Bayreuth
Konjunktur

Licht und Schatten im fränkischen Handwerk

Während sich im Bau- und Ausbaugewerbe die Corona-Pandemie kaum bemerkbar macht, ist die Stimmung bei Friseuren, Kosmetikern oder Kfz-Betrieben spürbar schlechter geworden.
Die coronabedingten Einschränkungen wirken sich inzwischen auch auf die Geschäftslage vieler  Handwerksbetriebe aus, im Bild Kfz-Techniker-Meister Florian Bayer aus Gößweinstein (Landkreis Forchheim). Barbara Herbst/Archiv
Die coronabedingten Einschränkungen wirken sich inzwischen auch auf die Geschäftslage vieler Handwerksbetriebe aus, im Bild Kfz-Techniker-Meister Florian Bayer aus Gößweinstein (Landkreis Forchheim). Barbara Herbst/Archiv
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Zwei völlig unterschiedliche Wahrnehmungen kennzeichnen derzeit das Handwerk in Franken. Da gibt es zum einen die Gruppe derer, die nach wie vor hoch zufrieden auf ihre Geschäftslage und Aufträge blickt. Und dann ist da eine Gruppe von Gewerken, die die Corona-Krise mit voller Wucht getroffen hat. Dementsprechend schlecht ist hier im Moment die Stimmung. Selbst die Angst vor drohender Geschäftsaufgabe ist nicht selten.

Drei Viertel vermelden schlechte Geschäftslage

Der aktuelle Lockdown trifft aufgrund der angeordneten Schließungen am härtesten Friseure und Kosmetiker. Diese haben schon eine solche Situation hinter sich, als sie ihre Läden im Frühjahr 2020 schon einmal nicht öffnen durften. Und jetzt erneut. "Dementsprechend vermelden drei Viertel dieser

Betriebe eine schlechte Geschäftslage", gab die Handwerkskammer für Oberfranken aufgrund der jüngsten Umfrage bekannt. In Unter- und Mittelfranken ist es nicht anders. In Unterfranken waren laut Kammer zuletzt 70,8 Prozent der Betriebe der persönlichen Dienstleistungen überzeugt davon, dass sich die Geschäftslage künftig noch weiter verschlechtern wird. Handwerker mit Ladengeschäften gehören dazu. Anders als etwa Friseure dürfen Fotografen, Uhrmacher, Augenoptiker oder Hörgeräteakustiker zumindest eingeschränkt für die Kunden da sein, indem sie z.B. Reparaturen ausführen. Aber die Umsätze sind doch spürbar zurückgegangen, auch wenn die Mehrheit dieser Gruppe sich noch zufrieden mit den aktuellen Geschäften zeigt.

Auch Bäcker haben Einbußen

Die Corona-Beschränkungen bekommen auch sogenannte Nahrungsmittelhandwerke wie Bäcker oder Metzger zu spüren, obwohl wenn ihre Läden für die Kunden nie geschlossen waren. "Diese sind aber indirekt betroffen, weil sie Gaststätten oder Schulen aktuell nicht beliefern können", gibt Benedikt Helldörfer, Assistent der Geschäftsleitung bei der Handwerkskammer für Oberfranken, zu bedenken. "Ich nehme das vergangene Jahr als Achterbahnfahrt wahr, bei der man heute noch nicht weiß, wann und wie sie enden wird", so die Einschätzung von Walter Heußlein, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken. Sorgen macht sich Heußlein auch um "die Zulieferbetriebe für die Industrie, die über enorme Auftragsrückgänge berichten".

Auch im Kfz-Handwerk hat sich die wirtschaftliche Lage merklich verschlechtert. Fast die Hälfte der von der Handwerkskammer für Oberfranken Befragten weist eine schlechte Geschäftslage aus. Grund dafür dürfte nach Einschätzung von Benedikt Helldörfer in erster Linie das Verbot des stationären Autohandels verbunden mit einer gesunkenen Nachfrage nach Neufahrzeugen sein.

Zugpferd der Handwerkskonjunktur

Dass man im fränkischen Handwerk aber dennoch relativ gelassen nach vorne blickt, liegt vor allem an einer Sparte, die inzwischen seit mehreren Jahren erfolgreiche Geschäfte vermeldet. Und da diese Sparte auch dementsprechend groß, wundert es nicht, dass etwa in Unterfranken über das ganze vergangene Jahr hinweg immer noch 82,4 Prozent aller Handwerksbetriebe angaben, mit der eigenen Geschäftslage zufrieden zu sein - auch wenn das immerhin fast zehn Prozentpunkte weniger waren als noch im Vorjahr. Es sind die Bau- und Ausbauhandwerke, die sich von der Corona-Krise nahezu unbeeindruckt zeigen. 94,5 Prozent der Betriebe des oberfränkischen Bauhauptgewerbes berichteten zuletzt von einer sehr guten Geschäftslage. In Unterfranken waren es sogar 97 Prozent.

Aber auch hier nahmen die Aufträge zuletzt etwas ab. Dabei ist aber die glänzende Ausgangslage der vergangenen Jahre zu berücksichtigen. Mit durchschnittlich 76,1 Prozent Kapazitätsauslastung im Jahr 2020 und einer Auftragsreichweite von 11,1 Wochen lag zum Beispiel das unterfränkische Handwerk nur knapp hinter den Vorjahreswerten. Die Handwerkskammer für Oberfranken vermeldete für das vierte Quartal 2020 einen Wert von 8,2 Wochen. "Das reicht zwar nicht an die letzten drei Jahre heran, mittel- bis langfristig gesehen ist dieser Wert allerdings weiterhin überdurchschnittlich hoch", sagt Helldörfer. Die Unterschiede zwischen den Handwerkszweigen sind jedoch beträchtlich. Während Oberfrankens Bau- und Ausbauhandwerker im Schnitt Aufträge

für über zehn Wochen ausweisen können, kommen die übrigen Branchen auf durchschnittlich fünf Wochen.

Was die nächsten Monate bringen werden, weiß freilich keiner. "In der Baubranche fragt man sich beispielsweise, ob die Aufträge zurückgehen, wenn der öffentlichen Hand das Geld ausgeht", berichtet Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken. Andererseits bestehe die Hoffnung, dass der Binnenmarktkonsum wirtschaftlich einiges auffangen könne.

Langes Warten auf Hilfe

Solche Zahlen sind für Frankens Friseure, darunter viele Soloselbstständige, kein Trost. Sie warten dringend auf die versprochenen Corona-Hilfen. Aber die kommen nicht oder nur spärlich. "Die Grenze des Zumutbaren ist erreicht. Viele Betriebe stecken inzwischen tief in einem Existenzkampf", schimpft Matthias Graßmann, Vizepräsident der Handwerkskammer für Oberfranken. Laut Kammer kommen die medienwirksam versprochenen Finanzhilfen bislang nicht oder nur sehr sporadisch und in geringem Umfang an. Die Hürden für die Antragsstellung seien zudem sehr hoch und viel zu bürokratisch.

Und noch ein anderes Problem beschäftigt die Handwerker, wenn auch kein neues. Der Mangel an Auszubildenden könnte sich verschärft haben. Zumindest ist die Zahl der neuen Lehrverträge in allen drei Bezirken zurückgegangen. "Die Corona-Pandemie hat im letzten Jahr zur Absage vieler Berufsorientierungsmaßnahmen und Veranstaltungen geführt", hat Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Kammer in Unterfranken eine Erklärung. Aber auch die Zahl der Schulabgänger wirkt sich wohl aus. Die Schülerzahlen sinken seit einigen Jahren.