Bamberg
Kommentar

Stresstest für Banken: Mehr Vertrauen, aber keine Sicherheit

Der Stresstest der EZB hat zwar Transparenz geschaffen. Aber Europas Bankenwelt muss weiter an sich arbeiten, meint unser Kommentator.
 
Foto: Arne Dedert,dpa
Foto: Arne Dedert,dpa
Es wirkt ein wenig wie bei einer ärztlichen Untersuchung. Sie ist unangenehm, aber danach ist die Nervosität erst einmal weg. Der Patient fühlt sich erleichtert, weil ihm nichts fehlt. Oder er weiß zumindest, wo er für eine Genesung ansetzen muss. So gesehen hat sich der Banken-Stresstest der Europäischen Zentralbank gelohnt.
Es wurde aber auch höchste Zeit für so einen europäischen Schritt. Die Amerikaner sind uns da fünf Jahre voraus. In den USA sind solche gründlichen Stresstests seit 2009 Normalität. Wie eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt haben sie regelmäßig Schwachstellen der US-Banken aufgedeckt. Europa hat jetzt nachgezogen und viel Vertrauen im Markt erzeugt. Doch das darf erst der Anfang sein. Es gilt jetzt dranzubleiben, um dauerhaft Investoren vom europäischen Markt zu überzeugen.

Schwierig, das rechte Maß zu finden

Denn eines kann dieser Stresstest (noch) nicht bieten: die Sicherheit, dass alle Probleme im Bankensektor entdeckt wurden. Und auch die bekannten Schwierigkeiten im europäischen Wirtschaftsraum werden durch den Test nicht gelöst. Um sicher dazustehen und für künftige Tests gewappnet zu sein, bleiben die Banken wohl auch in Zukunft zurückhaltend bei der Vergabe von Krediten. Hier das rechte Maß zu finden, wird der EZB wohl auch künftig schwerfallen.

Und noch etwas anderes kann diese Art von Banken-Untersuchung nicht leisten: Sie zeigt eine Momentaufnahme, aber gibt kaum einen Überblick darüber, wie nachhaltig die Institute wirtschaften.

Interessenkonflikt

Wie zukunftssicher das europäische Bankensystem im Herbst 2014 ist, kann niemand beantworten. Angesichts der Konjunkturlage bleiben vor allem die hoch verschuldeten Staaten im Süden wie Italien ein Risikofaktor. Die Liste der dort durchgefallenen Banken überrascht nicht. Ebenso wenig darf es überraschen, wenn die EZB ihre Geldpolitik nun mit ihrer Rolle als Bankenaufseherin vermischt. Von den Zinsen im Euroraum hängen nun mal die Geschäfte der Banken ab. Solange Inflation keine Rolle spielt und alle Beteiligten sich wie im Moment einig sind, die europäische Wirtschaft anzukurbeln, fällt dieser Interessenkonflikt zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht kaum auf.

Aber wie verhält sich die EZB, wenn eine Zinserhöhung angemessen wäre?