Der Vorstand «bereitet nun pflichtgemäß die Antragsstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Pfleiderer AG» vor, teilte das Unternehmen mit. Das operative Geschäft der Töchter mit ihren weltweit 4000 Mitarbeitern sei davon jedoch nicht unmittelbar betroffen.

Pfleiderer, einer der weltweit größten Herstellern von Span- und Faserplatten für Möbel und Laminatfußböden, hatte sich im US-Geschäft verhoben und eine Milliarde Euro Schulden angehäuft. Gegen das von der Gläubigerversammlung im Juni 2011 beschlossene Rettungskonzept hatten einige Anleihe-Gläubiger geklagt und jetzt auch in zweiter Instanz Recht bekommen. Der Sanierungsplan, der den Verzicht der Gläubiger und frisches Eigenkapital der Investoren vorsah, könne damit nicht mehr umgesetzt werden, erklärte das Unternehmen am Dienstag.

Pfleiderer-Vorstand Hans-Joachim Ziems hatte kürzlich erklärt, bei einer Insolvenz der Dachholding würden Arbeitsplätze «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» nicht verloren gehen. Die AG beschäftige nur 10 Mitarbeiter. Das eigentliche Geschäft liege inzwischen bei den Tochterfirmen - und die seien weder überschuldet noch zahlungsunfähig. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, die AG werde Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen und wolle die Sanierung in einem Planverfahren zu Ende bringen.

Einen Vergleich mit den Klägern hatte das Unternehmen auf Druck der Banken kürzlich widerrufen. Mit der Insolvenz gehen jetzt die Anleihe-Gläubiger leer aus, die vor Gericht gesiegt hatten. Kläger-Anwalt Peter Dreier sagte am Dienstag: «Pfleiderer ist das Opfer eigensüchtiger Banken und Berater geworden, die - ohne Rücksicht auf Verluste - ausschließlich an ihr eigenes Gewinnstreben denken.»

Bis Ende Juni will Pfleiderer die Nordamerika-Geschäfte und die Fußboden-Tochter Pergo Europa verkaufen. Übrig bleiben unter dem Dach der Holding die Pfleiderer Holzwerkstoffe GmbH für das deutsche Geschäft und die 65-Prozent-Beteiligung an der Pfleiderer Grajewo in Polen. Dort liefen die Geschäfte inzwischen auch wieder, sagte Ziems: Der Umsatz dieser fortgeführten Aktivitäten wuchs 2011 auf 1,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich machte Pfleiderer aber weitere 151 Millionen Euro Verlust.