Paris/Rüsselsheim

«Fliegender Start» für Stellantis

Opel gehört nun einem Hersteller, der auch den Fiat 500 oder den Geländewagen Jeep vom Band laufen lässt. Autoboss Tavares will eine bessere operative Rendite. Macht die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung?
 
Stellantis
Logos von Autofirmen an der Fassade des Gebäudes, in dem sich der Hauptsitz von Stellantis in Lijnden, in der Nähe von Amsterdam, befindet. Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Der neuformierte Autogigant Stellantis mit Marken wie Opel, Peugeot oder Fiat hat nach eigener Einschätzung «einen fliegenden Start» hingelegt.

Es komme nun darauf an, die angekündigten Synergien von jährlich fünf Milliarden Euro zu erzielen, sagte Konzernchef Carlos Tavares bei der Vorlage der Geschäftszahlen der beiden Fusionspartner Fiat Chrysler (FCA) und PSA.

Die Partner hatten vor eineinhalb Monaten ihre Megafusion zum viertgrößten Autobauer der Welt vor dem Hintergrund coronabedingter Umsatz- und Gewinneinbußen abgeschlossen. Der Konzern führt 14 Marken, dazu gehören auch Citroën, Jeep, Maserati oder Alfa Romeo. Die Gruppe hat starke Standbeine in Europa sowie den USA und beschäftigt rund 400 000 Menschen. Die Partner setzten im vergangenen Jahr gemeinsam knapp sechs Millionen Fahrzeuge ab.

Für das laufende Jahr gab Tavares eine operative Rendite in der Spanne von 5,5 bis 7,5 Prozent vor - im vergangenen Jahr hatte der bereinigte Wert zusammengerechnet nur 5,3 Prozent betragen. Bei der Ansage wird aber vorausgesetzt, dass es im Jahresverlauf nicht zu längeren Corona-Lockdowns kommen wird.

Der als knallharter Kostenkiller bekannte Tavares hatte bereits zu Jahresbeginn deutlich gemacht, dass Fabriken von Fiat Chrysler (FCA) in Italien leistungsfähiger werden sollen. Es sollen fusionsbedingt keine Werke geschlossen werden. Stellantis macht - wie anderen Herstellern auch - der Mangel von Halbleiterprodukten zu schaffen.

Der gebürtige Portugiese Tavares erklärte mit Blick auf die Geschäftszahlen der beiden Fusionspartner, Stellantis sei finanziell gesund. Der Peugeot-Hersteller PSA erzielte im vergangenen Jahr einen auf den Konzern entfallenen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Euro - im Jahr zuvor waren es noch 3,2 Milliarden Euro gewesen. Der Umsatz sank wegen der Corona-Krise um rund 19 Prozent auf 60,7 Milliarden Euro.

Der Nettogewinn von FCA brach im vergangenen Jahr im fortgeführten Geschäft von 2,7 Milliarden Euro auf nur noch 24 Millionen Euro ein. Sondereffekte herausgerechnet, sackte das Ergebnis von 4,3 Milliarden auf knapp 1,9 Milliarden Euro zusammen. Der Umsatz betrug 86,7 Milliarden Euro - ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

Die Tochter Opel-Vauxhall, die bisher zu PSA gehörte, erzielte einen operativen Gewinn von 527 Millionen Euro, das war etwa die Hälfte weniger als zuvor (1,1 Milliarden Euro). Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie brach der Opel-Absatz mit minus 35 Prozent stärker ein als bei den anderen PSA-Konzernmarken.

Das Unternehmen verzichtete auf wenig lukrative Verkäufe, beispielsweise an Mietwagenfirmen, und strich Modelle aus der 2017 beendeten General-Motors-Zeit aus dem Angebot. Tavares hatte Opel über Jahre hinweg saniert, dabei blieben viele Jobs auf der Strecke.

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