Stuttgart
Umweltschutz

Als Zeichen gegen das Einkaufsverhalten: Getränkemarkt verbannt Einwegflaschen aus seinen Regalen

Einem Getränkehändler reicht es: Bald wird es bei ihm keine Getränke mehr in Plastikflaschen zu kaufen geben. In einem emotionalen offenen Brief erklärt er, warum er als erster Getränkemarkt Deutschlands einwegfrei werden will.
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"Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut": Diese Einstellung lässt einem Getränkehändler im schwäbischen Stuttgart den Kragen platzen. Hans-Peter Kastner, Inhaber eines Familienunternehmens im Stuttgarter Stadtteil Vaihingen, machte seinem Ärger über das Kaufverhalten sowie die Doppelmoral einiger Kunden Luft.

"Beendet diesen Wahnsinn": Getränkehändler verurteilt Kauf von Einweg-Plastikflaschen - und tut etwas dagegen

Via Facebook veröffentlichte der Geschäftsführer des Getränkehandels ein Statement, das bereits über 39.000 Mal geteilt und weit über 2900 Mal kommentiert wurde (Stand: 23. Juni 2019). Darin bringt er insbesondere zum Ausdruck, wie es ihn stört, dass Menschen Einweg-Plastikflaschen kaufen. Erst vor kurzem hatte auch ein fränkischer Brauer ein Umdenken beim Pfandsystem gefordert.

Am 23. Juni hatte Kastner mit seinem beitrag bereits 3,2 Millionen Menschen erreicht, mehr als 843.000 haben mit dem Beitrag interagiert, also ihn geliked, geteilt oder kommentiert. Das ist beachtlich. "Weiter immer weiter!!!", schreibt Kastner angesichts dieses Erfolges. "Wir bewegen etwas und ich werde mich aufopfern um die Industrie und die Gesellschaft unter Druck zu setzen. Über 3,2 Millionen alleine auf Facebook in weniger als einer Woche. Sämtlich Zeitungen bundesweit, Radio und auch TV berichten. Meine Freunde, ich verspreche euch das ich bis zum letzten Atemzug mich für diese Aktion einsetzen werde. Danke für eure Unterstützung."

Zusätzlich nervt Kastner, dass "in Zeiten wo viele von Umweltschutz und Nachhaltigkeit reden, wo eine kleine Schwedin es schafft die ganze Welt zum Zuhören zu bringen, wo Freitag die Schule zweitrangig ist und wir täglich Gedanken austauschen, wie wir das Klima und die Umwelt retten können", so etwas möglich sei.

Als Experiment: 10.400 Einweg-Flaschen gesammelt

Ein zwölfwöchiges Experiment ging dem wütenden Posting voraus. Er und seine Kollegen sammelten über diesen Zeitraum den Müll aus Einweg-Flaschen und Einweg-Dosen. Das Ergebnis waren 52 Säcke à 200 Stück - insgesamt 10.400 Stück.

"Was ich mache, mache ich immer aus voller Überzeugung und mit ganzem Herzen" sagte Kastner zu den Stuttgarter Nachrichten. Seine Leidenschaft für das Thema Umweltschutz wird in seinem Aufruf deutlich: "Wir fordern alle Kunden auf diesen Wahnsinn zu beenden!!! Es liegt in Ihren Händen und Sie haben die Wahl: Stärken Sie den Fachhandel, Kaufen Sie Mehrweg anstatt Einweg, Helfen Sie mit die Umwelt zu verbessern, Reduzieren Sie unnötigen Plastikmüll, Sichern Sie die Nahversorgung und somit auch die Nachhaltigkeit."

Getränkehändler sagt Plastikpfandflaschen dem Kampf an

Zum 1. August 2019 ist Schluss mit Plastik im Sortiment des Getränkemarktes. Das ist auf einem Aushang an der Ladentür zu lesen. Auf Einwegplastikflaschen verzichtet das Unternehmen bereits seit Jahren - nun soll aus mit Dosen Schluss sein. Kastner ist sich allerdings bewusst, dass diese Entscheidung weitreichende Konsequenzen mit sich ziehen könnte. 30 bis 35 Prozent des Gesamtumsatzes mache das Geschäft mit dem Plastik für seine Firma aus. Wenn der Kunde diese Entscheidung nicht mittrage, werde man innerhalb von drei Monaten schließen müssen, erzählt der 41-Jährige der Bild. Kastner erhofft sich eine brancheninterne Kettenreaktion, ein Umdenken ist sein Ziel - umso mehr Getränkemärkte seinem Vorbild folgen würden, desto eher hätte sich das Thema Plastikflaschen in deutschen Getränkemärkten erledigt.

Netzreaktionen: Nutzer feiern Kastner für seinen Mut

Auf Hans-Peter Kastners Ankündigung via Facebook reagierten, wie bereits angedeutet Tausende Nutzer. Die Reaktionen im Netz sind weitestgehend eindeutig: Viele äußern sich zur Thematik und kritisieren Plastikflaschen in Getränkemärkten. Frank Rösch schreibt beispielsweise: "Ich kaufe nur Mehrwegflaschen, ausnahmslos Glasflaschen und ich bin dafür, die Einwegflaschen endlich zu verbieten!". Auch Monika Ostkamp stimmt Kastner zu: "Wir holen nur Mehrwegflaschen. Wir haben kein Auto und müssen einen Berg rauf und wir sind über siebzig Jahre alt. Auch wenn wir nur ein zwei Personenhaushalt sind, wir möchten für unsere Enkel und Urenkel etwas tun, damit sie vernünftig leben können."

Allerdings gibt es auch differenziertere Meinungen dazu: "Ich fühle mich ertappt, obwohl ich das meiste meiner Getränke in Glasflaschen kaufe.. Und unterwegs ist es wirklich sehr schwer irgendwo Getränke aus Glasflaschen zu kaufen.. Tankstellen, Kioske etc." schreibt Volker Brahner. Neben klassischen Mehrwegflaschen aus Glas, sind auch Plastikflaschen für Sodastream-Geräte ein Thema. Christine Köhler erzählt: "Ich habe mir nen sodastreamer gekauft, hab es noch nicht bereut.. Danke an Kastners die das hier mal öffentlich gemacht haben."

Plastikflaschen im Getränkemarkt: Was ist ihre Meinung?

Müllberge sorgten auch zuletzt bei Rock im Park im mittelfränkischen Nürnberg für Stunk und Ärger. Ein 20-jähriger Festival-Besucher fällte dazu ein vernichtendes Urteil: "Ich will nicht wissen, wie viele in Nürnberg bei "Fridays for Future" demonstriert haben und hier ihren Müll rumliegen lassen."

Eine Alternative zu Plastikeinkäufen sind sogenannte "Unverpackt Läden". Bereits seit längerer Zeit gibt es mehrere solcher Geschäfte in Franken.

Pfandbetrüger bei Aldi, Lidl & Co.: Mitarbeiter packen aus

Pfandbetrug hat viele verschiedene Facetten. Während das Sammeln von Pfandflaschen für viele Menschen eine finanzielle Lebensgrundlage ist, überschreiten manche dabei die Linie zur Kriminalität. Manche Tricks sind dreist, wie Supermarkt-Mitarbeiter berichten.