Bamberg
Kommentar

Jetzt wird es gefährlich

Die EZB setzt ihre Pläne zum Kauf von Staatsanleihen in die Tat um. Das Risiko sorgt bei unserem Kommentator für Sorgenfalten.
 
Foto: Boris Roessler, dpa
Foto: Boris Roessler, dpa
Immer weiter nach unten ging es in den vergangenen drei Jahren mit dem Leitzins in der Eurozone. Seit September liegt er auf seinem bisherigen Rekordtief: bei 0,05 Prozent. Gebracht hat diese stetige Senkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) rein gar nichts. Die Inflationsraten blieben auf niedrigem oder sogar negativem Niveau, die Angst vor einer Deflation stieg weiter.
Längst hat EZB-Chef Mario Draghi gemerkt, dass er an dieser Stellschraube praktisch keinen Spielraum mehr hat. Noch weiter nach unten bringt nichts - Japan lässt grüßen.
Die Instrumente der EZB sind übersichtlich geworden. Jetzt soll also - quasi als letzter Trumpf - der Kauf von Staatsanleihen Wirkung zeigen.
Im Idealfall sieht die Rechnung so aus, dass Europas Zentralbank nun Anleihen der Länder (auch deutsche Staatsanleihen) von Banken kauft und diese das Geld in Form von Krediten an Unternehmer und Verbraucher weitergeben können.
Wirtschaft und Konjunktur wären damit angekurbelt. Problemländer hätten weiterhin niedrige Zinsen.

Gelddruckmaschine?

Soweit die möglichen Vorteile. Was man jedoch nicht außer Acht lassen darf: Die Notenbank nimmt bei dieser Maßnahme nicht einfach Geld in die Hand. Sie druckt es. Und zwar im ganz großen Stil. Mehr als eine Billion Euro kommen so neu in den Markt. Irgendwann wird diese Geldschwemme dann am Kreditmarkt ankommen - und dann wird es brenzlig. Wenn an diesem Punkt nicht schnelle Gegenmaßnahmen ergriffen werden, droht eine Geldentwertung großen Ausmaßes. Im Übrigen: Nicht auszudenken, was passiert, sollte in einigen Monaten der Ölpreis wieder kräftig steigen.
Die EZB als reine Gelddruckmaschine? Eine solide Geldpolitik sieht anders aus.