Immer öfter werden Reisende in Deutschlands Zügen und Bahnhöfen Opfer von Dieben. Die Bundespolizei verzeichnet eine drastische Zunahme bei der Zahl der Taschen- und Handgepäckdiebstähle: Im vergangenen Jahr haben die Ermittler bundesweit 44 800 Fälle registriert, etwa 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im Jahr 2014 hatten die Ordnungshüter noch 35.800 solcher Taten verzeichnet - schon das war ein Plus von fast 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. 2016 dürfte die Zahl der Fälle noch weiter steigen.


International auf Beutezug

Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf den neuen Jahresbericht der Bundespolizei, der demnächst veröffentlicht wird.


Auch im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Würzburg mit ihren angegliederten Revieren in Aschaffenburg und Bamberg schlugen Diebe öfter zu, wie eine Anfrage der Redaktion ergab.

Wenngleich die Zahlen niedrig sind: Wurden 2014 noch knapp 180 Fälle bekannt, wurden im vergangenen Jahr 200 Diebstahlsdelikte auf den Bahnanlagen in der Region gezählt. 2016 setzt sich der Trend bislang fort. So wurden etwa im ersten Quartal 2016 alleine im Bereich des Würzburger Hauptbahnhofs 48 sogenannte Eigentumsdelikte bekannt; im ersten Quartal 2015 waren es noch 25.

"Generell stehen wir aber in Bayern noch ganz gut da", so ein Sprecher der Bundespolizei in München. Zwar stiegen die Zahlen auch im Freistaat zwischen 2014 und 2015 um über 20 Prozent, allerdings auf moderatem Niveau von knapp 1900 auf fast 2300 Fälle. Schwerpunkt ist München mit 1200 Delikten.

Zwischen 2013 und 2014 habe es in Bayern allerdings noch einen Rückgang von Diebstahlsdelikten um vier Prozent gegeben. Warum die Zahlen in Bayern und Deutschland nun sprunghaft anstiegen, kann die Bundespolizei derzeit noch nicht beantworten. "Das wäre Spekulation", hieß es auf Nachfrage.


Die Diebe agieren in Gruppen

Auch zur Aufklärungsquote im vergangenen Jahr könne man noch keine Angaben machen. Laut Bundespolizei handelt es sich aber oft um professionelle Täter, die nicht nur in Deutschland, sondern auch international auf Beutezug gehen.

Die Diebe agierten dabei arbeitsteilig in Gruppen von drei bis sechs Personen: Ein Täter beobachte die Umgebung; einer lenke das Opfer ab, das vielleicht durch eine offene Handtasche oder einen Geldbeutel in der Hosentasche vielversprechend aussehe; ein Dritter lange zu.

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Empfehlungen der Polizei

Die Bundespolizei empfiehlt zum Selbstschutz, nicht offen mit Bargeld zu hantieren. Geld, Kreditkarten, Papiere sowie andere Wertsachen sollten stets eng am Körper am besten in verschlossenen Innentaschen getragen werden. Rucksäcke sollten Reisende im Gedränge vor dem Körper halten. Auch im Zug sollten sich Fahrgäste nicht so sicher wie im eigenen Wohnzimmer fühlen, warnen die Beamten: "Lassen Sie niemals Wertgegenstände in Jacken, die Sie an Garderoben oder über Stuhllehnen hängen." Wenn Fahrgäste während der Fahrt ihren Platz verlassen, sollten sie alle Wertsachen mitnehmen.
Benjamin Stahl