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"Bei dem Satire-Wagen des Festkomitees Kölner Karneval sehe ich die Gefühle der Muslime nicht verletzt", sagte der Sprecher des Dachverbands, Erol Pürlü, am Freitag in Köln dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte den Rückzug des Mottowagens zum "Charlie-Hebdo"-Anschlag und ging ebenso wie Pürlü auf Distanz zu einer Bewertung der Türkisch-Islamischen Union (Ditib). Diese hatte den Verzicht auf den Wagen als "sehr positiv" begrüßt.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, sagte dem epd: "Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, warum der Mottowagen zurückgezogen wurde." Er ermutigte das Festkomitee Kölner Karneval, seine Entscheidung zu überdenken und "im Sinne der weltoffenen Stadt Köln" rückgängig zu machen.
Weder der Islam noch der Prophet Mohammed würden in dem Wagen-Entwurf überhaupt gezeigt, "geschweige denn herabwürdigend". Der Zentralratsvorsitzende verwies darauf, dass sein Verband kürzlich selbst dazu aufgerufen habe, Extremisten und Terroristen satirisch zu karikieren.

Koordinationsrats-Sprecher Pürlü zeigte dagegen Verständnis für die Entscheidung der Kölner Karnevalisten, den bereits im Bau befindlichen Mottowagen zum Anschlag auf die Pariser Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" zurückzuziehen. Zwar seien ihm die Hintergründe des Rückzugs im Detail nicht bekannt, sagte Pürlü dem epd. "Es scheint aber, dass das Festkomitee die Sachlage abgewogen und verantwortungsvoll entschieden hat, um einer möglichen Eskalation und Polarisierung in unserer Gesellschaft vorzubeugen." Ein respektvoller Umgang mit dem, was Menschen heilig ist, sei für das friedliche Miteinander in einer Gesellschaft von großer Bedeutung.

Der Entwurf einer Kölner Zeichnerin für den umstrittenen Mottowagen zeigt einen Jecken, der einen Stift in das Gewehr eines maskierten Attentäters steckt. Zu den Porträts der bei dem Pariser Anschlag getöteten Karikaturisten werden Meinungs- und Pressefreiheit eingefordert. Das Motiv war bei einer Internet-Abstimmung ausgewählt worden, an der sich 7.000 Menschen beteiligten. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte den überraschenden Rückzug des Mottowagens unter anderem mit Rückmeldungen besorgter Bürger begründet, die offenbar einen islamistischen Anschlag während des Rosenmontagszuges befürchteten.

Der eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbundene Islamverband Ditib hatte den Verzicht auf den Wagen als "sehr positiv" begrüßt. Der Vorsitzende Nevzat Yasar Asikoglu äußerte die Erwartung, "dass man unseren Werten Respekt" erweise. Der Kölner Grünen-Politiker Volker Beck nannte diese Reaktion am Freitag befremdlich. "Der geplante Wagen hätte weder Muslime noch den Islam in irgendeiner Form herabgesetzt", sagte der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.
Im Koordinationsrat sind die vier großen islamischen Dachverbände zusammengeschlossen. Neben der Ditib und dem Zentralrat der Muslime gehören dazu der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), dessen Dialogbeauftragter Pürlü ist, und der Islamrat.

Der Islamwissenschaftler Erdal Toprakyaran forderte die Muslime auf, mit harmlosen Karikaturen umzugehen. "In einer Gesellschaft, die stark von Bildern und Filmen bestimmt ist, können wir nicht erwarten, dass man sich von allen Karikaturen und Satiremagazinen verabschiedet", sagte der Direktor des Zentrums für Islamische Theologie in Tübingen dem epd. Zu einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft gehöre, dass es Meinungs- und Kunstfreiheit gebe und damit auch die Freiheit, den islamischen Propheten negativ darzustellen. epd