Duisburg
Parken

Sinnvoll oder reine Abzocke? Supermärkte messen Parkzeit mit Sensoren: Wer zu lange steht, muss zahlen

Supermärkte gehen gegen Falschparker vor. Auf vielen Parkplätzen dürfen Autos nur noch für eine bestimmte Dauer stehen. Zur Zeiterfassung setzen Discounter wie Lidl nun Sensoren ein, die parkende Autos elektronisch erfassen. Dies stößt bei den Kunden auf Kritik.
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Mit Elektronik gegen Parksünder: Immer mehr Supermärkte begrenzen die Parkzeit auf ihren Kundenparkplätzen. Mithilfe von Sensoren überwachen Discounter wie Lidl und Netto seit kurzem sekundengenau, ob Autofahrer das vorgegebene Zeitlimit überschreiten.

Dauerparker sorgen für Ärger - nicht nur bei Supermarktbetreibern

Das Problem kennen viele: Gerade zum Feierabend hin gestaltet sich die Parkplatzsuche vor Supermärkten bisweilen schwierig. Oft gibt es nur wenige Parkplätze. Wenn diese dann auch noch dauerhaft belegt sind, ist das ein echtes Ärgernis - nicht zuletzt für den Supermarktbetreiber.

Um gegen Dauerparker vorzugehen, gestatten viele Märkte ihren Kunden, ihre Parkplätze nur noch für eine bestimmte Dauer - in der Regel ein bis zwei Stunden - zu benutzen. Überschreiten Autofahrer die erlaubte Frist, droht ihnen ein Strafzettel. Zur Überprüfung der Ankunftszeit dient gewöhnlich die von den Kunden hinterlegte traditionelle Parkscheibe.

Bis zu 30 Euro Strafgebühr für Zeitüberschreitung

Präziser ermitteln lässt sich die Parkdauer durch den Einsatz digitaler Technik: Immer mehr Supermärkte greifen im Kampf gegen Falschparker auf Elektronik zurück. In der jeweiligen Parkbucht misst ein Sensor im Boden, wie lange ein Fahrzeug dort steht. Eine Parkscheibe müssen die Kunden nicht mehr auslegen.

Der Discounter Lidl hat jetzt an ausgewählten Standorten ein System eingeführt, mit dem Kunden maximal 60 Minuten parken dürfen. Dies berichtet die Rheinische Post am 6. September 2019 auf ihrer Webseite. Lidl arbeitet mit dem Düsseldorfer Unternehmen Safe Place zusammen, das die Parkplätze mit der neuen Technik ausgerüstet hat. Wird die gestattete Parkzeit überschritten, wird Safe Place umgehend per App benachrichtigt. Daraufhin begibt sich ein Mitarbeiter des Unternehmens zum entsprechenden Auto und stellt ein Parkticket aus. Die Gebühren belaufen sich je nach Standort auf bis zu 30 Euro. Eine Strafe ist auch dann fällig, wenn die erlaubte Parkdauer nur um wenige Minuten überschritten worden ist.

Die elektronische Zeiterfassung mittels Sensor findet bereits auf hunderten von Kundenparkplätzen Verwendung. "Unser System kommt deutschlandweit auf mehreren hundert Parkplätzen von verschiedenen Supermärkten zum Einsatz", äußert sich Safe-Place-Geschäftsführer André Westhoff im Beitrag der Rheinischen Post. Er versichert, dass keine personenbezogenen Daten ermittelt werden.

Zeiterfassung auf Supermarkt-Parkplätzen: Kundenservice oder Abzocke?

Dennoch sorgt das neue System für große Aufregung bei den Kunden. So soll es laut einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in einer Duisburger Lidl-Filiale bereits zu zahlreichen Beschwerden gekommen sein. Häufig werden die fälligen Geldbeträge im Falle einer Parkzeitüberschreitung auf Kundenseite als reine Geldmacherei eingestuft.

Der Safe-Place-Chef hat inzwischen auf derartige Vorwürfe reagiert und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (9. September 2019) gegenüber erklärt, welche Vorteile das neue System mit sich bringt. "Das ist ein Service für die Kunden und hat nichts mit Abzocke zu tun", betont Westhoff. "Unser System soll dafür sorgen, dass es für die Kunden einfach stressfreier wird, ihren Einkauf zu erledigen und diese nicht auch noch an die Parkscheibe denken müssen."

Betreiber: "Kein Nummernschild oder Fahrzeug wird automatisch erfasst"

Der Betreiber sieht in dem Sensoren-System deutlich mehr Potenzial als nur die reine Parkzeitenregelung. "Es geht nicht darum, die Parkzeiten zu kontrollieren, sondern die knappen Ressourcen an Parkplätzen besser zu nutzen", betont Westhoff. "Dabei wird kein Nummernschild oder Fahrzeug automatisch erfasst. Das macht der Mitarbeiter vor Ort." Der eingebaute Sensor registriert allein die Zeit, die das Fahrzeug dort parkt.

"Und auch da sind wir sehr kundenfreundlich", fährt der Geschäftsführer fort. "Die durchschnittliche Parkzeit beträgt 19 Minuten, da haben wir mit 60 Minuten einen ordentlichen Puffer." Außerdem gebe es die Möglichkeit, den Kassenbon zu fotografieren und per E-Mail an Safe Place zu schicken. Dies diene als Nachweis dafür, dass der Einkauf länger als eine Stunde gedauert hat.

Auch im oberfränkischen Forchheim überwachen elektronische Systeme das Park-Ende auf privaten Parkplätzen. Ob die Daten der Autofahrer gesammelt werden, hängt davon ab, welche Technik die Betreiber einsetzen.

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