Hannover
Geflügelzucht

Geflügelfleisch-Produzent: Wiesenhof will seine Hühner künftig mit Insekten mästen

Der Geflügelfleisch-Hersteller Wiesenhof will in Zukunft Insekten an seine Tiere verfüttern. Dadurch soll der Sojaanteil im Futter gesenkt werden. Der Sojaanbau für die Tiermast steht in der Kritik, weil für ihn große Regenwald-Flächen in Südamerika gerodet werden müssen.
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Fliegen als Alternative im Mastbetrieb: Geflügelhersteller Wiesenhof will in Zukunft Insekten statt Soja an Tiere verfüttern. Symbolfoto: Marc Müller/dpa
Fliegen als Alternative im Mastbetrieb: Geflügelhersteller Wiesenhof will in Zukunft Insekten statt Soja an Tiere verfüttern. Symbolfoto: Marc Müller/dpa

Geflügelfleisch-Marktführer Wiesenhof will künftig Insektenmehl an seine Tiere verfüttern und auf diese Weise den Sojaanteil im Futter senken. Dies äußerte der Chef des Wiesenhof-Mutterkonzerns PHW, Peter Wesjohann, am Mittwoch (11. September 2019).

"Unser Ziel ist es, künftig auf den Zusatz von Soja in unserem Geflügelfutter so weit wie möglich zu verzichten", so Wesjohann.

Soldatenfliege als alternativer Energielieferant?

In Protein aus Insekten sehe das Unternehmen eine geeignete Alternative. "Wir können heute noch nicht sagen, wann wir genau Soja im Geflügelfutter durch Insektenproteine ersetzen können. Wichtig ist für uns, dass wir diesen Weg jetzt einschlagen."

Bisher ist die Nutzung von Insektenmehl im Tierfutter wegen EU-Vorgaben aus der Zeit der BSE-Krise um die Jahrtausendwende untersagt. Über seinen kanadischen Partner Enterra beantragte PHW daher bei der EU-Kommission eine Zulassung von Insektenmehlen in Geflügel- und Schweinefutter. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Wesjohann: "Mein dringender Appell an die Europäische Union ist, möglichst schnell die Fütterung von Insektenmehlen in der europäischen Tierhaltung zu erlauben."

Großflächige Rodungen des Regenwald wegen Sojaanbau

Als alternative Energiequelle soll die Soldatenfliege herhalten: Deren Larven zieht das Unternehmen Enterra auf Nahrungsabfällen auf. Die Insekten wandeln die Nährstoffe des Abfalls in Eiweiß und Fett um und werden dann gemahlen. "Aus zwei Kilogramm Lebensmittelabfall können wir ein Kilogramm Insektenmehl gewinnen", sagte Wesjohann der Neuen Osnabrücker Zeitung. PHW arbeitet seit August 2018 mit Enterra zusammen.

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Der Anbau von Soja ist vor dem Hintergrund großflächiger Rodungen im Regenwald Südamerikas in die Kritik geraten. Allein die PHW-Gruppe verfüttert derzeit pro Jahr 240 000 Tonnen Sojaschrot an Hähnchen, auch wenn dieses Soja laut Wesjohann zertifiziert ist.

Erst im Mai dieses Jahres wurde bekannt, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium ein selbst gesetztes Ziel nur teilweise erreicht hat: Bei vielen Masttieren werden in der Zucht noch immer viele Antibiotika eingesetzt.

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