Coburg
Konjunktur

Metaller bleiben vorsichtig

Die fränkischen Betriebe der Metall- und Elektroindustrie halten sich mit Investitionen derzeit spürbar zurück. Vielmehr planen viele Unternehmen, Stellen abzubauen. Die anstehende Tarifrunde wird kompliziert.
 
Erst mal Jobs sichern: Die IG Metall setzt zum Auftakt der Metall-Tarifrunde ein ungewöhnliches Signal. Monika Skolimkowska, dpa
Erst mal Jobs sichern: Die IG Metall setzt zum Auftakt der Metall-Tarifrunde ein ungewöhnliches Signal. Monika Skolimkowska, dpa

Eigentlich ist die Situation in seinem Betrieb ganz anders. Doch Clemens Dereschkewitz, Geschäftsführer bei Glen Dimplex Thermal Solutions (GDTS), einem international tätigen Hersteller von Wärmepumpen und industriellen Kühllösungen mit Hauptsitz in Kulmbach, spricht an diesem Tag nicht für sein Unternehmen und auch nicht für die Heizungsbranche. Er informiert als Vorstandsvorsitzender der BayME/VBM-Region Oberfranken-Ost über die jüngste Konjunkturumfrage, die die Arbeitgeberverbände VBM und BayME unter ihren Mitgliedsbetrieben durchgeführt haben. Und die zeigt insgesamt ein ganz anderes Bild als die Heizungsindustrie, die derzeit infolge Dekarbonisierung und neuer Umwelttechniken um mehr als 35 Prozent jährlich wächst. "Corona hat unsere Wirtschaft stark getroffen. Und der Beschäftigungsrückgang wird sich fortsetzen", sagt Dereschkewitz.

Deutlich weniger Exporte

Das zeigt sich überall, auch in Oberfranken. Zwar habe sich die Lage gegenüber der letzten Umfrage im Sommer verbessert. Aber "der Erholungsprozess wird länger dauern". Zurück zur Normalität werde es ein langer Weg. Vor allem "die Nachfrage nach unseren Exporten ist deutlich zurückgegangen", berichtete Dereschkewitz für die Branche in Oberfranken. 40 Prozent bezeichnen das Exportgeschäft als schlecht. Aufgrund der schlechten Geschäftslage seien die Erwartungen allerdings hoch. So hoffen etwa im Inlandgeschäft knapp 39 Prozent auf eine Verbesserung, nur rund zwei Prozent befürchten eine Eintrübung. Allerdings werde sich der Aufholprozess hinziehen. So erwarten nur rund 42 Prozent der oberfränkischen Unternehmen, dass sie Ende 2021 das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben werden.

"Weit vom Nachkrisenaufschwung entfernt"

In Unter- und Mittelfranken ergibt sich ein ähnliches Bild. Mehr als die Hälfte der unterfränkischen Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie rechnet mit einer unverändert schlechten Lage. Damit sei klar, dass auch das jetzige Jahr "wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser für die Unternehmen bringt und wir von einem Nachkrisenaufschwung noch weit entfernt sind", sagte vergangene Woche der Vorsitzende der BayME/VBM-Region Main und Rhön, Martin Johannsmann.

Tausende Stellen fallen weg

Weitergehen wird nach den Ergebnissen der Umfrage in den nächsten Monaten der Beschäftigungsabbau. In Mittelfranken rechnet die Branche für 2021 mit einem Abbau von 3000 Arbeitsplätzen, berichtete unlängst Susanne Gerhart-Deissenberger, Vorstandsmitglied des Verbandes in Mittelfranken. In Unterfranken geht man heuer von 2000 Stellen weniger aus. "Weitere 1500 Stellen werden in Oberfranken verloren gehen", teilte Clemens Dereschkewitz in der Presserunde gestern mit. Schon Ende vergangenen Jahres ist die Zahl der Arbeitsplätze in den Bezirken spürbar gefallen. So rutschte Unterfranken mit einem Stellenverlust von 3000 im vergangenen Jahr wieder unter die 90 000-Marke und verzeichnet derzeit nur noch etwa 89 000 Beschäftigte. Ähnlich in Oberfranken, wo 2020 rund 2000 Stellen abgebaut wurden. So waren es zum Jahresende hier nur noch knapp 60 000 Beschäftigte.

Investitionspläne unterschiedlich

Unterschiede zeigen sich in den Investitionsplänen. In Oberfranken wollen fast 41 Prozent der Unternehmen die Investitionsausgaben kürzen - ein nahezu ähnlich schlechter Wert wie in der Sommerumfrage. Anders sieht es in Mittelfranken aus. Hier will laut VBM/BayME eine Mehrheit von 36 Prozent die Investitionen ausbauen, nur 18 Prozent gehen von zurückgehenden Investitionen aus. Im Hinblick auf die Produktionspläne hingegen erwarten alle Regionen eine Steigerung.

Ende Februar endet Friedenspflicht

Vor diesem Hintergrund wird die aktuelle Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie alles andere als leicht. Da niemand absehen kann, wie lange die coronabedingten Einschränkungen noch andauern und wie schnell sich danach die Wirtschaft wieder erholen kann, gehen die Ansichten der Tarifparteien weit auseinander. "Im Moment geht es ums Überleben und darum, Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Dereschkewitz. Insofern gebe es keinen Verteilungsspielraum.

Das sieht die IG Metall ganz anders. Die Gewerkschaft verlangt "Zukunftstarifverträge" für die einzelnen Betriebe sowie ein Entgelt-Volumen von 4,0 Prozent. Sie wirbt in diesem Zusammenhang für die Option der Vier-Tage-Woche mit 32 Stunden Arbeitszeit statt bislang 35 Stunden. Eine erste Verhandlungsrunde im Dezember brachte auf beiden Seiten keine Bewegung. Immerhin haben die Tarifparteien noch bis Ende Februar Zeit für eine Annäherung. Dann endet die sogenannte Friedenspflicht und Warnstreiks sind möglich.

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