Sie sind in der von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz angekündigten Zahl von fast 12 000 Beschäftigten enthalten, die ihre Arbeitsplätze verlieren. Unterdessen machten Beschäftigte und Gewerkschaft Verdi Druck für eine staatlich unterstützte Transfergesellschaft für die Mitarbeiter.

Geiwitz erklärte, bis Ende der Woche oder Anfang kommender Woche eine Lösung zum Sozialplan beziehungsweise für eine Transfergesellschaft finden zu wollen. Davon hängt auch ab, ob seine Pläne zur Rettung der Drogeriekette gelingen.

Verdi demonstrierte am Donnerstag mit Aktionen in ganz Deutschland für Solidarität mit den Schlecker-Beschäftigten. In Berlin zogen etwa 400 Beschäftigte vor das Rote Rathaus. Auch in Schweinfurt, Stuttgart und Rüsselsheim protestierten jeweils mehrere hundert «Schleckerfrauen». In Nürnberg zogen 250 von ihnen vor die CSU-Geschäftsstelle, um eine Resolution zu übergeben, in der sie die Bundesregierung und auch den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) aufforderten, sich für eine Unterstützung einer Transfergesellschaft durch den Bund einzusetzen.

In Berlin machte auch Verdi-Chef Frank Bsirske Druck. Die Bundesregierung müsse die staatliche Förderbank KfW anweisen, den nötigen Kredit von 70 bis 75 Millionen Euro zu geben - auch wenn die Förderkriterien nicht erfüllt würden. Die KfW habe auch dem Luftfahrtkonzern EADS geholfen. «Eine solche Anweisung erwarten wir auch von der Bundesregierung.»

Bund und Länder müssten dann für den Kredit für die Gesellschaft bürgen, die 12 000 Beschäftigten auf neue Stellen vermitteln soll, deren Arbeitsplätze bedroht sind. «Die Transfergesellschaft ist ein richtig guter Schritt», sagte Bsirske. «Die Alternative wäre der Sturz in die Arbeitslosigkeit.» Verdi werde wo nötig den Bund und die Länder auch beim Investorenprozess in die Pflicht nehmen.

«Wir lassen uns nicht verramschen», hieß es auf Hemden der Demonstranten am Roten Rathaus, die meisten von ihnen Frauen. «Schleckerfrauen kämpfen um ihre Zukunft», stand auf Transparenten. Zur Kundgebung kamen auch Politiker der Linkspartei, darunter die Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch.

Die Kette will ihre Waren künftig mit rund 560 Mitarbeitern aus Ehingen (Baden-Württemberg), Pohlheim (Hessen), Falkenhagen (Brandenburg), Melle (Niedersachsen) und Schleiz (Thüringen) verteilen. Der Umbau soll zum 1. August abgeschlossen sein. Die Lager in Schwarmstedt (Niedersachsen), Luckau (Brandenburg), Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen), Herda (Thüringen), Kürnach (Bayern), Alzey (Rheinland-Pfalz), Empfingen (Baden-Württemberg) und Nittendorf (Bayern) fallen weg.

In den Schlecker-Filialen, die auf einer Streichliste stehen, gab es derweil nach Schlecker-Angaben viel Interesse für den Räumungsverkauf. Alle Produkte außer preisgebundener Ware wie Zigaretten oder Zeitschriften seien um 30 Prozent reduziert.

Die Ulmer Bundestagsabgeordnete und Sprecherin der SPD-Linken, Hilde Mattheis, machte sich in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für einen KfW-Kredit stark, den der Bund bislang strikt ablehnt. Gegen solche Staatshilfe sprach sich der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, aus. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa in Ulm: «Wenn Schlecker geholfen wird, müsste auch den vielen notleidenden Mittelständlern geholfen werden.»