Ernennung zum Weltkulturerbe 1993 als Initialzündung und von da an geht die Rakete steil nach oben. Mit diesem Bild lässt sich die Entwicklung des Tourismus in Bamberg beschreiben. Zahlen untermauern, welchen hohen Stellenwert der Tourismus mittlerweile einnimmt. So sichern die Besucherströme den Lebensunterhalt von etwa 5000 Personen. So bedeutsam solche Zahlen auch sind, die 6,3 Millionen Tagesbesucher allein im vergangenen Jahr bringen die Stadt und ihre Bewohner auch an ihre Grenzen. Kritisiert wird die Masse, der endlose Strom an Besuchern, der vielen Einheimischen Lebensqualität nimmt. Die Politik versucht gegenzusteuern.
6,3 Millionen Tagesbesucher sowie 700 000 Übernachtungsgäste im vergangenen Jahr sorgten für einen Bruttoumsatz von 253,5 Millionen Euro. Aufgeschlüsselt bedeuten diese Zahlen des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts (DWIF), dass die Tagesbesucher mehr als 154 Millionen Euro in die Kassen spülen.
Die Übernachtungsgäste stehen dem mit 99,1 Millionen Euro gegenüber. Von beiden Kategorien profitiert das Gastgewerbe am meisten, gefolgt vom Einzelhandel und Dienstleistungen. Die positiven Zahlen beeinflussen zudem die Investitionsbereitschaft vieler Branchen. "Die hohe touristische Attraktivität unserer Stadt kommt letztlich den Bambergern selbst zugute", schlussfolgert der für den Tourismus zuständige Bürgermeister Dr. Christian Lange.
Bei der Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes sah das noch ganz anders aus. Registriert wurden in Bamberg, eben vom grenznahen Raum in die geografische Mitte gerückt, rund 255 000 Übernachtungen in Hotellerie und Gastronomie. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte später liegt die Zahl mit über einer halben Million mehr als doppelt so hoch. Das DWIF nimmt auch diese Entwicklung unter die Lupe und vergleicht sie mit der in anderen deutschen Städten. Fazit: Der Tourismus in Bamberg entwickelt sich deutlich positiver, was das Bild von der Rakete bestärkt.
Bei allem Stolz, den viele Bürger für ihre weltweit bewunderte Stadt empfinden, droht die schiere Masse an Besuchern zur Belastung zu werden. Das ist auch im Rathaus kein Geheimnis. Vergangenen Juli setzte sich eine Expertengruppe auf der Altenburg mit der Thematik auseinander. Anfang Oktober wurde ein weiterer Versuch unternommen, die Lage zu entspannen. Bürgermeister Lange und Tourismusdirektor Andreas Christel trafen sich mit Anbietern von Flusskreuzfahrten. Ziel der Gespräche war es, Möglichkeiten zu erörtern, wie die Besucherströme entzerrt werden können. Obwohl die Flusskreuzfahrer einen kleineren Teil an der Gesamtheit der Besucher darstellen, werden sie in der Öffentlichkeit eher wahrgenommen. Die Bamberger schlugen vor, den Besuchern verschiedene Führungen anzubieten, die an unterschiedlichen Orten beginnen sollen. Kleinere Gruppen, neue Routen für die Stadtführungen sowie mehr Haltepunkte sollen dazu beitragen, die Touristen zeitlich und räumlich besser zu verteilen. Die Anbieter erklärten sich bereit, gemeinsam mit den Experten vom Tourismus & Kongress Service Bamberg für die Klientel der jeweiligen Reederei individuell zugeschnittene Lösungen auszuarbeiten. Ein Anfang ist gemacht. geb/konst