die Fakten und die Reaktionen zusammengefasst.
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Zugunglück in der Nähe von Bad Aibling Foto: Peter Kneffel/dpa
Zugunglück in der Nähe von Bad Aibling Foto: Peter Kneffel/dpa
Ein schreckliches Zugunglück hat sich am Faschingsdienstag bei Bad Aibling ereignet. Es ist das schwerste Zugunglück in Bayern seit 1975. Wir haben alle Fakten für Sie zusammengefasst:
 


Was ist geschehen?

Zwei Personenzüge sind am Dienstagmorgen um 6.48 Uhr bei Bad Aibling (Kreis Rosenheim) frontal zusammengestoßen. Ein Zug kam von Kolbermoor und fuhr in Richtung Holzkirchen. Der andere Zug kam aus der Gegenrichtung und sollte nach Rosenheim fahren. Auf Höhe der Klärwerke von Bad Aibling kam es zur Kollision. Dabei verkeilten sich die Triebwagen. Ein Zug entgleiste, mehrere Waggons stürzten um.

Die Züge waren mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, erklärte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bei der Pressekonferenz in Bad Aibling. Man gehe von einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h aus. Die Unglücksstelle befindet sich in einer Kurve, deshalb gehen Dobrindt und Joachim Herrmann davon aus, dass sich die Lokführer nicht sehen konnten und die Züge ungebremst aufeinander geprallt sind.
 


Wie viele Menschen starben? Wie viele wurden verletzt?

Bei dem Unglück sind elf Menschen ums Leben gekommen. Es gibt nachdem neuestem Stand 21 Schwerverletzte und 62 Leichtverletzte. Bei neun Todesopfern handelte es sich um Männer aus der Region im Alter von 24 bis 60 Jahren. wei Tage nach dem Zugunglück im oberbayerischen Bad Aibling ist auch das zehnte Todesopfer identifiziert worden. Es handele sich um einen 38-jährigen Mann aus dem brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

In den Zügen waren 150 Passagiere. Normalerweise fahren auch viele Schüler mit den Zügen. Da aber gerade Faschingsferien in Bayern sind, waren vergleichsweise wenige Passagiere in den Zügen.
 


Wieso ist die Bergung so schwierig?

Die Rettung der Opfer von der Unglücksstelle in einem schwer zugänglichen Waldstück gestaltet sich schwierig, da die Gleise direkt neben dem Flüsschen Mangfall an einer Hangkante liegen. Nach dem Alarm war die Feuerwehr innerhalb von drei Minuten vor Ort.

Etwa 700 Einsatzkräfte kümmerten sich um die Bergung und die Versorgung der Verletzten, etliche der Helfer waren ehrenamtlich im Einsatz. 15 Hubschrauber standen bereit. Unterstützung kam laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auch von Rettungskräften aus Österreich.


 


Wie lange wird die Strecke gesperrt sein?

Die Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim (Mangfalltalbahn) wird für mehrere Tage gesperrt sein. Es verkehrt ein Schienenersatzverkehr mit Bussen.
 


Welche Züge fahren auf der Strecke?

Es waren Meridian-Züge, die aufeinander geprallt sind. Meridian ist eine Marke für ein Nahverkehrs-Zugangebot im Raum München, Rosenheim, Salzburg und Kufstein. Die Marke Meridian gehört zum Bahnkonzern Transdev GmbH, zu der auch das private Eisenbahnverkehrsunternehmen Bayerische Oberlandbahn (BOB) gehört. Bei den entgleisten Zügen bei Bad Aibling handelt es sich um Elektrotriebzüge.
 


Wieso kamen sich die Züge auf einem Gleis entgegen?

Die Bahnstrecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist nur eingleisig befahrbar. Auf der eingleisigen Bahnlinie, die vor allem im regionalen Personenverkehr genutzt werde, habe es bisher keine Störungen gegeben, sagte Joachim Herrmann.

Durch die Zugsicherungstechnik sollte so ein Unglück eigentlich nicht vorkommen, erklärte Joachim Herrmann bei der Pressekonferenz. Bei diesem Sicherheitssystem handelt es sich um eine Technik, die im gesamten Bahnverkehr in Deutschland eingesetzt wird.
 


Wie funktioniert das Sicherheitssystem?

Bei dem System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett. Die Magnete sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst.
 


Was ist die Ursache des Unfalls?

Normalerweise hat ein Zug in Kolbermoor einen längeren Aufenthalt, so dass sich die Züge am Bahnhof Kolbermoor begegnen. Weshalb der Zug sich eher in Bewegung setzte, ist unklar.

Erst vor einer Woche war das Sicherheitssystem technisch überprüft worden. Dabei habe es keine Probleme gegeben, sagte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) für Bayern, Klaus-Dieter Josel, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bad Aibling.

In den Zügen gibt es insgesamt drei Blackboxes, zwei konnten bereits gesichert werden. Mithilfe der Blackboxes können technische Details geklärt werden und es kann möglicherweise festgestellt werden, was die Ursache des Unglücks war. Noch ist unklar, ob es sich um einen technischen Defekt oder menschliches Versagen handelt.



Das sind Reaktionen am Tag des Unglücks

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Mein Mitgefühl gilt vor allem den Familien der neun Menschen, die dabei ihr Leben verloren haben. In Gedanken bin ich auch bei den zahlreichen Verletzten, die mit den Folgen des Unglücks ringen."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: "Meine Gedanken sind bei den Opfern dieser schweren Katastrophe und ihren Angehörigen, denen ich mein tiefes Mitgefühl ausspreche. Das ist eine Tragödie für unser ganzes Land, die uns mit Trauer und Entsetzen erfüllt." Die Unglücksursache müsse nun schnell aufgeklärt werden.

Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, Bernd Rosenbusch: "Der Unfall ist ein Riesenschock für uns. Wir tun alles, um den Reisenden, Angehörigen und Mitarbeitern zu helfen."

Bahn-Chef Rüdiger Grube: "Wir sind tief bestürzt über den Unfall. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten und bei den Verletzten."

Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer: "Der Faschingsdienstag 2016 ist ein schwarzer Tag für die ganze Region Rosenheim. Aus einem Tag der Unbeschwertheit ist ein Tag tiefer Trauer geworden."


(mit Material der dpa)