Steinbach am Wald
Weinflaschen-Engpass

"Glas ist generell knapp"

Die Nachfrage nach Glasflaschen ist im Moment hoch. Das hat mehrere Gründe, berichtet der Chef von Wiegand-Glas in Steinbach am Wald.
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Ein Wiegand-Glas-Mitarbeiter   prüft die Qualität neuer Weinflaschen. Foto: M. Litzlfelder, Archiv
Ein Wiegand-Glas-Mitarbeiter prüft die Qualität neuer Weinflaschen. Foto: M. Litzlfelder, Archiv

In Deutschland gibt es rund 25 Glashüttenstandorte. Sie produzieren jährlich Glasbehälter mit einem Gewicht von insgesamt etwa vier Millionen Tonnen. In Franken sind vor allem drei Firmen tätig, die ihre Werke hier hauptsächlich im Landkreis Kronach haben: Heinz-Glas, Gerresheimer und Wiegand-Glas. Während Heinz und Gerresheimer in erster Linie die Kosmetikbranche bedienen, ist die Firma Wiegand in Steinbach am Wald auf den Getränkemarkt fokussiert.

"Glas ist generell knapp", bestätigt Nikolaus Wiegand, geschäftsführender Gesellschafter der Firma mit insgesamt 1950 Mitarbeitern an vier Standorten, die aktuelle Situation bei den Weinflaschen. Die könnte sich nächste Woche noch verschärfen, denn dann wird in Steinbach am Wald eine verschlissene Glasschmelzwanne ersetzt. Bis die neue, dann größere Wanne einsatzfähig ist, vergehen zwei Monate. Die neue Wanne - eine von elf in der Wiegand-Gruppe - hält dann wieder zehn Jahre und läuft sowieso rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. "Deswegen kann unser Angebot auch nicht einfach mal schnell angehoben werden", berichtet Wiegand.

35 bis 40 Prozent der Produktion bei Wiegand sind Weinflaschen, beim Bocksbeutel ist die Firma sogar Marktführer mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent. Die Produktpalette umfasst alle gebräuchlichen und auch individuelle Mehrweg- und Einweg-Glasverpackungen. Daneben aber auch seit mehr als 20 Jahren PET-Flaschen.

Die Nachfrage sei im Moment sehr hoch, dadurch stiegen auch die Preise. Als Gründe nennt Wiegand die "Superweinernte im Jahr 2018 in ganz Europa" und den Trend zur Individualglasflasche mit Markenlogo bei den Mineralbrunnen. "Ich habe gehört, dass selbst Coca-Cola wieder auf die Liter-Glasflasche setzen will. Das ist schon ein Statement für die Branche", sagt Wiegand. Früher seien es die Kunden gewohnt gewesen, bis 13 Uhr anzurufen und am nächsten Tag alles geliefert zu bekommen. Jetzt müssten sie früher planen.

Wein im Tank gut aufgehoben

Wein und Glasflasche - eine perfekte Kombination. "Glas ist für den Wein ein idealer Behälter", sagt Experte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Doch was passiert, wenn der Wein infolge eines Flaschenengpasses nicht abgefüllt werden kann? Kein Problem, sagt Büscher. Im Edelstahltank sei der Wein mindestens genauso gut aufgehoben. Egal welche Qualitätsstufe könne er dort locker ein Jahr lang lagern, theoretisch auch mehrere Jahre. "Es ist ein wirtschaftliches, kein Qualitätsproblem", erklärt Büscher: "Das Kapital liegt im Tank und die Kundennachfrage kann nicht bedient werden."