Paris/Tokio

Nissan will nach Ghosn-Affäre an Allianz festhalten

Seit Wochen sitzt Carlos Ghosn in japanischer Untersuchungshaft - nun meldet sich Nissan-Direktor Saikawa zu Wort. Er setzt weiter auf die Allianz mit den Franzosen, macht dem ehemaligen Top-Manager allerdings schwere Vorwürfe.
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Carlos Ghosn
Carlos Ghosn, ehemaliger Verwaltungsratschef von Nissan, sitzt in Japan in Untersuchungshaft. Foto: Kin Cheung/AP

Nissan will nach dem Sturz von Top-Manager Carlos Ghosn an der Auto-Allianz mit Renault und Mitsubishi festhalten. «Bei Nissan, Renault oder Mitsubishi gibt es niemanden, der ohne diese Allianz auskommen will», sagte der geschäftsführende Direktor Hiroto Saikawa der «Les Echos».

Das Bündnis sei «entscheidend». Er werde nie etwas tun, was diese Struktur schädigen oder schwächen würde. Dass es sich beim Fall Ghosn um einen Komplott handeln könnte, wies Saikawa zurück.

Ghosn ist Architekt der internationalen Kooperation aus Renault, Nissan und Mitsubishi. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme hatten ihn Nissan und Mitsubishi Motors vom Posten des Verwaltungsratschefs abgesetzt. Es gab Spekulationen, die Japaner hofften, den Einfluss des vom Staat gestützten französischen Partners auf das eigene Management zu reduzieren und die Allianz ausgewogener zu gestalten.

Dem schillernden Manager wird in Japan unter anderem der Verstoß gegen Börsenauflagen vorgeworfen. Ghosn beteuerte seine Unschuld. Seit dem 19. November sitzt er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, jahrelang Einkommen viel zu niedrig angegeben zu haben. Ihm wird zudem vorgeworfen, Verluste aus Devisen-Absicherungsgeschäften während der globalen Finanzkrise 2008/2009 auf Nissan übertragen zu haben.

Eine interne Untersuchung bei Nissan habe eine Reihe weiterer Elemente zu Tage gebracht, die zu weiteren Anklagen führen könnten oder auch nicht, sagte Saikawa weiter. Es liege nun an der Staatsanwaltschaft, darüber zu entscheiden. Er selbst habe im Herbst von den Vorwürfen erfahren. «Die interne Untersuchung deutet darauf hin, dass es sich um vorsätzliche Manipulationen und Verschleierungen handelt», sagte Saikawa weiter.

Es hatten auch Gerüchte kursiert, dass der Sturz Ghosns ein Komplott im Machtkampf der Auto-Giganten sein könnte. «Es ist absurd, und ich kann nicht verstehen, wie man das in einem solchen Szenario eine Sekunde lang glauben kann», meinte Saikawa. Die Justiz sei im vergangenen Sommer durch ein neues Whistleblower-Verfahren alarmiert worden und habe dann auch ältere Fakten untersucht.

«Ich arbeite seit vielen Jahren mit Carlos Ghosn zusammen, wir haben zusammen schwierige Zeiten durchgemacht, und ich habe viel von ihm gelernt.» Ghosn sei hoch angesehen gewesen - das entschuldige aber den Mangel an Überwachung nicht, so Saikawa. Angesichts der offenbarten Fakten sei es für den Nissan-Verwaltungsrat unmöglich gewesen, Ghosn zu halten. Es gelte trotzdem die Unschuldsvermutung.

Nissans französischer Allianz-Partner Renault hat unterdessen bei Ghosns Bezahlung nach eigenen Angaben keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug festgestellt. Dies betreffe die Jahre 2017 und 2018. Die Jahre davor würden nun auch überprüft, hieß es in der vergangenen Woche.

Japans Staatsanwaltschaft hatte jüngst eine neue Anklage gegen Ghosn erhoben. Sie wirft dem 64-Jährigen nun auch schweren Vertrauensbruch und Verstoß gegen Unternehmensgesetze vor.

Ghosns Ehefrau wandte sich Berichten zufolge mit einem Schreiben an die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und beklagte die Haftbedingungen ihres Mannes. Darin heißt es, dass Ghosn in einer ständig beleuchteten Zelle untergebracht sei und keinen Zugang zu täglicher medizinischer Behandlung habe, wie mehrere französische Medien berichten, denen der Brief vorliegt. Carole Ghosn behauptet außerdem, dass die Ermittler Druck auf ihren Mann ausüben würden.