Insgesamt kündigte der Energieriese Wertberichtigungen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro an, die auch auf das Nettoergebnis für 2013 durchschlagen werden. Mit 2,9 Milliarden Euro entfällt der Großteil davon demnach auf die konventionelle Stromerzeugung. Eine schwache Nachfrage und der immer größere Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung schwächen die Ertragslage nachhaltig.

Zusätzlich zu den Abschreibungen auf den Kraftwerkspark identifizierte RWE Wertberichtigungsbedarf beim Geschäft mit Erneuerbaren Energien und bei Beteiligungen. Die Maßnahmen schlagen auf das Nettoergebnis des Konzerns durch. Dies hatte nach den ersten neun Monaten bei gut 600 Millionen Euro gelegen und damit nur noch ein Drittel des Vorjahreswerts betragen.

Analysten erwarten jetzt einen Verlust für das abgelaufene Jahr. Equinet-Experte Michael Schäfer etwa rechnet mit einem Minus von etwa einer Milliarde Euro. Das wäre der erste Nettoverlust des Unternehmens überhaupt. Von RWE gab es dazu keinen Kommentar.

An den Prognosen für 2013 - diese beziehen sich vor allem auf Kenngrößen, aus denen Abschreibungen herausgerechnet sind - ändert das Unternehmen nichts. Mögliche Änderungen an den Annahmen für dieses und die kommenden Jahre will Konzernchef Peter Terium bei der Vorlage der Gesamtjahreszahlen Anfang März verkünden.

Der Vorstandsvorsitzende erklärte in einer Mitteilung: «In ganz Europa stehen derzeit vor allem Erdgas- und Steinkohlekraftwerke unter einem hohen wirtschaftlichen Druck.» RWE trage den «tiefgreifenden Veränderungen» der Rahmenbedingungen auf dem europäischen Erzeugungsmarkt Rechnung. Er kündigte an, die Kosten des Kraftwerksparks weiter zu senken, um so die Ertragskraft zu steigern.

Bereits bekannt ist, dass RWE bis 2016 jede zehnte Stelle streichen will. Konzernweit sollen 6750 der zuletzt insgesamt rund 67 000 Stellen wegfallen, verlagert oder durch Verkauf abgegeben werden, 4750 davon in Deutschland.

Erst im Herbst 2013 hatte es Abschreibungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro gegeben, auch hier war der Kraftwerkspark betroffen.

Dass es nun erneut zu den massiven Abschreibungen gekommen ist, liegt vor allem an den einbrechenden Preisen an der Strombörse. Diese liegen nach Branchenangaben bei unter 40 Euro pro Megawattstunde. Damit sich aber beispielsweise der Betrieb eines Gaskraftwerks lohnt, wäre ein Preis von 55 Euro nötig. «In unserem Prüfprozess haben wir gesehen, dass wir davon ausgehen müssen, dass das Preisniveau an den Großhandelsmärkten in Europa langfristig niedrig bleiben wird», sagte eine RWE-Sprecherin.

Die Wertberichtigungen haben keine Auswirkungen auf das sogenannte nachhaltige Nettoergebnis. Dieses ist für die Dividende ausschlaggebend, die entsprechend unberührt bleibt, wie es hieß. Nachdem RWE erst im Herbst angekündigt hatte, die Ausschüttung von zwei auf einen Euro je Aktie zu halbieren, ist eine künftige weitere Kürzung nach Einschätzung von Analyst Schäfer erst einmal nicht wahrscheinlich.

Abschreibungen schmälern jedoch das Eigenkapital eines Unternehmens. Hier hatte RWE zuletzt noch eine stabile Quote vorzuweisen. Wenn die Eigenkapitalquote jedoch zu stark fällt, gefährdet das die Finanzierung eines Unternehmens.

Wind- und Sonnenenergie sind im Zuge der Energiewende so schnell gewachsen, dass sie theoretisch den deutschen Strombedarf an vielen Tagen allein decken könnten. Wegen des im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Einspeisevorrangs und der Festvergütungen weit über Marktniveau verdrängen die Erneuerbaren die konventionellen Kraftwerke. Diese stehen deshalb viel häufiger als geplant still und rentieren sich in vielen Fällen nicht mehr.

An der Börse geriet die RWE-Aktie zunächst unter Druck und rutschte ans Ende des Leitindex Dax. Bis zum Handelsschluss verringerten die Papiere ihre Verluste.