Düsseldorf
Corona-Krise

Riesige Pleitewelle droht im Herbst: Aus für 50.000 Geschäfte?

Vielen Innenstädten droht die Verödung: Der Anfang macht die Schließung von 50 Galeria-Karstadt-Kaufhof-Warenhäusern, weitere Geschäftsschließungen könnten folgen. Denn die Corona-Krise hat auch im Einzelhandel Spuren hinterlassen.
 

Die Innenstädte sind nicht ganz so voll wie sonst, es wird nur das nötigste erledigt: Die Corona-Krise und die Maskenpflicht senken bei vielen die Shopping-Laune. Die Einnahmen, die den Geschäften im März und April entgingen, können sie auch jetzt nicht wirklich nachholen. 

Online-Händler waren auch vor Corona schon eine große Konkurrenz für Einzelhändler, jetzt werden die Vorteile solcher Plattformen noch öfter benutzt. Droht vielen Innenstädten in Deutschland eine Pleitewelle?

Mix aus Corona-Virus und Online-Handel belastet Einzelhändler

Bereits 50 Galeria-Karstadt-Kaufhof-Warenhäuser planen Schließungen. So könnte es auch anderen Geschäften gehen, die sich vom Lockdown und Corona-Auflagen nicht erholen. Somit könnten in einigen deutschen Innenstädten schon bald viele leere Einkaufsstraßen entstehen, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland mitteilt.

"Die Innenstädte haben es mit einem dreifachen Tsunami zu tun: dem Strukturwandel im Einzelhandel, der Digitalisierung und der Corona-Pandemie. Zusammen ist das für den Handel eine Herausforderung, wie er sie vielleicht noch nie erlebt hat", betont der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Boris Hedde.

Auch ein Immobilienexperte des Kölner Handelsforschungsinstituts appelliert an Handel, Kommunen und Vermieter, dem bereits jahrelang existierenden Schwund des stationären Handelns gemeinsam entgegenzuwirken.

Karstadt Galeria Kaufhof Schließung: Folgt eine Pleitewelle?

Gerade große Warenhäuser ziehen Kunden an und bereichern so auch die Geschäfte in der Nähe. Deshalb lösen die Schließungspläne von Karstadt Galeria Kaufhof große Sorgen aus. Andere Einzelhändler könnten ebenfalls darunter leiden, außerdem ist es oft schwierig, für solch große Gebäude, die über die Zeit häufig etwas in die Jahre gekommen sind, eine neue Verwendung zu finden. Erst nachdem solche Verkaufshäuser lange leer gestanden waren, entstehen darin Hotels, Wohnungen oder Seniorenheime.

Auch die durch Online-Handel und Fast-Fashion vorgeschädigte Modebranche leidet unter der Pandemie. Esprit plant im Rahmen seiner Sanierungsbemühungen die Schließung von ebenfalls rund 50 Geschäften. Bekleidungsgeschäfte dürften also in den nächsten Jahren in den Innenstädten weniger verbreitet sein. "Handwerk, Dienstleistungen, Möbel- oder Baumärkte und Lebensmitteldiscounter werden wieder in die Innenstädte zurückkehren", prognostiziert Handelsexperte Hedde.

Veränderte Innenstädte: Hat der Wandel auch etwas Gutes?

Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), will "wieder mehr Wohnen und Arbeiten" in der Innenstadt ermöglichen, um so Geschäfte vor einem Aus zu bewahren. Für viele Städte könnte die Corona-Pandemie aber auch der Auslöser sein, das Stadtbild zu ändern und für Einwohner und Besucher attraktiver zu gestalten. Denn schon davor bewerteten 59.000 Innenstadtbesucher Städten im Durchschnitt mit einer "Drei plus".

Hedde betont auch die Chance für Einkaufsstraßen abseits der Stadtmitte, attraktiv für Kunden zu werden: "Die Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten, beim Einkaufen lange Wege in Kauf zu nehmen, sinkt. Die Bequemlichkeit und der Wunsch nach einem wohnortnahen Einkauf nimmt zu. Wenn durch die Corona-Krise das Homeoffice auf Dauer an Bedeutung gewinnt, kann das auch Standorten abseits der Stadtzentren, die keine Perspektive mehr zu haben schienen, wieder neues Leben einhauchen."

Hier schließen Karstadt Galeria Kaufhof Filialen in Franken.