Kopenhagen
Supermarkt

Lidl verkauft bald "Glückstüten": Hinter dem neuen Konzept steckt ein genialer Gedanke

Viele Nahrungsmittel, die leicht verbeult sind oder kurz vor dem Verfallsdatum stehen, werden in Lebensmittelläden aussortiert oder von Kunden nicht gekauft. Dadurch kommt es zu einer enormen Lebensmittelverschwendung. Lidl möchte mit seinen "Glückstüten" nun dagegen ankämpfen.
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Durch "Glückstüten" sollen in 121 Lidl-Filialen in Dänemark bald Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden: Sie werden kurz vor Ladenschluss günstiger verkauft. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa
Durch "Glückstüten" sollen in 121 Lidl-Filialen in Dänemark bald Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet werden: Sie werden kurz vor Ladenschluss günstiger verkauft. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa

"Glückstüten" bei Lidl: Wenn Lebensmittel von der Form oder vom Aussehen her nicht der Norm entsprechen, dann werden sie häufig weggeworfen. Dies sorgt dafür, dass jährlich etwa 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeschmissen werden. Das sind laut einer FAQ-Studie circa ein Drittel der Nahrungsproduktion für den Menschen.

121 Lidl Filialen in Dänemark wollen "Glückstüten" verkaufen

In Dänemark wollen nun 121 Lidl-Filialen gegen die Verschwendung vorgehen, wie chip.de berichtet. Ab dem 18. November 2019 werden in den Filialen sogenannte "Glückstüten" verkauft. Die Tüten enthalten Ware, die entweder nahe am Haltbarkeitsdatum liegt oder nicht mehr ganz so frisch oder verbeult aussieht. Sie würde normalerweise weggeschmissen werden.

Je nach Tageszeit variieren die Inhalte der "Glückstüten". Geplant sind Tüten, die primär Obst und Gemüse oder trockene Lebensmittel wie Reis, Zucker oder Tee enthalten. Zur späteren Stunde sollen auch Wurst- oder Fleischwaren vergünstigt erhältlich sein.

Laut chip.de wird das Ziel verfolgt, mindestens 150.000 der "Glückstüten" zu verkaufen. Preislich liegen diese etwa bei vier Euro pro Tüte. Lidl gibt an, dass der Warenwert sich auf etwa 12 Euro pro Tüte beläuft.

"Too good to go": Die treibende Kraft hinter den Lidl-"Glückstüten"

Die treibende Kraft hinter den "Glückstüten" ist jedoch nicht Lidl. Das Konzept der Lebensmittelrettung stammt von "Too good to go" - eine Organisation, die es sich zur Aufgabe macht, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Mithilfe von verschiedenen technikbegeisterten Unternehmern und Unternehmerinnen aus ganz Europa entwickelten sie eine App, mit der Lebensmittel vor der Mülltonne bewahrt werden können.

Das Prinzip ist einfach: Die App zeigt Läden in der Umgebung an, die überschüssige oder leicht beschädigte Waren noch vergünstigt verkaufen wollen, anstatt sie wegzuschmeißen. Der Kauf der Lebensmittel passiert über die App, "Too good to go" bekommt eine Provision und die geretteten Lebensmittel können im Laden der Wahl abgeholt werden.

Auch die Lidl-Filialen in Dänemark arbeiten mit der Organisation zusammen. So werden die Filialen auch für Kunden verlockend, die vielleicht vorher nicht bei Lidl eingekauft hätten. Bereits im Frühjahr 2019 wurde das Konzept in 21 Lidl-Filialen getestet - und war extrem erfolgreich. Laut Marcus Gustafsson, Vertriebsleiter von Lidl in Dänemark, waren die Tüten fast jeden Tag ausverkauft.

Wird es die "Glückstüte" auch in Deutschland geben?

chip.de zufolge hat der Discounter Lidl für Deutschland noch keine Zusammenarbeit mit "Too good to go" geplant. Eine andere Supermarkt-Kette ist jedoch schon Teil des Programms: Kaufland.

Seit Anfang Oktober 2019 können hier kurz vor Feierabend noch vergünstigte Lebensmittel über die "Too good to go"-App gekauft werden. Das Konzept scheint dasselbe zu sein, es unterscheidet sich nur der Name. Anstelle von "Glückstüten" werden in den Kaufland-Filialen "Wundertüten" für die Kunden zusammengestellt.

Das Projekt wird nicht nur von Kaufland unterstützt - deutschlandweit arbeitet "Too good to go" auch punktuell mit Netto, Real und Edeka zusammen. Genaue Angaben zu den Filialen werden in der App gemacht, welche sowohl im App-Store als auch im Play-Store kostenlos erhältlich ist.