Bamberg
Banken

Münzgeld wird kostspielige Sache

Wer eine größere Menge an Münzen einzahlen möchte, könnte bei manchen Geldinstituten inzwischen auf Gebühren stoßen. Schuld daran sind neue Prüfpflichten der EU. Die Banken der Region verlangen in der Regel von Privatkunden nichts.
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Alle Münzen, die eine Bank vom Kunden erhält, müssen seit Jahresbeginn auf ihre Echtheit geprüft werden. Foto: Sven Hoppe, dpa
Alle Münzen, die eine Bank vom Kunden erhält, müssen seit Jahresbeginn auf ihre Echtheit geprüft werden. Foto: Sven Hoppe, dpa
Neu ist die Regelung der EU nicht. Seit einigen Jahren steht fest: Banken müssen Euro-Münzen, die sie erhalten haben und wieder in Umlauf geben wollen, auf ihre Echtheit prüfen. Bei Scheinen ist das längst gängige Praxis. Beim Münzgeld gab es bis zum 31. Dezember 2014 eine Übergangsfrist.

Doch seit Jahresbeginn kommen die Banken nicht mehr umhin, auch beim Münzgeld genauer hinzuschauen. "Die mussten dafür Maschinen umrüsten oder neue anschaffen", sagt Johann Rebl, Leiter der Bundesbank-Filiale in Bayreuth. Die Bundesbank ist Anlaufstelle für die Banken, wenn es darum geht, Bargeld zu ordern oder für den Kassenbestand nicht benötigtes Geld - zum Beispiel Münzen - wieder zurückzugeben. Doch so einfach wie früher ist die Versorgung mit Hartgeld heute nicht mehr. Kleine Stückelungen sind nicht möglich. Egal ob 1-Cent-Stück oder 2-Euro-Münze - für jede Münzsorte gibt es laut Rebl einen Norm-Container. Und der wiegt knapp 700 Kilogramm. "Drunter nehmen wir nichts mehr an", sagt der Bundesbank-Filialleiter.

Prüfung machen oft andere

"Das ist ein großes Problem für die gesamte Kreditwirtschaft", sagt Robert Ott, zuständig für die Bargeldlogistik beim Sparkassenverband Bayern. Für die Prüfung der Geldstücke seien spezielle Bearbeitungsmaschinen notwendig. Da kämen für eine Bank schon mal 150.000 bis 200.000 Euro zusammen. Größere Sparkassen besäßen solche Maschinen, andere hätten die Prüfung auf Echtheit der Münzen inzwischen ausgegliedert. Diese Arbeit übernehmen dann sogenannte private Wertdienstleister. Firmen, die zum Beispiel auch Sicherheitstransporte ausführen.

Ein solcher externer Wertdienstleister ist die Firma S.E.M. in Marktrodach (Landkreis Kronach). "Wir haben sicherlich mehr zu tun als vorher", sagt Geschäftsführer Jürgen Stauch. S.E.M. ist ein regionaler Anbieter, tätig im Raum Oberfranken, und beschäftigt inzwischen rund 35 Mitarbeiter. "Da Münzen nur noch mit entsprechend zertifizierten Maschinen in Umlauf gebracht werden dürfen, müssen die Banken entweder aufrüsten oder die Arbeit an externe Dienstleister abgeben", erklärt Stauch. Viele hätten sich für Letzteres entschieden. "Wir haben einige solcher Maschinen im Einsatz", berichtet Stauch. Die gesamte Branche habe Aufträge dazubekommen.
Die Banken hingegen sind von den Vorschriften alles andere als begeistert. "Aufwand und Nutzen der neuen Münzgeldregelung stehen in keinem Verhältnis", sagt Florian Ernst, Pressesprecher des Genossenschaftsverbands Bayern.

Und tatsächlich: Das Schadenspotenzial scheint relativ niedrig zu sein. Lediglich 52.000 falsche Münzen registrierte die Bundesbank im Jahr 2013. Ungefähr 80 Prozent davon betrafen das Geldstück mit dem höchsten Wert, die 2-Euro-Münze. Doch der volkswirtschaftliche Schaden hielt sich mit rund 104.000 Euro in Grenzen. Brüssel löse ein Problem, das gar keines war, heißt es in Bankenkreisen. "Da wird mit Kanonenkugeln auf Spatzen geschossen", sagt Robert Ott vom Sparkassenverband.

Nur für eigene Kunden

Den höheren Aufwand wollen viele Banken nicht alleine tragen. Einige Geldinstitute in Deutschland verlangen inzwischen Gebühren zwischen 50 Cent und 5 Euro je Einzahlung. Wer kein Kunde ist, wird deutlich zur Kasse gebeten oder ganz abgewiesen.

"Wir nehmen nur Münzen unserer eigenen Kunden an", berichtet Karlheinz Kipke, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Coburg. Die Prüfung erfolge in der Coburger Zentrale. Die EU-zertifizierten Maschinen dafür habe die Bank schon länger angeschafft. Gebühren fallen laut Kipke keine an, egal welchen Betrag an Münzen der Einzahler vorbeibringt. Das gelte für Privatkunden und grundsätzlich auch für Firmenkunden der VR-Bank Coburg.

Ganz ähnlich verfährt auch die Flessabank. Für Privatkunden falle keine Gebühr an, berichtet Sascha Bonengel, Mitarbeiter der Flessabank-Zentrale in Schweinfurt. Bei kleinen Mengen müssten auch Firmenkunden nichts zahlen. Fielen ständig größere Hartgeldbeträge an, wie zum Beispiel bei Betrieben mit Spielgeldautomaten, so vereinbare man individuell einen Pauschalbetrag mit dem Kunden. "Nicht-Kunden versuchen wir auf ihre Hausbank zu verweisen", sagt Bonengel.

Wer kein Kunde ist, hat auch bei der Deutschen Bank schlechte Karten, wenn er Münzen einzahlen und in Scheine eintauschen will. Der Service sei auf Kunden beschränkt, berichtet Markus Herold, Filialleiter der Deutschen Bank in Bamberg. Für Privatkunden falle dabei keine Gebühr an. Das gelte im Übrigen einheitlich für alle Filialen der Bank.

Das Hartgeld werde stets von externen Dienstleistern gezählt und geprüft, da die Deutsche Bank keine Münzgeldautomaten unterhalte. Für Geschäftskunden gilt laut Herold: Pro Geldrolle werden bei Ein- und Auszahlungen aktuell 20 Cent fällig, mindestens ein Euro. Dabei sei es egal, ob es sich um eine Rolle mit 2-Euro-Münzen oder um eine mit 1-Cent-Stücken handle.

Bald höhere Gebühren?

Bei der VR-Bank Bamberg zählt man die gebrachten Münzen zwar noch selbst, aber die Prüfung und das Rollen wurden vor kurzem ausgegliedert. Nicht-Kunden zahlen eine Bearbeitungsgebühr von drei Prozent, mindestens jedoch 20 Euro. Für Privat- wie für Firmenkunden fallen im Moment noch keinerlei Gebühren an. Aber "wir denken über eine mögliche neue Preisgestaltung nach", berichtet Prokurist Michael Igel.

Die Sparkasse Bamberg verlangt von ihren Geschäftskunden Gebühren, die sich je nach Kontoart unterschiedlich zusammensetzen. Bei Privatkunden sei die Bareinzahlung in der Regel gebührenfrei, teilte Vorstandsmitglied Stephan Kirchner mit. Allerdings verursache die EU-Verordnung einen deutlich höheren Bearbeitungsaufwand. Ob aufgrund dieser zusätzlichen Kosten Preisanpassungen nötig sind, werde noch geprüft.

Bei der Sparkasse Erlangen hat man dagegen die Konditionen schon länger festgelegt: Firmenkunden zahlen bis 100 Euro nichts, darüber hinaus eine Gebühr von fünf Prozent des eingezahlten Betrags. Bei Privatkunden werde dagegen erst ab 500 Euro eine Gebühr von zwei Prozent fällig, teilte Vertriebsdirektor Werner Rometsch mit. Vereine, gemeinnützige Organisationen oder Kirchen seien aber generell befreit.