Die Aktien schossen unmittelbar nach der Eröffnung schon um 20 Prozent in die Höhe, so dass der Handel nach den Regeln gegen Spekulationen vorübergehend ausgesetzt werden musste, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Später wurde der Handel wieder aufgenommen.

Das starke Debüt von Neway Valve, das 1,5 Milliarden Yuan (182 Millionen Euro) in die Kasse spülen sollte, folgte 15 Monate nachdem die chinesischen Aufsichtsorgane neue Börsengänge vorübergehend ausgesetzt hatten, um das Vertrauen in die schwachen Aktienmärkte wiederherzustellen. Die Wertpapieraufsicht (CSRC) legte Anfang Januar schärfere Vorschriften für künftige Neuemissionen vor, um Betrug und Missbrauch einzudämmen.

Der erfolgreiche Auftritt von Neway Valve wurde als gutes Vorzeichen für folgende Börsengänge gewertet. «Die Marktreaktion zeigt, dass Investoren neues Blut im Aktienmarkt haben wollen», sagte Qin Xiaobin vom Wertpapierhaus China Galaxy Securities laut Xinhua. Rund 50 Unternehmen planen bis Ende Januar den Gang auf das Parkett in Shanghai und Shenzhen. Doch fürchten Analysten auch, dass die Neuemissionen die Liquidität überstrapazieren könnten. In den vergangenen vier Jahren hatten die Aktienmärkte schon um 38 Prozent nachgegeben. Der Index in Shanghai verlor 2013 rund 7,5 Prozent.

Am Freitag fielen die Indizes in der Hafenmetropole und in Shenzhen auch um 0,93 beziehungsweise 1,6 Prozent. Die Vorsicht rührt auch daher, dass am Montag die Zahlen für das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft bekanntgegeben werden. Chinas Wirtschaft dürfte 2013 nach offiziellen Vorhersagen nur um 7,6 Prozent zugelegt haben. Das wäre noch schwächer als die 7,7 Prozent im vergangenen Jahr - der schon schwächste Wert seit 1999.

Nach Schätzungen wollen chinesische Unternehmen in diesem Jahr rund 200 Milliarden Yuan, umgerechnet 24 Milliarden Euro, über neue Börsengänge einspielen. Nach den USA ist China der zweitgrößte Markt für Neuemissionen. Seit November hatten 700 Unternehmen einen Börsengang beantragt, doch schoben viele angesichts der neuen Kontrollen ihre Pläne vorerst auf. Trotzdem erwarten chinesische Experten zwischen März und Juni 15 bis 20 neue Börsengänge pro Woche.

Um Manipulationen bei Börsengängen nachzugehen, sind Inspektionsteams zu 44 Finanzinstituten und 13 Unternehmen geschickt worden, wie das Wirtschaftsmagazin «Caixin» berichtete. Rund 200 Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen seien mobilisiert worden, um die Preisgestaltung zu prüfen und die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen. Mit den Untersuchungen wollen die Aufsichtsorgane das Vertrauen in die Märkte stärken.

Der größte Börsengang dieses Jahres dürfte Shaanxi Coal werden. Allerdings halbierte der drittgrößte Kohleförderer Chinas diese Woche seine Pläne für das lange erwartete Debüt auf rund vier Milliarden Yuan, umgerechnet 468 Millionen Euro. Als Grund vermuteten Analysten die schlechte Stimmung am Markt gegenüber dem Kohlesektor. Sorgen über verschärfte Vorschriften wegen der verschlimmerten Luftverschmutzung in China hatten Kohleaktien unter Druck gesetzt.