Zwar konnte Kaeser den Aktionären auf der Hauptversammlung am Dienstag in München einen Gewinnschub zum Start ins Geschäftsjahr präsentieren, doch überdeckten Währungseffekte die Erfolge bei Sparbemühungen und Problem-Projekten. Deshalb bleibt es vorerst bei der strengen Kostendisziplin.

Auch das Branchenumfeld habe sich noch nicht zählbar verbessert, sagte Kaeser. Das gelte vor allem für Geschäfte mit kurzen Zyklen wie etwa die Industrieautomatisierung. Erst gegen Jahresende rechnet der Konzernchef mit spürbaren Impulsen. Bei den Aktionären sorgten insbesondere der chaotische Führungswechsel im vergangenen Jahr und eine fehlende Nachfolgeregelung für Aufsichtsratschef Gerhard Cromme für Kritik.

Nach einer Pannenserie und zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge hatte der frühere Siemens-Chef Peter Löscher seinen Posten an Kaeser abgeben müssen. Der ganze Prozess habe «schlecht vorbereitet und durchgeführt» gewirkt, sagte Christoph Hirt vom Pensionsfonds Hermes: «Das hat der Reputation unseres Unternehmens geschadet.»

Von Cromme forderten die Anleger eine zügige Nachfolgeplanung, die dieser auch zusicherte. Spekulationen über die Zusammensetzung des Aufsichtsrates seien kontraproduktiv und könnten großen Schaden für Siemens verursachen, sagte Fondsmanager Henning Gebhardt von der Deutschen Asset & Wealth Management. Siemens brauche einen stabilen Aufsichtsrat mit starker Führung. Gebhardt verlangte auch baldige Klarheit über die künftige Marschroute des Konzerns. Kaeser will seine konkreten Pläne aber erst im Mai vorstellen.

Für das vergangene Geschäftsjahr wurde Cromme mit einer Zustimmung von 95,22 Prozent entlastet und erhielt damit das schlechteste Ergebnis aller Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder. Der aus dem Kontrollgremium ausgeschiedene frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schnitt mit 95,24 Prozent Zustimmung nur knapp besser ab.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftjahres 2013/14 (30.9.) profitierte Siemens von seinem Sparkurs, aber auch von Immobilienverkäufen und deutlich niedrigeren Belastungen durch Projekt-Pannen. Der Gewinn nach Steuern kletterte um 20 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Dagegen drückte der starke Euro auf den Umsatz, der um 3 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro nachgab.

Den Auftragseingang steigerte Siemens um 9 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Der Konzern hatte in den ersten drei Monaten eine Reihe von Großaufträgen an Land gezogen, unter anderem für die U-Bahn im saudi-arabischen Riad sowie im Windkraft- und Kraftwerksgeschäft.

Vor allem die Industrie- und Medizintechniksparte litten unter dem starken Euro. Beide Sektoren mussten Ergebnisrückgänge hinnehmen. Dagegen profitierte Siemens in den Sparten Energie sowie Infrastruktur und Städte vom Wegfall von Projekt-Belastungen.

Besonders die verzögerte Netzanbindung von Nordsee-Windparks und die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn hatte Siemens in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet und auch am Image des Vorzeigeunternehmens gekratzt. Im ersten Quartal fielen nun lediglich noch 67 Millionen Euro durch die Anschluss-Probleme der Windparks an, nachdem sich die Belastungen im Vorjahreszeitraum noch auf fast 320 Millionen Euro summiert hatten. Dennoch stellt sich Kaeser noch «auf Jahre hinaus» auf latente materielle Belastungen durch die Windkraft- und Zugprojekte, aber auch durch die Probleme beim finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto ein.

Mit Blick auf die ersten drei Monate des Geschäftsjahres sprach der Siemens-Chef von einem soliden Quartal. «Wie erwartet hat uns dabei das wirtschaftliche Umfeld nicht geholfen», sagte Kaeser. Daher müssten das Kostenmanagement und eine Steigerung der Produktivität im Fokus bleiben. Siemens hatte im Zuge seines Milliarden-Sparprogramms den Abbau tausender Arbeitsplätzen angekündigt. Trotzdem sieht Kaeser Fortschritte bei seinem Ziel, wieder Ruhe in das Unternehmen zu bringen, doch dies sei erst der Anfang. «Es ist noch viel zu tun», sagte der Siemens-Chef.

An der Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr hielt Siemens fest. Das Unternehmen will sein Ergebnis je Aktie von zuletzt 5,08 Euro um mindestens 15 Prozent steigern.

Der Elektroriese plant zudem einen Rückzug von der Börse in den USA. Den Schritt begründete Siemens mit einem niedrigen Handelsvolumen von Siemens-Aktien in den Vereinigten Staaten. Mit den Äußerungen des Informanten Edward Snowden habe der Rückzug nichts zu tun, sagte Kaeser und witzelte: «So schnell ist nicht mal Siemens.» Vielleicht sei der deutsche Konzern der einzige, der Snowden eingefallen sei. In einem Interview mit dem NDR hatte Snowden den USA Industriespionage vorgeworfen und als konkretes Beispiel Siemens genannt.

Andere große deutsche Unternehmen wie die Allianz, Daimler oder BASF hatten der Wall Street in den vergangenen Jahren ebenfalls den Rücken gekehrt.