Konzernchef Erich Sixt warnt davor, die Lage angesichts der vielen Rekordmeldungen aus Unternehmen zu unterschätzen.

«Wir lassen uns ein bisschen in die Irre führen durch die gute Entwicklung in Deutschland», sagte der Firmenpatriarch am Donnerstag in München. In anderen Ländern sei die Situation unerfreulich. «Wir befürchten, dass die Eurolandkrise durchschlagen wird auf die Nachfrage.» Dennoch dürfte das Jahr insgesamt gut laufen, auch wenn der Gewinn von 2011 wohl nicht mehr erreicht werden wird. Allerdings hätten die vergangenen Monate gezeigt, wie lange Prognosen hielten.

Im vergangenen Jahr hatte der für seine oft provokante Werbung bekannte Konzern unter dem Strich 97,5 Millionen Euro verdient, so viel wie nie zuvor. Der Zuwachs lag damit bei satten 37,8 Prozent. Der Umsatz stieg im Gegensatz zum Gewinn 2011 nur leicht um 1,7 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro. In den ersten beiden Monaten 2012 sei Sixt gewachsen, allerdings weniger dynamisch als noch 2011.

Sixt verzichtet seit längerem auf wenig gewinnträchtige Geschäfte und damit auf Umsatz. Daneben profitierte Sixt von der Konjunktur, mehr Geschäftsreisenden, stabilen Vermietpreisen und guten Geschäften auch im Ausland. Bis 2015 will Sixt in Europa an den Branchenriesen Europcar, Avis und Hertz vorbei und Nummer 1 werden. Derzeit sieht sich Sixt mit einem Marktanteil von 9 bis 10 Prozent auf Rang vier.

Mit Zukäufen will Sixt weiter extrem vorsichtig verfahren. Den Rivalen Europcar haben man nicht im Visier. «Wir sind an Europcar - wenn es uns nicht geschenkt wird - nicht interessiert», sagte Sixt. Dafür wollen sich die Bayern künftig unabhängiger vom deutschen und europäischen Markt machen. 2011 startete Sixt etwa auf dem riesigen und hart umkämpften US-Markt. Zunächst war Sixt in Florida ins Rennen gegangen und will bis 2014 auch vor allem dort das Geschäft ausbauen.

Der Autovermietmarkt in dem bei Touristen beliebten Bundesstaat ist mit einem geschätzten Volumen von mehr als 3 Milliarde US-Dollar riesig. Sixt macht knapp 27 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Hoffnung setzt das Unternehmen auf Angebote wie das Car-Sharing-Projekt mit BMW DriveNow, das es inzwischen in München, Berlin und Düsseldorf gibt.

Sixt feiert in diesem Jahr den 100. Firmengeburtstag. Der Großvater von Erich Sixt hatte mit fünf Mercedes 1912 die wohl erste Autovermietung der Welt gegründet, Erich Sixt trat 1969 in den Konzern ein. Zum Jubiläum können sich die Aktionäre - allen voran natürlich auch Mehrheitsaktionär Erich Sixt - über eine steigende Dividende freuen. Das Unternehmen will die Dividende je Stammaktie von 50 auf 60 Cent erhöhen und dazu einen Bonus von 15 Cent ausschütten. Sixt dürfte damit rund 14 Millionen Euro kassieren.