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Berlin

Scheuer für mehr Bahn-Direktverbindungen zwischen EU-Städten

Mehr Direktverbindungen zwischen EU-Metropolen: Verkehrsminister Scheuer will den «Trans-Europ-Express» wieder aufleben lassen. Das finden viele gut. Doch die Umsetzung wird kompliziert.
 
EU-Schienengipfel
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) präsentierte ein Konzept, um den TEE wieder aufleben zu lassen. Foto: Christophe Gateau/dpa

Die meisten Ideen für mehr Bahnverkehr in Europa, die Industrie und Politik derzeit vortragen, sind alt. Dazu gehört etwa der Ausbau der Gleis-Infrastruktur oder das automatische Kuppeln von Güterzügen.

Dazu zählt auch die Vorstellung von mehr Direktverbindungen zwischen europäischen Großstädten. 30 Jahre lang verband der «Trans-Europ-Express» (TEE) westeuropäische Metropolen miteinander, bevor er 1987 eingestellt wurde. Angetrieben von mächtigen Dieselloks sollte er schon damals eine komfortable Alternative zum Luftverkehr bieten.

Am Montag präsentierte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein Konzept, um den TEE wieder aufleben zu lassen: Mit einer Kombination aus Hochgeschwindigkeits- und Nachtzügen will der Minister zunächst solche transeuropäische Strecken anbieten, für die keine größeren Infrastrukturmaßnahmen notwendig sind. Dazu gehören etwa durchgehende Verbindungen zwischen Amsterdam und Rom, Paris und Warschau oder Berlin und Barcelona. Mit Fahrzeiten von rund 13 Stunden sollen diese Städte untereinander erreichbar sein.

In einer zweiten Phase soll dann auch der süddeutsche Raum stärker mit Zielen in Ost- und Südeuropa sowie Skandinavien angebunden werden. Diese Trassen sollen dann möglich werden, wenn große Infrastrukturprojekte wie Stuttgart 21, die Fehmarnbeltquerung oder der Brenner Basistunnel fertig gestellt sind.

Für den Betrieb des «TEE 2.0», wie Scheuer das Projekt taufte, schwebt dem Minister ein neues Unternehmen vor, das von den nationalen Eisenbahnunternehmen (EVU) getragen werden soll. «Diese Gesellschaft wird als eigenständiges EVU zugelassen, kauft für die Produktion jedoch Dienstleistungen bei den Muttergesellschaften ein», heißt es in Scheuers Entwurf.

«Unser Konzept wird die Grundlage sein, auf der die Unternehmen mit Hochgeschwindigkeitszügen und Nachtzügen attraktive Verbindungen fahren können», sagte Scheuer am Montag. «Ein solches TEE-Netz für Hochgeschwindigkeits- und Nachtzugangebote kann bis 2025 stehen, wir müssen den Einstieg jetzt schaffen.» Der Minister wiederholte zudem die Forderung nach EU-Förderprogrammen, um Investitionen und Anschaffungen für die Bahnunternehmen attraktiver zu machen.

Schon Mitte Juni hatte der Minister neue Angebote für direkte Bahnverbindungen zwischen europäischen Großstädten ins Gespräch gebracht und angekündigt, während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft einen Vorschlag zu machen, wie der TEE über Grenzen hinweg organisiert werden könnte.

Eine Wiederbelebung des TEE stößt vielerorts auf Zustimmung. «Erstmals ist es eine Notwendigkeit in Richtung Klimawandel», sagte am Montag etwa Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender beim Fahrgastverband Pro Bahn. «Und es wäre zweifelsfrei auch eine Ergänzung zum Deutschlandtakt.» So will es auch Scheuer verstanden wissen. Mit dem Deutschlandtakt sollen Züge zwischen den großen Städten in Deutschland im Halbstunden-Rhythmus fahren. Es geht aber auch um bessere Anschlüsse zwischen Fern- und Regionalverkehr.

Mit einem potenziellen TEE-Netz will Scheuer den Takt auf Europa übertragen: «Der TEE 2.0 verknüpft die jeweils landesweit optimierten Systeme bestmöglich zu einem europäischen Angebot», heißt es im Konzept.

Der Ökologische Verkehrsclub Deutschland hofft, dass der neue TEE das Projekt wird, «das wieder deutlich macht, wofür es eine Europäische Union braucht: Um Grenzen zu überwinden und Menschen zusammenzubringen.» Jedoch brauche es dafür mehr als nur Lippenbekenntnisse. «Die EU selbst muss sich dem Projekt jetzt annehmen.» Scheuer schaltete sich im Anschluss an sein Statement mit seinen EU-Amtskollegen zusammen, um dort über die Pläne zu sprechen.

Die Herausforderungen sind enorm - allein technisch. EU-weit gibt es unterschiedliche Strom- und Zugsicherungssysteme. Hinzu kommen verschiedene Vertriebs- und Tarifgestaltungen der nationalen Bahnunternehmen. Auch die Themen Nachtzüge und Reservierungspflicht dürfte die Gemüter spalten. Während etwa die Österreichische Bundesbahn ihr Nachtzugangebot in den vergangenen Jahren kräftig hochgefahren hat, verweist die Deutsche Bahn stets auf die nach wie vor geringe Nachfrage und gibt sich zurückhaltend.

Allerdings hatte Bahnchef Richard Lutz sich zuletzt ebenfalls für mehr europäische Expressverbindungen ausgesprochen: «Denken wir an leistungsfähige, voll auf den Kunden ausgerichtete Expressverbindungen ? sozusagen eine europäische Metropolen-S-Bahn von Stockholm bis Rom», schrieb er auf dem Jobportal LinkedIn. «Denken wir an grenzüberschreitende Regionalbahnnetze für den kleinen Grenzverkehr. Und denken wir an mehr Initiativen für länderübergreifendes Marketing.»

Scheuer strebt noch in diesem Jahr eine gemeinsame Absichtserklärung der EU-Staaten für den Personenverkehr an. Für den Güterverkehr präsentierte er diese bereits am Montag: In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die EU-Verkehrsminister zu mehr Engagement für besseren und schnelleren, grenzüberschreitenden Güterverkehr auf der Schiene.

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